Facebook rückt Werbung ins Zentrum des Bildschirms

Inzwischen kämen 14 Prozent der Facebook-Umsätze von mobilen Geräten

Menlo Park/Wien - Facebook geht in die Offensive bei Werbung auf Smartphones und Tablets - und die Mitglieder werden es zu spüren bekommen. Denn auf den kleineren Bildschirmen der mobilen Geräte gibt es eigentlich nur einen Platz, um Anzeigen zu platzieren: Mitten im Nachrichtenstrom der Nutzer. Und auch auf dem PC will Facebook immer mehr Werbung vom unauffälligen Seitenrand mitten vor die Augen seiner Milliarde Mitglieder verschieben.

Seit Monaten schon wurde darüber gesprochen, dass die mobilen Geräte die Achillesferse von Facebook seien und nicht zu bisherigen Werbemodellen passten. Das war auch ein zentraler Grund, warum die Facebook-Aktie zuletzt nur noch halb so viel wert war wie beim Börsengang im Mai.

Jetzt platzte Gründer Mark Zuckerberg der Kragen. Er wolle mit dem Mythos aufräumen, dass Facebook kein Geld auf Smartphones und Tablets verdienen könne, verkündete der 28-Jährige Firmenchef in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen. "Es wird oft missverstanden, wie groß unsere Chancen in mobilen Geschäft sind." Dabei könne Facebook so mehr Menschen erreichen und diese Nutzer schauten auch häufiger bei dem Online-Netzwerk rein. Inzwischen kämen 14 Prozent der Facebook-Umsätze von mobilen Geräten - und das Unternehmen fange erst damit, das Geschäft für sich zu erschließen.

Die Börse reagierte erleichtert: Der Kurs schoss am Mittwoch vorbörslich um 11,5 Prozent hoch. Allerdings kostet die Aktie auch damit noch keine 22 Dollar - nach dem Ausgabepreis von 38 Dollar beim Börsengang im Mai.

Newsfeed versus Bildschirmrand

Der Haken an der mobilen Welt war für Facebook bisher das Geschäftsmodell. Mehr als 600 Millionen Mitglieder greifen auf das weltgrößte Online-Netzwerk von ihren Smartphone und Tablets zu - und brachten Facebook dabei bislang kaum Geld. Denn dort gibt es keinen Seitenrand, den man mit Werbung befüllen kann. Banner können nur sehr schmal sein und werden selbst dann oft als störend wahrgenommen. Und im Fall von Facebook wird praktisch der gesamte Bildschirm vom Newsfeed mit den Einträgen und Bildern der Freunde gefüllt. Damit bleibt praktisch nur ein Ort, wo Werbung platziert werden kann - dort, mittendrin. Wie versöhnt man die Nutzer aber damit, dass in ihrem Nachrichtenstrom plötzlich unerbetene Werbe-Botschaften auftauchen?

Mark Zuckerberg und seine rechte Hand Sheryl Sandberg sagen, es habe sich herausgestellt, dass Facebook-Mitglieder viel eher auf Anzeigen in ihrem Newsfeed klicken als am Bildschirmrand. Die Werbung sei damit relevanter für sie. "Ich glaube, dass wir auf lange Sicht mehr Geld im mobilen Geschäft als auf dem Desktop verdienen werden", verkündete Zuckerberg. Analysten-Fragen nach ersten Anzeichen für diese These wich er aus. Derzeit steckt das Geschäft noch in den Kinderschuhen: Facebook macht pro Tag vier Millionen Dollar Umsatz mit Werbung innerhalb der Newsfeeds, hieß es am Dienstag.

Überhaupt packte Zuckerberg die vielfältige Kritik diesmal so forsch an wie selten zuvor. Auch die Lage im Spielegeschäft werde missverstanden, erklärte er den zuhörenden Analysten und Investoren. Es sei zwar richtig, dass Facebook immer weniger Geld vom langjährigen Hauptpartner Zynga ("Farmville", "Cityville") bekomme - aber dafür gehe es bei anderen Anbietern aufwärts. (APA, 24.10.2012)

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