"Das ist nicht so schrecklich, das kann man sagen"

Gerhard Zeiler im "Zeit"-Talk: "Arbeite nur, wo man mich hundertprozentig möchte"

Wien - Die Hintertür öffnete der Zeit-Chefredakteur seinem Interviewpartner, Turner-Auslandsboss Gerhard Zeiler. "Konnte diese Praxis der Bestechung am Vorstand vorbei praktiziert werden?", hatte Giovanni di Lorenzo Siemens-Chef Peter Löscher gefragt, da war der Korruptionsskandal unter dessen Vorgängern gerade aufgearbeitet. Löscher schwieg eine Minute und lächelte. Das hätte der Zeit-Chef vielleicht nicht erzählen sollen, bevor er Zeiler Montag befragte.

Über "Qualität und Substanz der politischen Akteure in Österreich". Zeiler lächelt und schweigt. Ob Österreich nicht eine "Kanzlerfigur hat, die das rausreißt" wie Deutschland Angela Merkel? Zeiler lächelt und schweigt. Will Zeiler eine "wichtige Rolle in der österreichischen Sozialdemokratie, der österreichischen Politik spielen? "Es fragt niemand, also gibt es keine Antwort." Hätte er Lust darauf? "Lust kann sich nur einstellen, wenn sich die Situation einstellt."

Warum hat Österreich gar so spät Privatfernsehen zugelassen ? Da braucht Zeiler nicht schweigen: "Das ist nicht so schrecklich, dass man's nicht sagen kann." Österreich habe da die Überfuhr versäumt. Erst war der ORF etwa unter Gerd Bacher so stark. Dann waren deutsche Privatsender da.

Zeiler führte zehn Jahre die RTL Group, wurde als Chef für Mutter Bertelsmann gehandelt. Aber: "Ich arbeite nur, wo man mich hundertprozentig möchte."

Sein Vorgänger bei RTL in Köln, Österreicher Helmut Thoma, ätzte einmal, bei Bertelsmann in Gütersloh "sitzt auf jedem Baum ein Controller". Zeiler: "Leider saßen die Controller nicht in Köln. Dann hätte ich ein besseres Unternehmen übernommen." (fid, DER STANDARD, 24.10.2012)

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