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Mäuse sind des Forschers liebste Versuchstiere.
Am Anfang stand die Arbeit an embryonalen Karzinomzellen von Mäusen. Martin Evans gelang es Anfang der 1980er-Jahre, embryonale Stammzellen der Nager zu züchten, die nicht mehr zur Entstehung von Tumoren beitrugen - und sich zu fast jedem Zelltyp ausdifferenzieren ließen. Dieser Erfolg sollte dem britischen Genetiker den inoffiziellen Titel "Großvater der embryonalen Stammzellforschung" einbringen - und zum Medizin-Nobelpreis führen. Denn Evans lieferte einen wichtigen Baustein zur Entwicklung einer Technik, die in Versuchsmäusen gezielt Gene ausschaltet. Den anderen wichtigen Baustein für die Bildung dieser " Knockout-Mäuse" lieferten Oliver Smithies und Mario Capecchi. Sie hatten erkannt, dass sich prinzipiell Gene ausschalten lassen.
Die Knockout-Mäuse wurden zu unverzichtbaren Versuchstieren in der biomedizinischen Forschung: Mit der gezielten Eliminierung von Genen lassen sich Mausmodelle von Krankheiten herstellen, die vom Menschen her bekannt sind. Etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson. An den Organismen können zudem mögliche Therapien getestet werden.
Auch Evans widmete sich dem großen Ziel, das "Gene Targeting", so der Fachbegriff, zugunsten vom Verständnis von Krankheiten anzuwenden. Sein Labor entwickelte beispielsweise eine in der Maus sehr wirkungsvolle Gentherapie zur Behandlung von Mukoviszidose, einer Stoffwechselerkrankung.
Den Laborkittel streift "Sir" Evans heute kaum mehr über. Stattdessen gründete er jüngst ein Unternehmen, die Cell Therapy LTD. Dessen Ziel ist es, Zelltherapien für Herzversagen zu testen. Gearbeitet wird mit den sogenannten mesenchymalen Stromazellen - "manchmal nennt man sie auch mesenchymale Stammzellen, auch wenn sie eigentlich keine Stammzellen sind", sagt Evans. Doch auch sie lassen sich in gewisse andere Zelltypen ausdifferenzieren. Gewonnen werden sie etwa aus Knochenmark, Blut oder Fettgewebe.
In dem Ansatz steckt Potenzial: Der Patient könnte mit seinen körpereigenen Zellen behandelt werden. Das ist auch der entscheidende Vorteil der induzierten pluripotenten Stammzellen: Sie könnten zur Behandlung mit körpereigenen Zellen führen - für Evans "der Weg in die Zukunft". Denn: "Man darf nicht vergessen, dass es sich bei den Zellbehandlungen um eine Art Transplantation handelt. Wir wissen: Bei Transplantationen kann es zur Abstoßung des Gewebes kommen. Daher wäre es gut, mit Zellen zu arbeiten, die zu einem Patienten passen." Und: Die besten Zellen für ein Individuum sind nach wie vor seine eigenen. (ly, DER STANDARD, 24.10.2012)
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