Piusbrüder schmeißen Holocaust-Leugner Williamson raus

24. Oktober 2012, 10:30
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Die Holocaustleugnung hatten sie akzeptiert, nach internen Streitereien aber hat die Piusbruderschaft Bischof Richard Williamson nun ausgeschlossen. Den Vatikan dürfte der Schritt freuen

Rom - Die Priesterbruderschaft Pius X. hat den Holocaustleugner Richard Williamson von der Bruderschaft ausgeschlossen. Das teilte die Organisation per Aussendung am Mittwoch mit, bereits am Dienstag hatten die Webseiten Rorate coeli und Le salon beige über einen Ausschluss berichtet.

Der Beschluss sei gefasst worden, da Bischof Williamson "zur Rebellion aufgerufen" habe und beständig ungehorsam gewesen sei. Williamson habe sich "seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu zeigen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet". Dieser "schmerzhafte Beschluss wurde im Namen des Wohls der Bruderschaft gefällt" , hieß es in der Presseaussendung. Die Entscheidung sei am 4. Oktober gefasst worden.

Williamson war bereits aus dem Generalkapitel der erzkonservativen Bruderschaft ausgeschlossen worden und hatte eine "kanonische Warnung" erhalten, seinen Internet-Feldzug gegen die Gemeinschaft und den Generaloberen Bernard Fellay einzustellen.

Der umstrittene Bischof hatte den Chef der Bruderschaft als "durchtrieben" beschimpft. Bis auf Predigten war ihm jede öffentliche Tätigkeit untersagt worden. Gegen den Bischof läuft in Regensburg ein Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung. Williamson droht eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen.

Die Nachricht vom Ausschluss des Holocaustleugners dürfte im Vatikan Genugtuung auslösen. Doch die vor einigen Monaten greifbar nah scheinende Einigung mit den Piusbrüdern ist dennoch wieder in weite Ferne gerückt. Nach der Ernennung von Erzbischof Gerhard Müller zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation sind die Beziehungen zwischen der Bruderschaft und dem Vatikan frostig.

Alfonso de Gallareta, einer der vier 1988 vom Traditionalisten Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe der Bruderschaft, erklärte, eine Einigung sei "nicht in Sicht". Einen "faulen Kompromiss" schloss er kategorisch aus: "Die Liturgiereform und die neue Messe zerstören den Glauben." Grund für den Streit zwischen der Bruderschaft und dem Vatikan ist die Ablehnung vieler Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils vonseiten der Piusbrüder. (mu/DER STANDARD/APA, 25.10.2012)

  • Bischof Richard Williamson, vormals Piusbruder, bei jenem Interview, in dem er 2008 den Holocaust leugnete.
    foto: der standard/armin weigel

    Bischof Richard Williamson, vormals Piusbruder, bei jenem Interview, in dem er 2008 den Holocaust leugnete.

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