Kaum China-Bashing im US-Wahlkampf

24. Oktober 2012, 17:37
1 Posting

Peking lässt nur gefiltert vom Rennen zwischen Obama und Romney berichten

Pekings Befürchtung, im US-Wahlkampf an den Pranger gestellt zu werden, bewahrheitet sich nicht. Die Medien hatten lange spekuliert, dass sich Barack Obama und Mitt Romney eingehend mit dem "Aufstieg Chinas" befassen würden, den die USA mit allen Mitteln verhindern wollten. Doch nicht einmal beim letzten TV-Duell am Dienstag versuchten die Kandidaten sich im China-Bashing zu übertreffen.

Im Gegenteil: "Wir können gute Partner sein, wenn sich China an die internationalen Regeln hält," äußerte sich Romney staatsmännisch. Zwar wiederholte er die Vorwürfe an China, relativierte sie aber in der Schärfe: Abwanderung von US-Arbeitsplätzen, Wirtschaftbetrug, Industriespionage, Währungsmanipulation. Er, Romney, werde China als Präsident solches Verhalten nicht nachsehen. Es komme ihm vor allem darauf an, Peking zum Fair Play zu zwingen. Auch Obama nannte die Volksrepublik zwar eine Kontrahentin, aber auch eine potenzielle Partnerin der US-Interessen.

Entsprechend wohlwollend war dann das Fazit der staatlichen Nachrichtensendungen von CCTV. Und mehr stolz als empört verkündeten sie, dass zum ersten Mal die Frage "des Aufstiegs Chinas zum Thema einer Wahlkampfdebatte wurde". Und die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kommentierte: "China ist bereit, künftig mit seinen US-Partnern eng zusammenzuarbeiten, um über freimütige und offene Gespräche Lösungen zu finden, die den Interessen beider Seiten dienen."

Die Führung in Peking freilich ließ keine der drei Wahlkampfdebatten übertragen. Das befürchtete China-Bashing spielte wohl weniger eine Rolle als die Absicht, der eigenen Bevölkerung nicht auch noch zu zeigen, wie öffentlich und kontrovers Wahlkämpfe ausgefochten werden können. Schließlich wird die KP für 8. November, zwei Tage nach der US-Wahl, ihren eigenen Wahlparteitag zum Generationenwechsel der gesamten KP-Führung in Peking einberufen. Sie hüllt sich über alles, was dort an Zukunftsprogrammen beschlossen werden soll, und auch darüber, wer aller zur Wahl steht, in Schweigen.

Asiatische US-Wähler

Chinas nationale Justizzeitung Fazhi Ribao wies am Dienstag in einem halbseitigen Beitrag zur US-Wahl auf den wachsenden Anteil von US-Amerikanern mit asiatischer Abstammung unter den US-Wahlbürgern hin. Sie erwerben sich eine neue Bedeutung als Zünglein an der Waage.

Allein in diesem Jahr seien 600.000 solche Wahlberechtigten neu dazugekommen. Zwischen 2000 und 2010 sei die Zahl von US-Bürgern asiatischer Abstammung um 45,6 Prozent auf 18,2 Millionen Personen gestiegen. Es sei die am schnellsten wachsende ethnische Gruppe in den USA. Sie mache derzeit sechs Prozent der US-Bevölkerung aus. Prognostiziert wird, dass sich bis 2050 ihr Anteil auf zehn Prozent erhöht. (Johnny Erling, DER STANDARD, 25.10.2012)

  • Chinas Währungspolitik, von den USA oft kritisiert.
    foto: der standard/tyrone siu

    Chinas Währungspolitik, von den USA oft kritisiert.

Share if you care.