Österreichs KMUs im Labor

23. Oktober 2012, 18:01
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Österreichs Klein- und Mittelbetriebe forschen mehr als in den vergangenen Jahren.

Damit sie auch kurzfristig Forschungspersonal bekommen, werden vom Bund Qualifizierungsprogramme gestartet und dafür fast 15 Millionen Euro flüssiggemacht.

Henrietta Egerth erzählt ganz gern, dass immer mehr heimische Klein- und Mittelbetriebe (KMUs) in Forschung und Entwicklung (F&E) investieren. Die jüngsten Belege dafür lieferte die Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG vergangene Woche: Von allen Unternehmen, die 2011 wegen einer Projektförderung eingereicht haben, waren immerhin 78 Prozent KMUs. 37 Prozent davon sind Erstantragsteller. 2008 waren es noch 69 Prozent.

Die Steigerung der F&E-Aktivitäten im KMU-Bereich führt die FFG auf Programme zurück, die in den letzten Jahren speziell für diese Unternehmen vom Wirtschafts- und vom Verkehrsministerium, den beiden FFG-Eigentümern, initiiert wurden (Innovationsscheck, MarktStart, Coin). In Hinkunft wird sich wohl vor allem die Erhöhung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent auf Statistiken auswirken. Sie kostet den Staat 450 Millionen Euro. Die Vergabe dieser steuerlichen Begünstigung wird ab Jänner 2013 erstmals nicht nur vom Finanzamt, sondern auch inhaltlich von der FFG kontrolliert.

Beim "Competitiveness Index" des World Economic Forum habe sich Österreich 2011 gegenüber dem Vorjahr vom 19. auf den 16. Rang unter 144 Ländern verbessert.

Deshalb ist aber noch lange nicht alles rosig in Sachen F&E im KMU-Bereich: Die Verfügbarkeit des Forschungspersonals soll zuletzt schlechter geworden sein. Das Wirtschaftsministerium will offenbar nicht auf Hochschulabsolventen warten und kurzfristig die Qualifizierung verbessern. Zehn Millionen Euro pro Jahre fließen zum Beispiel in das Programm Qualifizierungsnetzwerke. Eine erste Ausschreibung wurde bereits abgewickelt, zehn Netzwerke erhalten Finanzierungen. Vier stammen aus der Steiermark, drei aus Wien, zwei aus Oberösterreich, eines aus Niederösterreich. Dazu kommen die " Innovationslehrveranstaltungen". Gemeinsam mit Hochschulen können KMUs ein Format entwickeln, das den Bedarf decken soll. Einreichungen sind bis März 2013 möglich. Das Budget beläuft sich auf 4,5 Millionen Euro.

Neue Wifo-Studie

Passend zur Präsentation der KMU-Initiative legte das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo eine aktuelle Studie vor. Diese Untersuchung zeigte, dass Unternehmen umso mehr neue Arbeitsplätze schaffen würden, je höher ihre Forschungsintensität sei. Solche Unternehmen würden auch mehr exportieren und seien auch deutlich krisenfester. Das ist natürlich nicht die erste Studie dieser Art, die das belegt.

Während die Investitionen bei Nicht-F&E-Unternehmen schwächeln, sind sie bei forschenden Unternehmen um immerhin 14 Prozent (Bilanzjahr 2010/ 2011) sowie acht Prozent (2011/2012) gestiegen. Die vielbeklagten Engpässe der Forschungsförderung gäbe es laut Wirtschaftsministerium nicht. Heuer und im nächsten Jahr seien via FFG noch rund 700 Millionen Euro an Förderungen abrufbar, wovon 200 Millionen aus EU-Töpfen stammen.

Über mangelnden Zulauf kann sich die FFG jedenfalls nicht beklagen. Henrietta Egerth zog deshalb auch eine positive vorläufige Bilanz des Jahres 2012. "Wir haben acht Prozent mehr Projekte bis jetzt abgewickelt, wir haben zwölf Prozent mehr Beteiligungen in den Projekten der Forschungsförderungsgesellschaft, das Projektvolumen ist um elf Prozent gestiegen." Die ganz konkret geschaffenen Arbeitsplätze hätten immerhin um vier Prozent zugenommen.

Schließlich wird auch im Kompetenzzentrenprogramm Comet wieder einmal Geld vergeben. Heute, Mittwoch, soll die Jury entscheiden, welche neuen K-Projekte mit rund 13,5 Millionen Euro Bundesmitteln gefördert werden. Das ist neben K2 und K1 das kleinste Comet-Programm, das vor allem KMUs ansprechen soll, mit Hochschulen wirtschaftsnahe Forschung zu betreiben.

Für Forschung & Entwicklung werden heuer insgesamt 8,6 Mrd. Euro ausgegeben, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Ein Wert, der vor allem durch die Erhöhung der Forschungsprämie erreicht wurde. (red, APA, DER STANDARD, 24.10.2012)

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  • FFG-Geschäftsführerin Egerth freut sich über mehr F&E im KMU-Bereich.
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    FFG-Geschäftsführerin Egerth freut sich über mehr F&E im KMU-Bereich.

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