Von der Dreckschleuder zu grüner Energie

David Krutzler
24. Oktober 2012, 19:00
  • 2012 werden weltweit 13 Millionen Tonnen Pellets verfeuert.
    foto: dpa/dpaweb

    2012 werden weltweit 13 Millionen Tonnen Pellets verfeuert.

In Großbritannien werden die ersten Kohlekraftwerke mit Holzpellets statt mit fossilen Brennstoffen befeuert. Gelingt die Umstellung, könnte der weltweite Bedarf an der Biomasse bis 2020 um das Sechsfache steigen. Die Branche fühlt sich für den Boom gewappnet

London/Berlin - Es ist mehr als ein Zeichen, das Großbritannien im Zuge der Energiewende weg von fossilen Brennstoffen setzt: Das größte Kohlekraftwerk der Insel in Drax im Landkreis North Yorkshire soll in einigen Jahren nur noch grüne Energie mittels Biomasse erzeugen.

Statt mit Kohle soll das Kraftwerk hauptsächlich mit Holzpellets befeuert werden. In einem der sechs Heizkraftwerke werden bereits seit Juni diesen Jahres Pellets als Brennstoff eingesetzt, zwei weitere sollen in Kürze folgen. Drax Group, der Betreiber des Kraftwerkes, plant, diese drei Einheiten in einigen Jahren einzig mit Biomasse zu befeuern. Für diese Umbaumaßnahmen werden bis 2017 insgesamt 1,13 Milliarden Dollar investiert.

Hohe Rohstoffpreise und politische Vorgaben

Derzeit ist die Anlage aufgrund ihrer Größe noch der größte CO2-Emittent Großbritanniens und durch die Verbrennung von Kohle für sieben Prozent der Stromproduktion im Königreich verantwortlich. Gelingt die schrittweise Umstellung, allein durch Drax vier Prozent des Stroms in Großbritannien durch Ökobrennstoffe gewonnen.

"In Großbritannien wird der größte Wechsel hin zur Verwendung von Pellets vollzogen", sagte Arnold Dale vom schwedischen Konzern Ekman & Co im Rahmen des 12. Industrieforum Pellets in Berlin. Gründe dafür sind einerseits die hohen Rohstoffpreise für fossile Brennstoffe, andererseits politische Vorgaben, die Stromkonzerne zum Ausbau von erneuerbaren Energien zwingen.

Weltweiter Pelletsbedarf: 13 Millionen Tonnen

Der potenzielle Markt für Pellets ist riesig: In Großbritannien gibt es 17 Kohlekraftwerke, die ganz oder teilweise auf Biomasse umgestellt werden können. Dale rechnet mit einem Marktvolumen allein in Großbritannien von 25 bis 30 Millionen Tonnen Pellets.

Zum Vergleich: Der weltweite Bedarf an Pellets beträgt derzeit 13 Millionen Tonnen. Dieser Wert, schätzt Dale, könnte in acht Jahren um das Sechsfache auf rund 80 Millionen ansteigen. Bedient werden soll die steigende globale Nachfrage vor allem durch den Bau neuer Pelletswerke in den USA und Kanada.

Stimmen die Prognosen, steht der Pelletsbranche wegen der hohen Preise für Öl und Gas ein neuer Boom nach 2006 bevor. "Damals kletterte der Ölpreis innerhalb kurzer Zeit von 25 auf 75 Dollar", sagte Christian Rakos, Präsident des European Pellet Council und Geschäftsführer von Pro Pellets Austria, dem Standard. Die rasante Nachfrage nach Pellets konnte die junge Branche nicht stillen. Auch Privatkunden wurden verunsichert, weil die Pelletspreise stiegen und nicht ausreichend Biomasse für die Pelletskessel geliefert werden konnte.

