"Die Kulisse explodiert" im Theatermuseum

  • Stets ganzheitliche Ansätze: Friedrich Kiesler.
    foto: theatermuseum

    Stets ganzheitliche Ansätze: Friedrich Kiesler.

Die Bühnenvisionen des österreichischen Architekten und Universalisten Friedrich Kiesler in einer Würdigung

Wien  - "Die Bühne ist keine Kiste mit einem Vorhang als Deckel, in die Panoramen eingeschachtelt werden. Die Bühne ist ein elastischer Raum." Oder: "Die Bühne ist kein Knopfloch, das dekoriert wird. Sie ist ein völlig selbstständiger Organismus."  - Zitate des Architekten und Theatervisionärs Friedrich Kiesler, geboren 1890 in Czernowitz, gestorben 1965 in New York.  Kuratorin Barbara Lesak hat die Ausstellung, die am Mittwochabend im Österreichischen Theatermuseum eröffnet wird und bis 25. Februar zu sehen sein wird, nach einem ebenso prägnanten Spruch Kieslers benannt: "Die Kulisse explodiert".

Auch wenn seine "Endless Theatres" oder "Universal Theatres" ebenso wenig 1:1 umgesetzt wurden wie sein berühmtes  "Endless House", haben Kieslers Ideen tiefe Spuren im Theater hinterlassen.  "Ich bin davon überzeugt, dass die Bedeutung Kieslers für das zeitgenössische Theater zu wenig bekannt ist", sagte Museumsdirektor Thomas Trabitsch bei der Presseführung und verwies auf Peter Steins "Faust"-Projekt oder Peter-Brook-Inszenierungen, in denen sich Kieslers Ideen wiederfänden. Stolz ist Trabitsch darauf, dass die in Kooperation mit der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung entstandene Schau im März nach München und im Herbst nach Madrid weiterwandert.

Barbara Lesak, die seit langem daran arbeitet, diesen ehemals "weißen Fleck der Theatergeschichte" zum Verschwinden zu bringen, hat in der Ausstellung "Turning Points" herausgearbeitet - keine Wendepunkte, sondern Zentralkapitel eines konsequent betriebenen Vor-Denkens.  Neben den immer wiederkehrenden Überlegungen zur grundsätzlichen Raumsituation im Theater und der Abkehr vom Guckkasten hin zur Raumbühne sind dies etwa seine in Berlin entworfenen ersten elektromechanischen Kulissen. Mit Kinoentwürfen  oder neuartigen Ausstellungssystemen zeigt diese Präsentation auch, dass der Gesamtkunstwerker Kiesler sich auch in der Rezeption nicht auf ein bestimmtes Genre beschränken lässt.

Zwischen Skulptur und Surrealismus sind dagegen viele Bühnenbilder angesiedelt, die an der Juilliard School of Music in New York entstanden. Dort stattete der Visionär im Brotberuf 27 Jahre lang Opernproduktionen aus. Das Theatermuseum bietet begleitend eine Reihe Expertenführungen sowie Gespräche mit Bühnenbildnern an.  Eine markante Station der verwinkelten, von "Blaich + Delugan" gestalteten Ausstellung, ist ein amerikanisches TV-Interview Kieslers aus 1962, in dem er - ganz Optimismus -  die von ihm mitentworfenen Modelle eines künftigen "idealen Theaters" präsentiert: "Wir stehen am Beginn einer Revolution und warten jetzt auf die Manager, die unserer Projekte verwirklichen wollen."  (APA, 24.10.2012)

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