Erste Surface-Tests: "Mehr ein Laptop als ein Tablet"

Gemischte Gefühle bei den ersten Surface-Testern

Wie der WebStandard berichtete, wird Microsoft am Freitag den Verkauf des Surface-Tablets starten. In Österreich wird es das Tablet allerdings vorerst nicht geben. Auf dem US-amerikanischen und auch auf dem deutschen Markt kann Surface bereits seit 16. Oktober über die offizielle Microsoft-Seite vorbestellt werden. Die kleinste Version ist in den USA allerdings bereits vergriffen, Microsoft hat allerdings nur eine limitierte Anzahl an Geräten für die Vorbestellung zur Verfügung gestellt. Auffällig dabei ist, dass viele Vorbesteller das Tablet ohne Touch Cover kaufen, das von Microsoft eigentlich als Unique Selling Proposition und großes Argument für den Kauf angesehen wird. Das Gerät wird ohne 3G-Option angeboten, alle Varianten sind Wi-Fi-only. Versionen, die mit einer Windows 8 Pro Version laufen, hat Microsoft angekündigt, veröffentlicht wurden diese jedoch noch nicht.

Gesamtpaket aus Hard- und Software

In der Zwischenzeit hatten US-Medien die Möglichkeit, das Tablet ausgiebig zu testen. Zum ersten Mal in der Geschichte greift Microsoft ein Konzept auf, so AllThingsD, das sich an den End-User richtet und Software, Hardware und Apps in einem Gesamtpaket anbietet. Autor Walt Mossberg hat das Gerät drei Wochen lang tagtäglich getestet und empfindet das Gerät als "solide gebaut" und als puren Ausdruck des Windows 8 Touch-Betriebssystems.

Probleme mit der Halterung

The Verge bezeichnet das aus einer Magnesium-Legierung gefertigte Gehäuse als "attraktiv". Fingerabdrücke würden sich darauf zwar leicht bemerkbar machen, diese sind aber auch leicht wieder zu entfernen. Die Halterung für das Gerät ist gewöhnungsbedürftig, da man sich den Winkel nicht aussuchen kann. Der Rand dieser Halterung sei zudem relativ scharf, sodass sich auf Holztischen Kratzer bilden können. Wired hat sogar getestet, wieviel Kraftaufwand es braucht, um die Halterung abzubrechen: Mit viel Kraft und Druck, wenn man sich darauflehnt, ist es dem Autor auch gelungen. Es sei allerdings sehr stabil und man brauche viel Energie, um es zu zerstören. Und es sind auch die Details, auf die man schaut: Die Aussparung für den Finger, der das Öffnen der Halterung vereinfachen soll, ist auf der linken Seite. Wired-Autor Mathew Honan kann dies nicht nachvollziehen, da die meisten Leute Rechtshänder sind. Im Landscape-Modus sei das Tablet laut Joshua Topolsky von The Verge ziemlich unhandlich. Durch das Gewicht sei es auch nicht besonders geeignet zum Lesen im Bett.

Nur auf dem Tisch stabil

In manchen Szenarien dient Surface laut Mossberg als guter Ersatz für den PC. Besonders die Office-Anwendungen seien vollwertige Programme, die gut funktionieren. Die Tastatur, mit der man diverse Dokumente befüllen kann, sei definitiv besser als iPad-Tastaturen, von denen es zahlreiche gibt. Eines der Keyboards, das Touch Cover, kostet 120 US-Dollar und ist bei der teureren Version des Tablets im Preis inkludiert. Die teurere Tastatur namens Type Cover kostet zehn Dollar mehr, also 130 US-Dollar. Mossberg bemängelt, dass beide Versionen nicht auf dem Schoß nutzbar seien, weil das Tablet dann instabil darauf stehen würde. Auf dem Tablet kann Handschriftliches festgehalten werden, allerdings muss man dazu einen Stylus kaufen, dieser wird nämlich nicht mitgeliefert. 

