Eine Nebenrolle für die Außenpolitik

Analyse23. Oktober 2012, 17:58
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Eigentlich sollte es bei der letzten TV-Debatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney um die Rolle der USA in der Welt gehen. Die Herren einigten sich auf übereinstimmende Positionen - und stritten über Innenpolitik.

Noch bevor die Debatte aus ist, herrscht Hochbetrieb in der "Spin Alley" . In einer Ecke sagt Jim Messina, der Kampagnenmanager Barack Obamas: " Es ist sehr gut für uns gelaufen. Der Präsident hat Herrn Romney gezeigt, was Sachkenntnis ist. Das wird sich in den letzten 14 Tagen dieses Wahlkampfes für uns auszahlen."

Ein paar Schritte weiter steht Eric Fehrnstrom neben einer Dame, die ein Schild mit seinem Namen so hoch in die Luft reckt, dass es allen Reportern im Saal auffallen muss. Der Vertraute Mitt Romneys raunt: " Heute haben wir hier den neuen Oberkommandierenden und Präsidenten der USA gesehen. Obama dagegen fällt zurück, er sieht verzweifelt aus."

An der proper herausgeputzten Lynn University in Boca Raton geht es am Abend der dritten (und letzten) TV-Debatte in diesem Präsidentschaftswahlkampf nicht um sachliche Erwägungen. Es geht um den Dreh, um Meinung und Interpretation, die nach der Sendung bei Millionen Wählern ankommen müssen. Daran arbeiten Wahlkampfmanager, Pressesprecher, Senatoren, Gouverneure und Parteifunktionäre hart. Sie eilen von Reporter zu Reporter, von TV-Studio zu TV-Studio. Niemand soll ihren akkurat vorbereiteten Fünf-Wort-Sätzen entkommen, niemand ohne den " Spin" des eigenen Lagers aus der Allee der Talking Heads fliehen.

Weil Inhalte dabei nicht so wichtig sind, hatte die US-Außenpolitik - das eigentliche Thema - nur eine Nebenrolle an diesem Abend. Romney präsentierte sich zunächst als Vorzugsschüler, der, wenn schon nicht den Iran, so doch zumindest Mali unfallfrei auf einer Landkarte zuordnen konnte. Obama konterte im Habitus des nüchternen, verantwortungsvollen Weltpolitikers. Und beide stellten bei beinahe jedem Thema fest, wie wenig inhaltliche Differenzen sie doch haben: Syrien? Nur nicht intervenieren. Iran? Ein Krieg kommt nur als allerletztes Mittel infrage. Israel? Unterstützung ohne Wenn und Aber. China? Hart sein, aber auch eine Partnerschaft anbieten.

Und so bog die Debatte bereits nach 30 von 90 Minuten das erste Mal scharf in die Innenpolitik ab. Statt über Afrika und Europa (beides kam in der Diskussion bestenfalls in Spurenelementen vor), stritten Romney und Obama über Budget, Gesundheitsreform, Automobilindustrie und die Wirtschaftslage ganz generell.

Obama setzt sich durch

Der Präsident strich hervor, dass sich die USA nicht mehr mit "nation building" auswärts beschäftigen sollten, sondern die eigene Nation wiederaufbauen. Und daneben einigte man sich noch ganz nebenbei darauf, dass Lehrer toll sind. Moderator Bob Schiefer: "Ich glaube, wir können übereinkommen, dass wir alle Lehrer lieben."

Im Gegensatz zur ersten TV-Konfrontation wirkte der Präsident auch diesmal deutlich aufgeweckter und angriffiger. Als ihm Romney vorwarf, das Militärbudget auszuhungern und insbesondere die Navy zu dezimieren, entgegnete Obama: "Es geht nicht um die Zahl der Schiffe, sondern um Fähigkeiten. Wir haben heute ja auch weniger Pferde und Bajonette als 1917. Es gibt inzwischen Träger, da können Flugzeuge darauf landen." Ein anderes Mal warf er Romney vor, das Ende des Kalten Krieges verpasst zu haben: "Sie machen Außenpolitik der 1980er-, Sozialpolitik der 1950er-und Wirtschaftspolitik der 1920er-Jahre." Romney entgegnete trocken: "Mich persönlich anzugreifen ersetzt noch keine Agenda."

Auch wegen dieser Angriffe sollte der Präsident als Sieger der Debatte in Schnellumfragen hervorgehen, die TV-Sender in Auftrag gegeben hatten. Bei CBS sahen Obama 53 Prozent als Gewinner (Romney 23 Prozent), bei CNN 48 Prozent (Romney 40 Prozent). (Christoph Prantner, DER STANDARD, 24.10.2012)

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    Mitt Romney machte bei er TV-Debatte einmal mehr deutlich, dass er sich eher im Bereich der Wirtschaftspolitik wohlfühlt.

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