Mittlerweile kann die Branche wieder mit einem kontinuierlichen Wachstum aufwarten. Für den prognostizierten Anstieg des Pelletsbedarfs gibt sich Rakos gerüstet. "Das globale Potenzial, Holz nachhaltig zu produzieren und zu verwerten, ist immens groß", sagt Rakos. "Auch in Österreich gibt es noch genug ungenutztes Holz in den Wäldern." (David Krutzler, DER STANDARD, 25./26.10.2012)

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Ist doch irgendwie Blödsinn

Aus Sonnenergie Holz machen, um das dann zu verfeuern und dann daraus Strom zu machen ... Photovoltaik ist da um mehrere Größenordnungen effizienter.

Dabei lässt sich durch Sonnenstrom Wasserstoff herstellen, der dann durch Methanisierung mit dem CO2 aus der Atmosphäre zu Methan gemacht wird. Methan ist übrigens auch unter dem Namen Erdgas bekannt und kann schon heute in Autos aber auch in Kraftwerken benutzt werden. So hätte man einen geschlossenen Energiekreislauf.

Anstatt Holzpellets sind wohl hydroverkohlte Biomasse..

die bessere Lösung.

Wenn einer im Kamin die Scheiter knistern hat,..

..so denkt er nicht daran, dass die Sonnenstrahlung lediglich zu 2% in Biomasse umgesetzt wird.
Besser wäre die Sonnenwärme direkt zu verwenden, da ist ein Wirkungsgrad von biszu 90% erreichbar.

negativ, negativ und sowieso alles schlecht!

so ein Blödsinn.
da kann nur unwissenheit sprechen.
kohle pellets zu bevorzugen?

tendenziell wird hier immer alles schlecht gemacht!
das finde ich sehr schade.
das ist eine der ersten meldungen.
und wenn hier steht das eine NACHHALTIGE Produktion möglich ist, dann sollte man das mal so glauben (natürlich nicht blind!).
kritisches hinterfragen ist natürlich immer wünschenswert. aber immer alles schlecht zu reden, von leuten die wahrscheinlich keine ahnung von energietechnik und Energiewirtschaft haben... das nervt.

ihr pseudo profis ....

mfg

Für diese Umbaumaßnahmen werden bis 2017 insgesamt 1,13 Milliarden Dollar investiert.

Seit wann haben die Briten den Dollar?
Woher hat die Redaktion den diesen Wert abgeschrieben?

Noch mehr Waldplantagen

Es ist ja gut, dass die Briten von ihrer Kohle wegkommen, aber wenn sie alle ihre Kohlekraftwerke auf Pellets umbauen, dann müssen sie ihr halbes Land mit Agrarforste zudecken.

Hochgezüchtete, mit Kunstdünger zugeschüttet, Schnelltriebwälder, ohne Biodiverstät und andere Lebewesen. Nutzwälder zum Verheizen- traurige neue Welt.

bis 2020 um das Sechsfache steigen

und das wars dann auch nmit dem billigen preis im vergleich zu den anderen energieformen. so gsehen ist eine neu zu installierende pelletsheizung schon jetzt als unrentabel anzusehen...

Kann mir bitte jemand erklären wieso PELLETS?

Deren Erzeugung einen wesentlich höheren Energieverbrauch benötigt als Hackschnitzel/ Stückholz?

Oder gehts mal wieder um Marktbereinigung um die Konsumentenpreise auf genehmen Niveau zu halten?

Wie vor einigen Jahren, als österreichische Pelletserzeuger ganze Eisenbahnzüge von Pellets gen Norden geschickt haben um das Preisniveau in Ö zu erhalten?

Da der Brennstoff ja anscheinend übern Atlantik aus Kanada und den USA herangeschafft werden soll (was aus ökologischer Sicht sicherlich auch zu hinterfragen ist), ist wahrscheinlich auch der höhere Energiegehalt und somit das geringere Transportvolumen zur Deckung des Energiebedarfs ein entscheidender Faktor für die Verwendung von Pellets.

Pellets kann man auch aus Sägemehl und Holzstaub machen.

Pellets sind standardisiert und haben damit eine genau definierte Größe, Maße und Heizwert. Die Heizungen können daher genau darauf abgestimmt werden, von der Förderanlage bis zum Brennraum.