10.000 Apps

Microsoft startet mit 10.000 Apps im Microsoft-Store, wobei gerade einmal die Hälfte für den US-Markt gedacht ist. Verglichen mit 700.000 iPad-Apps ist das ein Wert, der von Microsoft unbedingt aufzuholen sei. Auch beliebte Apps wie Facebook sind nicht inbegriffen. Mit Windows RT sind nämlich Eigeninstallationen, die nicht aus dem Store kommen, nicht möglich. Die vorinstallierten Apps umfassen den Internet Explorer, ein Email Programm, Social Networking Apps, Instant Messaging, Photos, Maps, Videos, Musik und noch einige weitere Programme. Die Programme würden alle gut funktionieren, es gebe beim Mail aber keine Inbox, in Mails mehrerer Accounts einfängt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Unterstützung von POP. Die Musik-App sei hingegen gelungen, Streaming würde wie bei Spotify funktionieren.

Akkulaufzeit gut und schlecht

Die Akkulaufzeit sei allerdings unterdurchschnittlich gut. Sieben Stunden hält laut Mossberg der Akku des Surface, verglichen mit zehn Stunden Akkulaufzeit bei Apples iPad. Topolsky widerspricht und behauptet, die Akkulaufzeit wäre besser als die eines iPads, was zeigt, dass es stark abhängig von der Nutzung ist. Das Aufladen des Gerätes würde zudem um einiges schneller funktionieren. Die Kameras seien enttäuschend und das Ergebnis von Fotos mittelmäßig. Das Display ist für die Tester ein guter Kaufgrund: Zwar sei die Auflösung nicht die beste, die Clear Type Technologie von Microsoft ermöglicht allerdings klare Grafiken und Typografie. In einem Blind-Test hat Wired seine Redakteure gefragt, welches Display besser sei und montierte das iPad als auch das Surface hinter einer Karton-Wand, die gleich große ausgeschnittene Rechtecke enthielt. Abgespielt wurde ein Video, das von den Mitarbeitern zu bewerten war. Doppelt so viele entschieden sich für das iPad als für das Surface, bei einer Anzeige von Text waren es sogar fast alle. Reaktionszeiten von Touch-Gesten seien gut, das Switchen zwischen Apps funktioniere einwandfrei, bei längerer Nutzung und mehrere offener Apps würde sich ein Performance-Schwund dennoch bemerkbar machen. 

Bugs, Bugs, Bugs

Mossberg ist während seiner Testphase auf einige Bugs gestoßen, einige davon seien "ernst". Bis auf einen seien aber alle mittlerweile behoben worden. Auch The Verge bemängelt einige Fehler und hätte es besser gefunden, wenn Microsoft diese Probleme vor dem Launch vollständig gelöst hätte. Topolsky war verärgert über viele kleine Bugs, die während der Testphase zu Tage gekommen sind. So hatte er ebenfalles Probleme mit der Mail-Anwendung und fand seine Kontakte doppelt vor. Eine Kleinigkeit, mit der sich Konsumenten nicht herumärgern sollten. 

Fazit

Als Fazit geben die Tester an, dass die Office-Anwendungen ein großer Pluspunkt seien, der Mangel an Apps und die geringe Akkulaufzeit hingegen etwas enttäuschend sind. The Verge meint sogar, dass Surface sei ein schönes Tablet, das unglücklicherweise mehr als Laptop zu gebrauchen sei, weniger als Tablet. Die Auflösung des Displays ist keine optimale, was allerdings ein wenig wettgemacht wird durch die schönen Farben und Microsofts Clear Type Technologie. The Verge gibt dem Gerät sieben von zehn Punkten, kleine Details würden allerdings nicht das Versprechen einhalten, das Microsoft mit dem Gerät abgibt. An die laut Topolsky besten Tablets am Markt, Googles Nexus 7 und Apples iPad, würde das Surface allerdings nicht herankommen. (red, derStandard.at, 24.10.2012)

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