Dinosaurier-Schatzgrube wird Forscher noch für Jahre beschäftigen

29. Oktober 2012, 15:35

Paläontologen fanden in Steinbruch der Ortschaft Angeac tausende Knochen - Darunter die Überreste von 130 Millionen Jahre alten Giganten

Paris - In einem Steinbruch der südfranzösischen Ortschaft Angeac, auf halbem Weg zwischen den Städtchen Cognac und Angouleme im Departement Charente sind Forscher dabei, einen enormen paläontologischen Schatz zu heben. Bisher konnten fast 2.000 Knochen von Dinosauriern freigelegt werden, darunter Überreste von einem 40 Meter langen und 50 Tonnen schweren Giganten. Trotzdem vermuten die Wissenschafter, dass sie an diesem Ort erst an der Oberfläche gekratzt haben. Begonnen hat das Abenteuer im Sommer 2008, als in dem das Rückgrat eines Riesensauriers gefunden wurde.

"Das hat uns interessiert, und wir haben auf weiteren Nachforschungen bestanden", berichtet der Konservator des Museums von Angoulême, der Paläontologe Jean-Francois Tournepiche. Der Franzose hatte das richtige Gespür: Im Januar 2010 wurden andere Saurierknochen gefunden, und im Sommer desselben Jahres begann die erste groß angelegte Ausgrabung.

40-Meter-Gigant

Dabei wurden mehr als 400 Knochen entdeckt, die rund 130 Millionen Jahre alt sind. Darunter ein wahres Prachtstück: ein etwas 2,20 Meter langes Oberschenkel-Stück, der von einem Saurier aus der Gruppe der pflanzenfressenden Sauropoden stammt. "Der größte Saurier-Knochen dieser Art, der jemals weltweit gefunden wurde", begeisterte sich Ronan Allain vom Nationalen Naturkundemuseum (MNHN) in Paris. Die Forscher haben errechnet, dass der Riesensaurier etwa 40 Meter lang war und gut 50 Tonnen schwer.

Doch auf die rund 30 Forscher, Studenten und Freiwillige, die an den Ausgrabungen teilnahmen, wartete noch eine Überraschung. Noch im gleichen Jahr stießen sie auf den Teil eines anderen Oberschenkelknochens, der noch um ein Viertel größer war als der erste spektakuläre Fund. Insgesamt wurden in Angeac zwischen 2010 und 2012 an die 2.000 Dinosaurierknochen zutage befördert, darunter zwei 30 und 40 Zentimeter lange Fußzehen. Sie bestätigen, dass in der heutigen westfranzösischen Region Charente nahe der Atlantikküste vor über hundert Millionen Jahren riesige Saurier gelebt haben.

Überreste von sieben Dinosaurier-Arten

Bisher konzentrierten sich die Ausgrabungen auf ein kleines Gebiet von rund 80 Quadratmetern. Allein in diesem Bereich fanden die Wissenschafter Überreste von sieben Saurierarten, sowohl von Fleisch- wie von Pflanzenfressern. Auch Knochen einer Gruppe von Flugsauriern wurden ausgegraben.

Die Arbeit ist freilich noch lange nicht beendet. Zunächst sollen noch "Mikroreste" untersucht werden - 36 Kilogramm von Knochensplittern und anderen Teilen, die aus acht Tonnen Erde ausgesiebt wurden. Sie werden von Spezialisten der Pariser Universität Pierre et Marie Curie und des staatlichen französischen Forschungsinstituts CNRS im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen. Anschließend wollen die Forscher das Ausgrabungsgebiet ausweiten. "Das Potenzial dieser Fundstätte ist enorm", betonte Ronan Allain. Insgesamt würden die Ausgrabungen wohl noch zehn Jahre dauern. Ein Teil der Funde wird derzeit im Pariser Naturkundemuseum ausgestellt. (APA/red, derstandard.at, 29.10.2012)

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9 Postings

[...] in dem das Rückgrat eines Riesensauriers gefunden wurde [...]

Wenn er es vor seinem Verscheiden verloren hatte wahr es wohl ein Polit-Saurier!

Die Viehcherln waren uns wahrlich ähnlicher als wir denken :-)

Gibts eine Erklärung für diese Häufung an einem Ort?

an einem kleinen ort

von nur 80 quadratmetern?? das ist ja kleiner als meine 2-zimmerwohnung.

Für solche 'Bonebeds' gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bonebed
In diesem speziellen Fall deuten Schichtfolge und Beifunde auf (Süßwasser-)Tümpel und Seen in einem küstennahen Sumpfwald hin. Möglicherweise also ein Ort, der über längere Zeit von sehr vielen, verschiedenen Tierarten frequentiert wurde und an dem die Knochen verendeter Tiere durch eine sehr geringe Anlieferung von Hintergrundsediment angereichert wurden
http://www.researchgate.net/publicati... plications
(der full-text Artikel ist über das Fenster rechts frei verfügbar)

Also könnte man spekulieren, ob es ein Sumpf war, in welchem über einen längeren Zeitraum Dinos versanken. Unter diesen Umständen sollten die Fossilien sehr gut erhalten sein (luftdichte Umgebung).

gott war es leid sie überall zu verteilen, also schmiss er sie alle in eine grube, so wie studenten beim flyer verteilen...

Tja, Gott liebt es, die wahrhaft Gläubigen auf harte Proben zu stellen.
Aber nur sie werden in den Himmel kommen...

très charmant

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