Weinviertler Protest gegen grenznahes Atomlager

  • 2050 soll der Bau eines Atommüll-Endlager in Tschechien starten. Fünf mögliche Standorte sind unter 100 Kilometer von Österreich entfernt.
    foto: dpa-zentralbild/jens wolf

    2050 soll der Bau eines Atommüll-Endlager in Tschechien starten. Fünf mögliche Standorte sind unter 100 Kilometer von Österreich entfernt.

Fünf potenzielle Standorte in Tschechien unter 100 Kilometer von Österreich entfernt

St. Pölten/Wien - Bis Tschechien ein Atommüll-Endlager errichtet, vergehen noch Jahrzehnte: 2050 soll der Bau starten. Die Standortfrage soll aber bis spätestens 2015 weitgehend geklärt sein und sorgt im österreichischen Grenzgebiet immer wieder für Aufruhr. Jetzt wurde ein neuer potenzieller Errichtungsort bekannt - der 600 Meter hohe Berg Kraví Hora nahe der Gemeinde Rašov, weniger als 100 Kilometer von Drasenhofen im niederösterreichischen Weinviertel entfernt. Ein Grund soll sein, dass in Rašov weniger Widerstand von der Bevölkerung erwartet wird, weil dort in der Sowjetzeit Uranerz abgebaut wurde.

Mögliche Standorte in Österreichs Grenznähe

Die Atomsprecherin von Greenpeace Österreich, Julia Kerschbaumsteiner, bestätigte, dass sich nun Rašov auf der Liste der derzeit neun potenziellen Endlagerplätze befindet. Bisher war von einer 13 Orte umfassenden Liste die Rede gewesen. Vier andere mögliche Standorte liegen noch näher an der Grenze: Von Lodhérov, Rohozná und Budišov bis ins Waldviertel sind es 30 bis 50 Kilometer Luftlinie. Boletice liegt nicht einmal 20 Kilometer von der Grenze zu Oberösterreich entfernt. Vor allem im Mühlviertel regte sich bereits großer Widerstand - sowie in den Orten selbst, die auf der Liste stehen. Bei Rašov könnte das anders sein.

Gefahren unklar

Drasenhofens Bürgermeister Reinhard Künzl (VP) will jetzt zunächst einmal abwarten. Weniger Geduld hat der Mistelbacher Umweltgemeinderat Alfred Weidlich (VP). Er forderte Bundes- und Landesregierung in einem Brief zum Handeln auf, "um dieses Ansinnen zu unterbinden". Aus dem Büro des niederösterreichischen Umweltlandesrats Stefan Pernkopf (VP) heißt es, Österreich müsse in der EU Druck machen, die Atomlobby dürfe nicht weiter mit Steuergeld unterstützt werden. Greenpeace kritisiert, dass die von der Atommüll-Endlagern ausgehenden Gefahren unklar seien und die Errichtung eines Lagers bis zu vier Milliarden Euro koste.

Derzeit existiert weltweit noch kein einziges Atommüll-Endlager. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 24.10.2012)

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