Eine Armee ist keine Feuerwehr

Leserkommentar |

Wegen zunehmender Starkregenfälle will sich Österreich eine Armee halten

Seit dem Ende des Warschauer Paktes hat sich Europa sicherheitspolitisch fundamental verändert: Bis auf Russland sind die Staaten des Warschauer Paktes mittlerweile NATO-Mitglieder. Auf die Grenzen Österreichs bezogen sind bis auf die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein alle anderen Nachbarländer NATO-Mitglieder. Aus dieser geopolitischen Lage überhaupt ein aktuelles Bedrohungsszenario für das Staatsgebiet abzuleiten braucht schon ein gehöriges Maß an Fantasie oder - wohl eher zutreffend im Fall der Strategen des österreichischen Heeres - Selbsterhaltungstrieb.

Katastrophenschutz als Hauptaufgabe eines Heeres?

Die zweite häufig genannte Kernaufgabe des österreichischen Bundesheeres ist der Katastrophenschutz. Hilfreich in der Diskussion wäre eine genaue die Definition von "Katastrophen". Es mutet an, dass Medien und Landeshauptleute jedes mittlere Starkregenereignis zur Katastrophe erklären. Eine Armee ist aber für die Landesverteidigung gerüstet und ausgebildet.

Die wesentlichsten Elemente der Grundwehrausbildung bestehen aus Infanterietaktik, Waffendienst und Exerzieren sowie der Ausbildung in der jeweiligen Funktion (Richtschütze, Panzerfahrer etc.). Während beispielsweise bei der Feuerwehr, die als Hilfsorganisation bei Bränden, Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen Hilfe zu leisten hat, ein ganz anderes Training zu absolvieren ist.

Wenn nun das Heer bei Lawinen, Muren und ähnlichen Ereignissen zum Einsatz kommen soll, stellt sich doch die Frage, wozu die jungen Soldaten wochenlang an der Waffe üben müssen oder nach alter Tradition lernen, wie man kollektiv zur Blasmusik marschiert.

Am ehesten auf Katastrophen-Aufgaben spezialisiert sind die Pioniere, aber auch nicht ausschließlich. Gemäß der aktuellen Heeresgliederung existiert pro Bundesland gerade eine Pionierkompanie sowie drei überregionale Pionierbataillone. Zum Vergleich: Überregional existieren acht Jägerbataillone sowie drei Artillerie- und Aufklärungsbataillone. Laut Heeresgliederung dürfte also der Katastrophenschutz kaum die Hauptaufgabe des Heeres darstellen.

Alternativen suchen

Die Gründung eines technischen Hilfswerks nach deutschem Vorbild dürfte die effizientere Alternative sein. Das deutsche THW wurde 1950 als Zivil- und Katastrophenschutzorganisation gegründet. Diese Form des Zivilschutzes scheint kostensparender zu sein: Bei einem Personalstand von 40.000 Aktiven belaufen sich die Kosten in Deutschland jährlich auf etwa 180 Millionen Euro (gegenüber 2,1 Milliarden Euro aktuellem Heeresbudget).

Bereitstellung billiger Arbeitskräfte 

Wenn das Bundesheer (konkret: die Grundwehrdiener) unter anderem auch zur Präparierung der Skipisten in Kitzbühel und für ähnliche Anlässen genutzt oder besser gesagt "benutzt" wird, kann man den Eindruck gewinnen, dass der Grundwehrdienst vor allem einer Aufgabe dient: der Bereitstellung billiger Arbeitskräfte. Mit dem Dienst am Vaterland und der Verteidigung der Heimat hat das gar nichts zu tun.

Zu hinterfragen sind auch die Einstellungen und Argumente der Wehrpflicht-Vertreter. Die Offiziersgesellschaft scheint mehr die Verteidigung eigener Pfründe als die des Landes im Sinn zu haben. Für ängstliche Pensionisten ist es offensichtlich wichtig, das "subjektive" Sicherheitsgefühl durch bewaffnete 18-Jährige zu heben. Und immer noch gibt es junge Männer, die glauben, ihr (falsch verstandenes) Männlichkeitsbild in Uniform ausleben zu müssen.

Dass junge Männer - die Genderfrage beim Wehrdienst würde den Umfang hier sprengen - mit ihrer Zeit Besseres anfangen können als unter anderem das Putzen von Heeresbekleidung, dürfte das Gros der europäischen Regierungen verstanden haben. Nur in Österreich blickt man noch immer angsterfüllt in den Himmel: Die nächste Katastrophe könnte ja jederzeit hereinbrechen. (Bernhard Henning, Leserkommentar, derStandard.at, 25.10.2012)

Bernhard Henning (Jg. 1977) hat während seiner Schulzeit über eine Karriere beim Heer nachgedacht. Die Erfahrungen während des Grundwehrdienstes haben seine Einstellung zum Bundesheer aber gänzlich verändert. Er arbeitet jetzt als Forstwirt.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5
Kann nur zustimmen

Und gerade die ÖVP sollte nicht Unterschriften zur Beibehaltung der Wehrpflicht sammeln (wie etwa am 26.10.2012 bei der Heeresparade in Wien) sondern die *Marktverzerrung* durch Präsenzdiener, die Skipisten präparieren, bemängeln. Sonst ist sie doch auch für Freiwilligkeit und Marktwirtschaft ...

Wer bedroht eigentlich die Schweiz?

Das Bundesheer gehört reformiert, aber wir sollten es uns leisten.

Wer bedroht eigentlich die Schweiz?

Die Paranoia!

der grosse Unterschied...

Armee ist Zwang - die Feuerwehr ist freiwillig.
Schön wäre es wenn auch die Armee freiwillig als Dienst für Österreich verstanden und eingerichtet würde. Aber dazu fehlt sogar auch bei der ach so "freiheitlichen" "sozialen" "Heimat-" und "Jungmänner-Fan" Partei die Phantasie.

