Die Fußgängerin, die die Stadt zum Stolpern brachte

23. Oktober 2012, 19:40
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Petra Jens wird Wiens Chef-Fußgängerin

"Ich habe mich zur Verfügung gestellt." Mehr möchte Petra Jens zu ihrer kürzlich bekannt gewordenen Kür zur ersten Fußgängerbeauftragten Wiens derzeit noch nicht sagen. Die 36-jährige Wienerin soll ab November dafür sorgen, dass man in der Bundeshauptstadt zu Fuß schneller und besser vorankommt und Gehsteige vorfindet, auf denen Fußgänger nicht im Zickzack unterwegs sein müssen.

Es war auch der alltägliche Trottoir-Slalom, den die verheiratete Frau mit ihren drei Kindern zwischen Hundstrümmerln absolvieren musste, der sie vor sechs Jahren einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht hat. Gemeinsam mit anderen Jungmüttern - der Falter nannte sie einmal liebevoll "Trümmerlfrauen" - gründete sie zwischen den zugekackten Gehsteigen und Grünflächen eine Grassroots-Bewegung, die letztendlich die Stadtverantwortlichen zum Handeln zwang. Die Aktion "Nimm ein Sackerl für dein Gackerl" und ein Umdenken bei vielen Hundebesitzern hätte es ohne die studierte Nutztierethologin wohl nicht gegeben.

Denn die 157.631 Unterschriften, die Jens und ihre Mitstreiterinnen im Zuge ihrer Kampagne sammelten, waren eine mächtige Demonstration dessen, wie sehr viele Wiener von rücksichtslosen Hundebesitzern, aber auch untätigen Behörden genervt waren. Jens hat einmal erzählt, der Moment, in dem es ihr wirklich gereicht habe, war die Antwort eines Polizisten, den sie auf einem Spielplatz bat, etwas gegen die dort frei laufenden Hunde zu unternehmen: "Gengan S' halt in die Waffenhandlung und kaufen S' eana an Pfefferspray", lautete der lapidare Ratschlag des Uniformierten. Jens ging stattdessen mit befreundeten Müttern nach Hause in ihre Küche in Brigittenau und startete die Antihundstrümmerlkampagne.

Ziviles Aufbegehren zieht sich durch Petra Jens' Biografie - aktiv war sie nicht erst mit ihrem Kampf gegen Hundekot. Bereits davor war sie als Umweltaktivistin bei Baustellenbesetzungen im Ennstal und in Lambach dabei und bei Global 2000. Zwischen 2005 und 2006 machte sie auch bei den Brigittenauer Grünen mit.

In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden um Petra Jens. Sie ist derzeit bei der Diakonie tätig - wo es ihr auch "sehr gefällt", wie sie betont. Trotzdem steht sie als erste Wiener Fußgängerbeauftragte zur Verfügung und soll sich in der letzten Hearing-Runde gegen fünf Mitbewerber durchgesetzt haben. Kein Bemmerl. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 24.10.2012

  • Jens soll Verbesserungen fürs Wiener Fußvolk bringen.
    foto: hendrich

    Jens soll Verbesserungen fürs Wiener Fußvolk bringen.

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