Von der Dreckschleuder zu grüner Energie

  • 2012 werden weltweit 13 Millionen Tonnen Pellets verfeuert.
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    2012 werden weltweit 13 Millionen Tonnen Pellets verfeuert.

In Großbritannien werden die ersten Kohlekraftwerke mit Holzpellets statt mit fossilen Brennstoffen befeuert. Gelingt die Umstellung, könnte der weltweite Bedarf an der Biomasse bis 2020 um das Sechsfache steigen. Die Branche fühlt sich für den Boom gewappnet

London/Berlin - Es ist mehr als ein Zeichen, das Großbritannien im Zuge der Energiewende weg von fossilen Brennstoffen setzt: Das größte Kohlekraftwerk der Insel in Drax im Landkreis North Yorkshire soll in einigen Jahren nur noch grüne Energie mittels Biomasse erzeugen.

Statt mit Kohle soll das Kraftwerk hauptsächlich mit Holzpellets befeuert werden. In einem der sechs Heizkraftwerke werden bereits seit Juni diesen Jahres Pellets als Brennstoff eingesetzt, zwei weitere sollen in Kürze folgen. Drax Group, der Betreiber des Kraftwerkes, plant, diese drei Einheiten in einigen Jahren einzig mit Biomasse zu befeuern. Für diese Umbaumaßnahmen werden bis 2017 insgesamt 1,13 Milliarden Dollar investiert.

Hohe Rohstoffpreise und politische Vorgaben

Derzeit ist die Anlage aufgrund ihrer Größe noch der größte CO2-Emittent Großbritanniens und durch die Verbrennung von Kohle für sieben Prozent der Stromproduktion im Königreich verantwortlich. Gelingt die schrittweise Umstellung, allein durch Drax vier Prozent des Stroms in Großbritannien durch Ökobrennstoffe gewonnen.

"In Großbritannien wird der größte Wechsel hin zur Verwendung von Pellets vollzogen", sagte Arnold Dale vom schwedischen Konzern Ekman & Co im Rahmen des 12. Industrieforum Pellets in Berlin. Gründe dafür sind einerseits die hohen Rohstoffpreise für fossile Brennstoffe, andererseits politische Vorgaben, die Stromkonzerne zum Ausbau von erneuerbaren Energien zwingen.

Weltweiter Pelletsbedarf: 13 Millionen Tonnen

Der potenzielle Markt für Pellets ist riesig: In Großbritannien gibt es 17 Kohlekraftwerke, die ganz oder teilweise auf Biomasse umgestellt werden können. Dale rechnet mit einem Marktvolumen allein in Großbritannien von 25 bis 30 Millionen Tonnen Pellets.

Zum Vergleich: Der weltweite Bedarf an Pellets beträgt derzeit 13 Millionen Tonnen. Dieser Wert, schätzt Dale, könnte in acht Jahren um das Sechsfache auf rund 80 Millionen ansteigen. Bedient werden soll die steigende globale Nachfrage vor allem durch den Bau neuer Pelletswerke in den USA und Kanada.

Stimmen die Prognosen, steht der Pelletsbranche wegen der hohen Preise für Öl und Gas ein neuer Boom nach 2006 bevor. "Damals kletterte der Ölpreis innerhalb kurzer Zeit von 25 auf 75 Dollar", sagte Christian Rakos, Präsident des European Pellet Council und Geschäftsführer von Pro Pellets Austria, dem Standard. Die rasante Nachfrage nach Pellets konnte die junge Branche nicht stillen. Auch Privatkunden wurden verunsichert, weil die Pelletspreise stiegen und nicht ausreichend Biomasse für die Pelletskessel geliefert werden konnte.

Mittlerweile kann die Branche wieder mit einem kontinuierlichen Wachstum aufwarten. Für den prognostizierten Anstieg des Pelletsbedarfs gibt sich Rakos gerüstet. "Das globale Potenzial, Holz nachhaltig zu produzieren und zu verwerten, ist immens groß", sagt Rakos. "Auch in Österreich gibt es noch genug ungenutztes Holz in den Wäldern." (David Krutzler, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

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