Ok, dann müssen die Aufgaben des Heers neu definiert werden

Aufteilung in Profi - kämpfende Schutztruppe
und Integrationseinrichtung a la allgemeine Dienstpflicht am Staat, wie z.B. Bereitschaft zum Katastrofenschutz,...

Aha

wir lösen also das Bundesheer auf und gründen eine neue, rein auf freiwilligen basierende Institution und alles ist paletti.
Frei nach dem Motto "Irgendwer wirds schon machen, ich nicht"

In der Realität siehts aber leider so aus, dass die Freiwilligkeit mehr und mehr nachlässt, immer weniger Menschen bereit sind oder die Möglichkeit haben, sich freiwillig für andere zu engagieren. Dazu kommt dass aktuell in allen Bundesländern die FFs mehr und mehr niedergespart werden, was die Motivation auch nicht unbedingt fördert.

Ehrenamtliche schön und gut... aber was, wenn sich niemand dafür findet ?
Was das große Hochwasser kommt und die Ehrenamtlichen daheim bleiben, weil sie selber das Wasser im Keller haben ?

Darum gilt es Anreize zu schaffen dass diese Arbeiten dennoch gemacht werden. Sowie eine Infrastruktur gegeben ist dass in Katastrophenfällen genug Personal und Material vorhanden ist.

Von einer freiwilligen Institution ist keine Rede!

Wer lesen kann ist klar im Vorteil und wer das Gelesene auch noch versteht hat sowieso gewonnen!

Es muss ja nicht gleich eine Neugründung ala THW sein. Man könnte ja einfach die vorhandenen Feuerwehr- und/oder Rettungsstrukturen nützen und im Rahmen dessen eine bundesweite Berufsfeuerwehr/-hilfstruppe schaffen. Dabei handelt es sich dann um "Spezialisten" mit einem entsprechenden Verdienst. Bin mir sicher, dass sich sehr viele Leute dafür interessieren würden.

Dort könnte man auch eine Uniform einführen, für die Leute die das dann fürs Ego brauchen.

Alles schön und gut.

Aber wo wäre der Vorteil zur jetzigen Situation?

Außer höheren Kosten für den Steuerzahler?

Sachlichkeit ist nicht Anliegen des Artikels

Die Offiziersgesellschaft und ihre Pfründe. Vor Gericht
würde der Verfasser mit solchen Behauptungen ein Waterloo erleben. Das ist ein Verein, der keine Pfründe hat, verwaltet etc. Und die Masse sind Miliz
und Reserveoffiziere, die das sicherheitspolitische Gewissen dieses Landes darstellen. Dieser Artikel strotzt von Umgereimheiten - von der Headline
beginnend. Aber, es herrscht Meinungsfreiheit.

genau dieser realitätsfremde Journalismus

hat mich damals dazu bewegt mein Abo beim Standard wieder zu kündigen.

Ihr Problem ist,

dass Sie irrtümlich annehmen ein Kommentar hätte etwas mit Journalismus zu tun.

stimmt

Wusste nicht, dass Sie, Herr Entacher, unter FabulousX posten!

Wusste nicht, dass Sie englisch sprechen, dachte immer Sie beschränken sich aufs "BETONIEREN" Ihrer "Macht".

Frag deine Mama was ich, der General

noch alles kann ;)

Ich glaube Sie haben sich im Forum vertan, das hier ist derstandard.at und nicht krone.at.

Kein Wunder, dass Sie mit dem Standard-Abonnement nichts anfangen konnten, bei Ihrem Niveau!

Sehr geehrter Hr. Minister D.!

Sie sind nach Ihrer Ansprache am Heldenplatz anscheinend noch ein bisschen aufgekratzt.

Entspannen Sie sich, das hier sollte ein Forum für Meinungsaustausch sein, nicht für Beflegelungen.

Sorry, hab mich verklickt, wollte Ihnen eigentlich das verdiente Rotstricherl geben und stattdessen ist es ein Grünes geworden.

Wie schon gesagt, dürften Sie ja generell ein Realitätsproblem haben?!

is eh besser so. mit der realität dürftens nämlich wohl net zurechtkommen...

...wo kann man eigentlich derstandard.at abonnieren?

falls es dir entgangen is

derStandard is als Zeitung abonnierbar

Bei allem Respekt, Sie wollen doch nicht behaupten dass die bewaffnete Laienspielgruppe welche sich HEER nennt auch nur ansatzweise militärischen Aufgaben gewachsen wäre?

Welchen militaerischen Aufgaben?

Kann man dem Bundesheer wirklich vorwerfen, dass man ihm a) nicht sagt, was seine Aufgaben eigentlich sein sollen (denn eine Strategie fehlt hier von politischer Seite voellig) und dass man ihm b) nicht einmal fuer die grundlegende Ausbildung von Soldaten im primaeren Betaetigungsfeld genug Geld gibt?

Falls das Bundesheer seine Aufgaben nicht erfuellen kann, dann aus dem Grund, weil man an anderer Stelle nicht will, oder sich nicht dafuer interessiert, dass es seine Aufgaben erfuellen kann.
Michael

Ich habe dem Heer keinen Vorwurf gemacht sondern eine Feststellung getroffen.

Ich habe festgestellt dass das österr. Heer eine `bewaffnete Laienspielgruppe`ist da es sowohl an Material, Geld und Ausbildung mangelt und somit sind sie Laien und keine Profis.

schon mal die gebirgstruppen in aktion gesehen?

ihr bild vom heer mit ein ausgefressenen betrunkenen unteroffizieren und an adipositas leidenden pickelgesichtern ist nicht generell gültig

Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.