Der "smarte" Gemeindebau

  • Das Projekt des Bauträgers Heimbau von den Architekten Geiswinkler & 
Geiswinkler. Detailinfos zu den Projekten gibt es in einer Ansichtssache.
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    Das Projekt des Bauträgers Heimbau von den Architekten Geiswinkler & Geiswinkler. Detailinfos zu den Projekten gibt es in einer Ansichtssache.

Die Stadt Wien stellte die ersten "Smart"-Wohnungen vor. Viele davon sollen an Menschen vergeben werden, die auf eine Gemeindewohnung warten

48 Prozent aller Wiener Haushalte werden aktuell von nur einer Person bewohnt, sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) am Mittwoch. Sein Konzept der "Smart"-Wohnungen, das er im Frühjahr angekündigt hatte und nun im Detail präsentierte, will diesem Trend begegnen. Damit soll auch dem weiter steigenden Flächenverbrauch Einhalt geboten werden. Derzeit liegt die Wohnfläche pro Person in der Bundeshauptstadt nämlich schon fast bei 40 Quadratmetern, in den 1970er-Jahren waren es noch 25.

"Wir haben großen Bedarf an Wohnungen, die auf eine Person zugeschnitten sind", schlussfolgert Ludwig und will in den nächsten Jahren jeden dritten Euro aus dem Wohnbaufördertopf für die "kleineren, leistbareren" Wohnungen ausgeben, bei denen Quadratmetermiete (max. 7,50 Euro) und Eigenmittelanteil (60 Euro/Quadratmeter) gedeckelt sind.

Auch 105 Quadratmeter große "Smart"-Wohnungen

Allerdings: War am Anfang hauptsächlich von 40-Quadratmeter-Wohnungen die Rede - eben um mehr Single-Wohnungen auf den Markt zu bringen -, so werden in den kommenden beiden Jahren doch auch 70-Quadratmeter-Wohnungen unter dem Titel "Smart" errichtet werden. Später sollen sogar 105-Quadratmeter-Wohnungen dazukommen, kündigte Ludwig an.

Zunächst werden aber nur die Typen A (max. 40 Quadratmeter), B (max. 55 Quadratmeter) und C (max. 70 Quadratmeter) gebaut, vorrangig in Simmering (Lorenz-Reiter-Straße beim Gasometer; derStandard.at berichtete) und im "Sonnwendviertel" beim neuen Hauptbahnhof.

In Simmering sollen 450 Wohneinheiten entstehen, Bauträger wird dort als "Fixstarter" die Sozialbau AG sein. Im Sonnwendviertel werden 316 "Smart"-Wohnungen gebaut, Bauherren sind die EGW-Heimstätte und die Heimbau. Die beiden Projekte sind mit Gesamtkosten von 46,5 Millionen Euro veranschlagt, die Stadt schießt dafür 21 Millionen Euro an öffentlichen Geldern zu.

Anmeldungen schon möglich

Für die 316 "Smart"-Wohnungen im Sonnwendviertel, die 2015 übergeben werden sollen, kann man sich bereits vormerken lassen. Überraschung daran: Die Hälfte der Wohnungen soll vom Wohnservice Wien vergeben werden - üblich war hier bisher nur ein Drittel, der Rest erfolgte direkt über die Bauträger. Diese Wohnungen sollen außerdem "bevorzugt an Vormerkscheinbesitzer für Gemeindewohnungen" abgegeben werden, kündigte Ludwig an. Das dürfte die lange Warteliste für Gemeindebauwohnungen etwas entlasten: 28.000 Personen sind dort aktuell registriert - allerdings hat die Hälfte davon bereits jetzt eine Gemeindebauwohnung, braucht beziehungsweise sucht aber eine andere (größere oder auch kleinere).

Ludwig betont auch stets, dass die "Smart"-Wohnungen preislich mit Gemeindewohnungen vergleichbar seien - was mit etwas gutem Willen auch stimmt. Maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter sollen die "Smart"-Wohnungen kosten (inkl. Betriebskosten, exkl. Heizung und Warmwasser), eine 40-Quadratmeter-Wohnung soll damit um monatlich maximal 300 Euro, eine 55-Quadratmeter-Wohnung um rund 410 Euro gemietet werden können. Die Eigenmittel belaufen sich auf (einmalig) 2.400 bis 3.300 Euro.

Grundstücke nur im Baurecht

Gemeindewohnungen der Kategorie A werden künftig zum vollen Richtwert neu vermietet. Dieser liegt in Wien aktuell bei 5,16 Euro. Betriebskosten kommen da noch dazu.

Der günstige Preis der "Smart"-Wohnungen kann unter anderem deshalb erzielt werden, weil die Stadt die Grundstücke nur im Baurecht an die Bauträger abgibt. Diese ersparen sich dadurch die (hohen) Grundstückskosten.

Vergabe "bestandsgerecht"

Die "Smart"-Wohnungen, die an Antragsteller mit Vormerkschein vergeben werden, werden laut Ludwig übrigens auch "bestandsgerecht" nach "System Gemeindebau" vermietet. Das bedeutet, dass prinzipiell nicht mehr als ein Wohnraum pro Person erlaubt ist.

Bei den restlichen Wohnungen, die die Bauträger direkt vergeben, werden diesbezüglich die Regeln des geförderten Wohnbaus angewendet (max. Anzahl der Wohnräume = Personenanzahl +1).

Variable Grundrisse

Laut Franz Sumnitsch vom Architekturbüro BKK-3, das gemeinsam mit Rüdiger Lainer + Partner das Siegerprojekt für den Bauplatz C.04 im Sonnwendviertel plante, können für die künftigen Bewohner vorab bestimmte Wünsche in Sachen Raumaufteilung berücksichtigt werden. Diesbezüglich gibt es mehrere Optionen, aus denen gewählt werden kann - etwa ob die Wohnung zwei oder drei Zimmer haben soll.

Die Anzahl der Zimmer kann auch später noch verändert werden, die Bandbreite reicht dabei vom (kleinen) "Loft" bis zur Mehrzimmerwohnung. Letztere sei nicht nur für junge Singles oder Jungfamilien, sondern etwa auch für ältere Menschen gedacht; die variablen Grundrisse machen die Schaffung einer "Einlegerwohnung" für Pflegepersonal leicht möglich.

Gebaut wird ab Herbst 2013. Läuft alles nach Plan, werden die ersten Mieter - 1.700 Menschen haben bereits Interesse angemeldet - im September 2015 "smart" wohnen können. (Martin Putschögl, derStandard.at, 24.10.2012)

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