Hackschnitzel bestehen aus unterschiedlichen Holzarten und haben dadurch ganz verschiedene Brenneigenschaften.

Leider nicht ganz richtig.

Auch Hackgut wird in verschiedene Klassen eingeteilt.

Punkt 2.4
http://de.wikipedia.org/wiki/Hackschnitzel

Da profitieren ja wieder nur die höchstsubventionierten Bauern - eine Frechheit!

Holzpellets haben bei uns das katzenstreu ersetzt

falls jemand für sein katzenklo eine nicht stinkende, weniger wohnungsverschmutzende und um welten billigere möglichkeit sucht -holzpellets sind genial-weiss das es bisschen themenverfehlung ist aber diese entdeckung war für mich eindeutig eine grosse verbesserung und nehme mal an auch für unsere müllstatistik(kann am kompost verrottet werden)

Grüne Energie als Feinstaubsuperschleuder und

Dioxin ist auch noch gewürzt.
js

GENAU!

Da ist uns die supersaubere Kohle ja um vieles lieber!

Auch österreichische Betriebe sind an solchen Projekten beteiligt.

Darauf können wir schon ein bisschen stolz sein.

Siehe Fa. VAS in Salzburg

auch auf die österreichischen rohstoffspekulanten können wir stolz sein

Wr Österreicher

haben unsere Finger so überall drinnen,
Kraftwerke, Waffenproduktionen, Ölgewinnung, .....
worauf wir NICHT besonders stolz sein sollten.

2,4 Mrd m³ verrotten derzeit ungenutzt

Nur so mal zum Nachrechnen: Laut FAO (Vereinte Nationen) wachsen weltweit jährlich ca. 2,4 Mrd. Kubikmeter Holz UNGENUTZT zu.

(Oder genauer: 6 Mrd. m³ wachsen zu, 3,6 Mrd. werden verbraucht, der Rest verrottet ungenutzt. Bitte jetzt keine Totholz-Diskussion, eh klar, brauchen wir auch. Aber da bleibt schon ein bissl was über für a paar Kraftwerkln.)

Irrtum

Es sollte sich langsam herumsprechen, dass es NICHT nur einen CO2 Kreislauf gibt,sondern auch andere Stoffe, die als Nährstofe dienen. Wenn wirjetzt das Holz aus dem Wald nehmen, müssen wir schon auch die Asche wieder im Wald verteilen, um so den Kreislauf zu schließen.
Aber als Ersatz könnten wir ja die Wälder in Zukunft düngen.....

Gehn's, im Ernst: was sind denn Sie für ein Raunzer?

Man kann schon in gar alles mit Gewalt eine Katastrophe hineinphantasieren, wenn man nur negativ genug ist.

Holzwirtschaft ist einer der ältesten Wirtschaftszweige überhaupt! Wälder werden bewirtschaftet seit es Menschen gibt: manchmal per Raubbau, mittlerweile meist sehr nachhaltig.

Den Untergang der Welt aufgrund der stark zunehmenden Pelletswirtschaft sehe ich nicht heraufdräuen - im Gegenteil.

"mittlerweile meist sehr nachhaltig" - vielleicht in Europa. Der größte Teil der Wälder der Welt wird im Raubbau "bewirtschaftet".

es ist sogar noch schlimmer

Mit dem entfernen des Totholzes wird auch die Ökologie des Waldbodens beeinträchtigt. So sind Pilze am bodennahen Wasserkreislauf beteiligt. Verschwinden die Pilze, stirbt der halbe Wald.

laienrecherche:

der weltweit grösste supertanker aus der hellespont-alhambra-klasse kann mit einer ladung 250.000t pellets aufnehmen. um einen bedarf von 30 millionen tonnen zu bedienen müsste der 120 mal "hin- und zurück"-fahren. in die USA od kanada. und diese pellets-idee kommt von einer insel, die windenergie vor 100% der landesgrenze hat.

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