Donezk schockte Titelverteidiger Chelsea

"Blues" nach Niederlage gegen Schachtar verunsichert und unter Druck - Punkt gegen Juve für Nordsjälland "fast wie Sieg" - Bayern-Coach Heynckes mit unspektakulärem "Arbeitssieg" zufrieden

Donezk - Schachtar Donezk macht es möglich: Nach der 1:2-Schlappe bei den "Bergarbeitern" am Dienstag droht Chelsea als erstem Titelverteidiger das Aus in der Gruppenphase der Champions-League. "Diese Niederlage schmerzt", musste Coach Roberto di Matteo zugeben. Immerhin erhielten die "Blues" Schützenhilfe vom dänischen CL-Novizen Nordsjälland, der Juventus Turin ein 1:1 abtrotzte und das Rennen um den Aufstieg in Gruppe E so noch spannender machte. 

Hadern bei den Blues

Chelsea-Verteidiger David Luiz formulierte es noch drastischer als sein Coach. "Ich bin vom Spiel geschockt", erklärte der Brasilianer. Di Matteo, der sein Team etwas defensiver als zuletzt ausgerichtet hatte, führte nicht zuletzt das frühe Gegentor durch Teixeira in der dritten Minute ins Treffen. "Das hat uns aus dem Tritt gebracht", erklärte der Italiener und ärgerte sich auch über das zweite Tor der Hausherren, bei dem man sich den Ball an der Mittellinie abluchsen ließ: "In solchen Situationen müssen wir als Team besser werden."

Dennoch regiert bei Di Matteo, dessen Elf drei Punkte hinter Schachtar sowie einen Zähler vor Juve auf Platz zwei liegt, der Optimismus: "Wir sind eine Mannschaft, die bereits zuvor Charakter gezeigt hat. Das Heimspiel gegen Donezk müssen wir auf jeden Fall gewinnen." Das Duell steigt bereits in zwei Wochen, geht es nach Donezk-Trainer Mircea Lucescu, erwartet sein Team da eine wesentlich härtere Aufgabe. "Heute haben sie viel verteidigt, aber in London haben sie gegenüber jedem Gegner einen riesigen Vorteil." Zufrieden war der Rumäne allemal: "Wir hätten sogar höher gewinnen können. Wir sind auf dem richtigen Weg, wachsen weiter."

Juve findet nicht in die Gänge

Nordsjällands Schlussmann Jesper Hansen bejubelte das Heimremis gegen den italienischen Tabellenführer und den ersten CL-Punkt der Vereinshistorie "fast wie einen Sieg", und sprach von einem "fantastischen Gefühl". Sein Pendant Gianluigi Buffon war verstimmt: "Wir sind enttäuscht, weil wir in der zweiten Hälfte so viele Chancen hatten. Das Glück war nicht auf unserer Seite, aber wir hätten gewinnen müssen, Punkt." Gerade das scheint Juve international aber schwer zu fallen: Die jüngsten neun Europacup-Spiele beendete man allesamt mit einem Remis - darunter auch zweimal gegen Salzburg in der Gruppenphase der Europa League 2010/11.

Bayerische Ernüchterung: "Arbeitssieg"

Hochspannend nimmt sich auch die Situation in Gruppe F aus, wo Valencia, BATE Borisow und Bayern München bei je sechs Zählern halten. Bayern-Coach Jupp Heynckes, der ÖFB-Teamkicker David Alaba in der 84. Minute brachte, sprach nach einem glanzlosen 1:0 in Lille von einem "Arbeitssieg" und betonte: "Bundesliga ist nicht Champions League." Den 0:3-Ausrutscher gegen Borisow machte man mit dem 12. Sieg im 13. Saisonbewerbsspiel zumindest wieder wett, es regierte die Nüchternheit. "Manchmal spielt man nicht gut, aber wichtig ist, dass wir die drei Punkte mitnehmen", erklärte Franck Ribery. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge sah es ähnlich. "Das ist kein Spiel, das in die Geschichtsbücher der CL eingehen wird." Der Strafstoßtreffer von Thomas Müller beendete zudem das "Elfertrauma" der Bayern aus dem CL-Finale (Robben, Schweinsteiger scheiterten) und dem Auftaktspiel gegen Valencia (Mandzukic).

Barcelona glücklich

In Gruppe G fuhr der FC Barcelona dank eines Tores von Jordi Alba in der 94. Minute bei Celtic Glasgow nach 0:1-Rückstand noch ein 2:1 und seinen dritten Sieg im dritten Spiel ein. Für Coach Tito Vilanova absolut verdient. "Wir haben genug dafür getan", meinte der 43-Jährige, dessen Truppe sich fast ständig in Ballbesitz befand. "Es ist nicht einfach, wenn zehn oder elf Mann in ihrer eigenen Hälfte stehen." Mittelfeldmotor Andres Iniesta stieß ins selbe Horn: "Es wäre unfair gewesen, hätten wir nicht gewonnen. Wir haben gesehen, dass wir noch immer das Selbstvertrauen haben, um ein Spiel umdrehen zu können."

ManUnited selbstkritisch

So wie die Katalanen musste in Gruppe H auch der weiterhin makellose Tabellenführer Manchester United eine Aufholjagd starten, besiegte Sporting Braga zu Hause nach 0:2 noch 3:2. "Das ist unsere Geschichte in dieser Saison, dass wir in den Heimspielen schwach starten und Tore kassieren. Wir haben teilweise tollen Fußball gezeigt und viele Chancen geschaffen, aber es ist eine Sorge, das wir viele Gegentore bekommen", erklärte Trainer Alex Ferguson, dessen Team am Sonntag in der Liga im Schlager auf Chelsea trifft. (APA/Reuters, 24.10.2012)

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