Uni-Budget: Forschungsrat sieht Unis mit Rücken zur Wand

24. Oktober 2012, 15:38
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Vorsitzender Androsch: Technisch ausgerichtete Unis können Leistungsvereinbarungen nicht unterschreiben

Wien - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) sieht vor allem die naturwissenschaftlich und technisch orientierten Universitäten "mit dem Rücken zur Wand". Durch die Umstellung der Vergabe der Budgetmittel in den Leistungsvereinbarungen würden die Unis "mit teilweise beträchtlichen finanziellen Einbußen konfrontiert", hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Viele Drittmittelprojekte würden nicht mehr für die Budgetzuteilung anerkannt, außerdem würde die Einwerbung von Drittmitteln nicht mehr in gleichem Ausmaß honoriert wie bisher. Im Wissenschaftsministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen.

Derzeit setzt sich das Budget der Unis aus einem Grundbudget (80 Prozent) und einem Formelbudget (20 Prozent) zusammen. Ab der kommenden Leistungsvereinbarungsperiode 2013 bis 2015 ersetzen die sogenannten "Hochschulraum-Strukturmittel" das Formelbudget, wobei sich die für die Vergabe der Mittel entscheidenden Indikatoren ändern.

"Banachteiligung bei Basisfinanzierung"

Hier stört den Rat, dass für den Bereich Forschung (Einnahmen aus Projekten) statt 30 Prozent (Formelbudget) nur mehr 14 Prozent (Strukturmittel) der vergebenen Mittel reserviert sind. Außerdem würde das Engagement technischer Unis etwa in COMET-Zentren nicht mehr für die Bemessung anerkannt. Dies habe insbesondere für Unis mit hohem Drittmittelanteil, also vorwiegend solche im Bereich Technik und Medizin, eine "spürbare Auswirkung im Globalbudget und führt zu einer Benachteiligung in der Basisfinanzierung", heißt es in einer Rats-Stellungnahme.

"Abkehr von MINT-Fächern"

"Damit ergibt sich bei der ohnehin schon angespannten finanziellen Lage technischer Universitäten ein Verlust von mehreren Millionen Euro pro Jahr", kritisiert der Rat. "Es ist unter den derzeitigen Bedingungen für technisch ausgerichtete Universitäten nicht möglich, die Leistungsvereinbarungen zu unterzeichnen" so RFT-Vorsitzender Hannes Androsch. In seiner Stellungnahme kann der Rat "die offensichtliche Abkehr des Wissenschaftsministeriums von den MINT-orientierten Studienfächern" (MINT: Mathematik, Informatik Naturwissenschaften, Technik) nicht nachvollziehen und schlägt daher vor, "die aus den Änderungen entstandenen Budgetlücken der Universitäten durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren".

Im Wissenschaftsministerium hieß es auf Anfrage, dass MINT-Fächer "ein Schwerpunkt der Universitätsentwicklung waren, sind und bleiben". Unter anderem seien 40 Millionen Euro an Offensivmitteln für MINT- und Massefächer ausgeschrieben worden.

Ministerium: Keine Benachteiligung

Die Systemumstellung beim Uni-Budget sei außerdem von den Hochschulen ausgegangen, hieß es darüber hinaus. Deshalb wäre es nur schlüssig, dass das Formelbudget der Vergangenheit nicht in die Zukunft hineinwirke. Außerdem sei das Grundbudget für alle Unis gleich berechnet worden, eine Benachteiligung einzelner Gruppen gebe es nicht.

Gleichzeitig räumt man ein, dass mit den Strukturmitteln "insbesondere jene Bereiche gefördert werden sollen, die besonders von einer hohen Lehrbelastung betroffen sind". Der Forschungsbereich sei durchaus auch berücksichtigt worden, wenn auch nicht in gleichem Ausmaß wie bisher. Da man vor allem Anreize für mehr prüfungsaktive Studierende und Absolventen belohne, "gibt es angesichts der laufenden Studierenden-Entwicklung im MINT-Bereich in den Kategorien prüfungsaktive Studierende und Absolventen auch noch budgetrelevantes Entwicklungspotenzial nach oben für die Universitäten mit MINT-Fächern." (APA, 24.10.2012)

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