Urinanalyse hilft Tumore der Gallenwege zu erkennen

24. Oktober 2012, 16:02
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Deutsche Forscher wollen mit der Urin-Proteom-Analyse einen Test anbieten, der Gallengangskrebs frühzeitig anzeigt

Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelten eine Methode, um Gallengangskrebs über den Urin frühzeitig erkennen zu können. Damit soll zukünftig die erste nicht-invasive Methode zur Entdeckung dieser Tumorart etabliert werden, wodurch es so nicht mehr nötig sei Proben aus dem Körper zu entnehmen. Das Team um Tim Lankisch von der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH, veröffentlichte die Ergebnisse nun im Fachjournal „GUT“.

Die Forscher entdeckten durch eine Studie mit mehr als 100 Teilnehmern so genannte Biomarker für Krebs der Gallengänge im Urin. "Bei Patienten mit Gallengangskrebs werden Eiweiße auf eine bestimmte Art abgebaut. So entstehen spezifische Eiweißmuster, die wir mit Hilfe der so genannten Proteom-Analyse erkennen können", erklärt Lankisch. 

Nicht-invasives diagnostisches Verfahren

Einen Tumor der Gallenwege, ein so genanntes cholangiozelluläres Karzinom (CCC), frühzeitig zu diagnostizieren, sei besonders bei Patienten mit einer primär sklerosierenden Cholangitis (PSC) eine Herausforderung, da sich deren Gallenwege chronisch entzündet haben und ein Karzinom schwer von einer Entzündung zu unterscheiden ist. Die PSC ist in Europa der größte Risikofaktor für ein CCC, wodurch die Proteom-Analyse im Urin für die Überwachung von Patienten mit PSC besonders hilfreich sein könnte.

Den Wissenschaftlern ist es bereits vor einem Jahr gelungen, das erste Verfahren zur Früherkennung von Gallenwege-Krebs zu entwickeln. Dieses beruht auf einer Untersuchung von Gallensaft, der den Patienten bei einer Endoskopieuntersuchung aus den Gallengängen entnommen wird. Anhand des Eiweißmusters in dieser Flüssigkeit können sie einen bösartigen Tumor von einer Entzündung unterscheiden. "Doch dieses Verfahren ist – im Unterschied zur jetzt entwickelten Urinanalyse – eine invasive Prozedur", sagt Lankisch. Der Experte hofft nun, die Urin-Proteom-Analyse als ein neues nicht-invasives diagnostisches Verfahren zur Krebsfrüherkennung möglichst bald für die klinische Praxis nutzbar machen zu können. (red, derStandard.at, 24.10.2012)

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