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vergrößern 800x450Eine Vergegenwärtigung von Taten, die verjährt sind: Filmemacher Damien Onouri (re.) und sein Großonkel El Hadi.
Es ist das Schicksal von Freiheitskämpfen, dass sie in Vergessenheit geraten, wenn aus der Freiheit hinterher nichts richtig gemacht wird. In Algerien tritt ein zehnjähriges Mädchen vor die Kamera und sagt: "Die Revolution sagt mir nichts." Dabei war ein prominentes Mitglied der eigenen Familie an dieser Revolution beteiligt: Med El Hadi Benadouda, der Großonkel von Damien Onouri, der nun über ihn einen Film gemacht hat.
Der Titel bezieht sich auf die Rolle, die El Hadi um 1960 im französischen Clermont-Ferrand eingenommen hat: Er war ein Fidai, eine besondere Form der Mujahedins, die viel mit dem gemein hat, was man später als Stadtguerilla bezeichnet hat. Die Fidais, zu deren Taktik und Funktion es ein ausführliches Manifest gibt, das in dem Film auch verlesen wird, gaben sich nach außen einen harmlosen Anschein, sie gingen einer Arbeit nach, betrieben aber heimlich die Sache der FLN, der algerischen Freiheitsbewegung. Im Falle von El Hadi bedeutete dies konkret, dass er mehrfach dazu aufgefordert wurde, "Verräter" oder andere Gegner der eigenen Sache zu töten.
Die Ereignisse von damals liegen nun viele Jahre zurück, und es geht in dem Versuch von Onouri, sie noch einmal aufzurollen, ebenso sehr um persönliche Erinnerung wie (implizit) um die Frage, ob es sich denn gelohnt hat. Dies steht umso dringlicher in Diskussion, als manche der Befragten heute gar nicht mehr sagen könnten, dass ihnen damals die französische Kolonialherrschaft als Problem ausdrücklich bewusst war. El Hadi wurde im Zuge des Freiheitskampfs, der in Algerien und in Frankreich geführt wurde, zum Mörder.
Es gehört zu den eindringlichsten Szenen in Fidai, wie er seine Taten nachstellt: an den Originalschauplätzen und mit dem Filmemacher als " stand in" der Opfer. Das sind keine großen "reenactments", sondern Schritte zur Vergegenwärtigung von Taten, die in mehrfacher Hinsicht verjährt sind, die aber gerade in der Beiläufigkeit des Wiedereintritts in die damalige Bewegung etwas von der Absolutheit verraten, die der Tod nun einmal hat (und im Moment der Gefährdung, wenn die Waffe versagt, auch das Überleben).
Wie lebt man mit einem anderen Leben auf dem Gewissen? Darauf gibt Fidai mehrere Antworten, sie stehen gleichberechtigt nebeneinander wie die unterschiedlichen Kapitel im Leben von El Hadi, der zugleich liebenswürdiger Großvater, angesehener Bürger und eben ein Mann ist, der auf Verräter angelegt hat.
Fidai wurde interessanterweise von Jia Zhangke produziert, worin sich möglicherweise ein Gegenmoment zu der quasiimperialistischen, ökonomischen chinesischen Einflussnahme in fast allen afrikanischen Ländern sehen ließe. Es handelt sich hier jedenfalls um einen der interessantesten Fälle von Verflechtung, wie sie im internationalen Festivalkino inzwischen ja in verschiedensten Konstellationen gang und gäbe sind. Damien Onouri macht mit seinem sensiblen, persönlichen Zeitzeugenfilm ein neues Kapitel der Diskussion revolutionärer Gewalt auf, jenseits von Viktimisierung und Heroisierung. (Bert Rebhandl, Spezial, DER STANDARD, 25./26.10.2012)
26.10., Urania, 13.30;
27.10., Künstlerhaus, 16.00
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