Österreichs Arbeitnehmer sind wieder länger krank

24. Oktober 2012, 17:24
  • Liniendiagramm: Durchschnittliche Zahl der Krankenstände pro unselbständig Beschäftigten (Entwicklung von 2000 bis 2011)
Säulendiagramm: Krankenstandstage von Männern und Frauen im Jahr 2010 und 2011
    grafik: apa

    Liniendiagramm: Durchschnittliche Zahl der Krankenstände pro unselbständig Beschäftigten (Entwicklung von 2000 bis 2011)

    Säulendiagramm: Krankenstandstage von Männern und Frauen im Jahr 2010 und 2011

Während die Anzahl der Arbeitsunfälle gesunken ist, haben Atemwegserkrankungen und psychische Probleme zugenommen

Wien - Österreichs unselbständig Beschäftigte waren im Vorjahr öfter krank. Durchschnittlich befanden sie sich 13,2 Tage im Krankenstand, 2010 waren es 12,9 Tage. Weitere Ergebnisse des Fehlzeitenreports, der am Mittwoch vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger präsentiert wurde, sind, dass sich Frauen häufiger krank melden als Männer, öffentlich Bedienstete der Arbeit öfter fernbleiben als Arbeiter und Angestellte und eine hohe Zufriedenheit mit dem Vorgesetzen gesund hält. 

Allzu dramatisch ist der Anstieg bei den Krankenstandstagen nicht. Denn im Vergleich zu früheren Jahren ist der aktuelle Wert noch relativ niedrig. So fielen etwa 1980 noch 17,4 Krankenstandstage pro Kopf an, was einer Krankenstandsquote von 4,8 Prozent entsprach. 2011 erreichte die Krankenstandsquote einen Wert von 3,6 Prozent (2010: 3,5%). Dass es überhaupt zu einem Anstieg kam, sei zum Teil auf die Grippemonate Jänner und Februar zurückzuführen, heißt es im aktuellen Fehlzeitenreport.

Zunahme der Atemwegserkrankungen

Geändert hat sich das Bild der Krankenstände. Während die Arbeitsunfälle und Verletzungen in den vergangenen Jahren zurückgingen, stieg der Anteil der Atemwegserkrankungen. 2011 ging schon jeder fünfte Krankenstandstag auf diese Diagnose zurück. Geprägt ist die Statistik von Erkrankungen des Skeletts, der Muskeln, des Bindegewebes und der oberen Atemwege, die zusammen knapp 40 Prozent aller Krankenstandstage ausmachten. Auch psychische Erkrankungen befinden sich weiter im Vormarsch. Gegenläufig ist der Trend bei den Verletzungen durch Unfälle am Arbeitsplatz. Das Unfallrisiko war im Vorjahr nur noch halb so groß wie Mitte der 1990er-Jahre. 

Trotzdem sind Arbeiter noch deutlich öfter im Krankenstand als Angestellte -  nämlich im Verhältnis 16,5 zu 10,5 Tage. Allerdings schließt sich die Schere langsam. Bundesbeamte wiederum fehlen besonders oft. Schließt man Kurzkrankenstände aus, hatten öffentlich Bedienstete des Bundes im Jahr 2010 eine um sieben Prozent höhere Krankenstandsquote als Arbeiter und Angestellte zusammen. 

Nicht allzu groß ist der Abstand zwischen Männern und Frauen, wobei Arbeitnehmerinnen 13,5 Tage dem Job fernblieben und Männer 12,9 Tage. Auffällig sind die regionalen Unterschiede: In Salzburg ist ein Beschäftigter 10,4 Tage krank, in Niederösterreich hingegen 14,9 Tage.

Unternehmenskultur hat Einfluss auf Gesundheit

Schwerpunkt-Thema des heurigen Fehlzeitenreports war, wie sich die Bedingungen am Arbeitsplatz auf die Gesundheit der Arbeitnehmer auswirken. Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut kommt durch die Analyse von Daten aus Österreich und der EU zum Schluss, dass vor allem die Zufriedenheit mit dem Führungsstil im Unternehmen, mit den Mitsprache-Möglichkeiten sowie mit den in Aussicht gestellten Gratifikationen positive Auswirkungen haben. Weniger bedeutend ist hingegen der jeweilige Entscheidungsspielraum. 

Konkret hat eine EU-Untersuchung ergeben, dass Mitarbeiter, die über die Qualität der Führung im Unternehmen negativ urteilen, im Jahr etwa 2,5 Tage mehr im Krankenstand sind als jene, die ihre Vorgesetzten als sehr gute Führungskräfte wahrnehmen. (APA/red, derStandard.at, 24.10.2012)

Schwer verständlich!

Dass Bundesbeamte eine um 7% höhere Krankenstands-Quote als Arbeiter und Angestellte zusammen haben, müsste dringend näher analysiert werden! Das riecht stark nach Missbrauch - oder liegt an der miserablen "Unternehmenskultur" des Staates - vielleicht an der Pragmatisierung, fehlenden Kontrollen oder nur am ungesunden Aktenstaub?

... jeder weiss, dass er in der Privaten sich keinen laengeren Krankenstand "leisten" kann... selbst wenn der Arzt einen raet, dass man sich die Zeit nehmen sollte, geht man wieder in die Arbeit... ist das Gut? Das bleibt jedem selbst zu beurteilen... die Neidgesellschaft ist auf jedem Fall auf der Pirsch.

PeAcE

Hoppala irrtümlich rot statt grün erwischt! Ich frage mich auch was "Schließt man Kurzkrankenstände aus" in diesem Zusammenhang zu bedeuten hat.

Scheinheilig

In dieser neuen Studie wird völlig darauf vergessen (vielleicht sogar mit Absicht???), das viele aus Angst um ihren Arbeitsplatz sich trotz Krankheit in die Arbeit schleppen. Vor nicht allzulanger Zeit wurde uns angeraten eine Krankheit auszukurieren und dann erst wieder zur Arbeit zu gehen. Heute wird von vielen Firmen eine Woche Krankenstand bei Grippe als "Krankfeiern" bezeichnet.

Wunder mich nicht, den bei der derzeitigen

'Modetorheit' Grossraumbüro, stecken sich alle gegenseitige an.

österreichs arbeit "geber"

sind die schlimmsten ausbeuter, sind verbrecher.

Wieso

Arbeit ist ja leicht ztu vergeben, die Entlohnung dazu nicht :-)

und ihre Werkzeuge die Regierung.

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