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vergrößern 800x533Die Wohnanlage der BWSG in der Vorgartenstraße in Wien 2 verbindet ein Studentenheim mit Wohnungen für junge Familien, Singles und alle Formen der Patchwork-Existenz.

Ein Holzschweinchen wacht über das WG-Haus Citycom2.
Altbau-WG, Matratze aufs Parkett, Ikea-Regal an die Wand, fertig: Wie studentisch-junges Wohnen aussieht, weiß das Klischee seit Jahrzehnten. Während die Jungen mit Bankkonten und Sondertarifen umworben werden, ließ man sie, was das Wohnen betrifft, bisher meist ihr Ding machen. Früher oder später würden sie eh jung familiär in die geförderte Bausparwelt am Stadtrand ziehen.
Angesichts von Patchwork-Lebensentwürfen, rapide steigenden Mieten und prekären Berufsaussichten ist man sich heute nicht mehr so sicher, wer wann wo hinzieht. Die Jungen brauchen leistbaren Wohnraum und werden sich diesen mit anderen teilen müssen.
Vor gut einem Jahr wurden in der Vorgartenstraße in Wien-Leopoldstadt zwei Wohnbauten fertiggestellt, die sich mit neuen Konzepten in Richtung der Zielgruppe Twentysomething vortasten. Dort, wo mit Mustern herbstlichen Geästs bedruckte Brüstungen grüne Höfe mit eisblauen Hügerln auf dem Kinderspielplatz umzischen, hat der Bauträger BWSG 174 Wohnungen für junge Familien mit 204 Studentenwohnungen der Stuwo kombiniert. Dafür schufen die Architekten von BKK-3 eine Fülle verschiedener Wohngrundrisse, als gemeinschaftlichen Kitt gibt es außerdem Proberaum, Partyraum und Fitnessraum.
Nebenan: der Wohnbau Citycom2 vom Bauträger ÖSW und BEHF Architekten. Ein strenger Kasten à la de Chirico, dessen betongraues Gitter aus Loggien sich inzwischen mit buntem Leben gefüllt hat wie ein Billy-Regal mit Büchern. Diesen Block teilen sich 98 Wohnungen und 42 Wohngemeinschaften mit großer Wohnküche und drei bis sechs Zimmern. Für Letztere musste zuerst ein neues Regelwerk gefunden werden: Jeder Bewohner ist Hauptmieter mit eigenem Vertrag. Auch hier gibt es gemeinschaftliche Treffpunkte wie Sauna und Fitnessraum, die Crêperie im Erdgeschoß kann von den Bewohnern außerhalb der Öffnungszeiten mitbenutzt werden.
Jetzt, da die Umzugskartons ausgepackt sind und die WGs ihre Putzpläne an die Wand geheftet haben, ist es Zeit für eine erste Bilanz. Wie wohnen nun die Jungen? Für BWSG-Vorstand Wilhelm Haberzettl hat junges Wohnen nichts mit Altersklassen zu tun. "Es ist eine Wohnform für jeden, der sich dazu berufen fühlt. Es geht um den Einstieg in selbstständiges Wohnen." Für den Bauträger heißt das: Eine Gratwanderung zwischen maßgeschneidertem Angebot für heute und dem Erahnen der zukünftigen Bedürfnisse von immer unberechenbarer werdenden Biografien.
Dass die Bewohner für alle Phasen ihrer Patchwork-Existenz im selben Haus das geeignete Passstück finden, ist das hehre Ideal. "Ab einem gewissen Alter wird die Wohnung aber ungern gewechselt", räumt auch Haberzettl ein. Das Angebot jedenfalls steht: in den kleinen Wohnungen die ganz Jungen und ganz Alten, in den großen Wohnungen die Familien mit Kindern. Für den Übergang gibt es Wohneinheiten mit zwei Türen zur späteren Zellteilung oder separate Zimmer für zaghaft nestflüchtende Jugendliche.
Die Mischung von studentischem und konservativem Wohnen habe sich im ersten Jahr bewährt, Konflikte zwischen den Bewohnern gebe es kaum, sagt Haberzettl. "Es ist eher die Verwaltung der Gemeinschaftsräume, die als Bremser agiert, weil sie Konflikte befürchtet. Das sind organisatorische Probleme. Aber bei insgesamt fast 400 Wohnungen ist klar, dass sich das erst einschleifen muss."
Beim Nachbarn Citycom2 zieht man dank 92 Prozent Wohnzufriedenheit ebenfalls positive Bilanz. Die Hälfte der WG-Wohnungen wurden an Gruppen vergeben, die sich schon gefunden hatten, bei den Einzelvergaben dauerte es etwas länger. "Die WGs, die noch freie Zimmer hatten, waren natürlich ganz glücklich damit und wollten nicht unbedingt neue Mitbewohner", sagt ÖSW-Vorstand Michael Pech.
Probleme mit Gemeinschaftsräumen gab es hier nicht, eher noch Geburtswehen dank studentenüblicher Lebensfreude: "Wenn 42 Wohngemeinschaften ihre Einweihungspartys feiern, wird es schon laut", erinnert sich Pech. "Im Haus ist das Verständnis groß, aber die Nachbarn haben etwas gelitten. Wir versuchen, hier basis demokratisch mit Hausvertrauensleuten zu moderieren, das funktioniert sehr gut."
Beide Bauträger konstatieren also: "Experiment geglückt" - und planen schon die nächsten. Für die BWSG geht es weiter in Richtung Individualisierung: Für ein Pilotprojekt am Hauptbahnhof werden Mieterwünsche schon im Planungsstadium berücksichtigt. "Wie sich das auswirkt, wird man erst in 20 Jahren wissen", sagt Haberzettl. Der Generationenvertrag als Zukunftslabor. (Maik Novotny, DER STANDARD, 24.10.2012)
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Der beschriebene gemeinschaftliche Kitt via Proberäume, Partyraum oder Fitnessraum wurde vielfach von der BWSG via Medien oder auch auf den Wiener Wohnbaufestwochen 2011 versprochen. Und die Story setzt sich unreflektiert in DerStandard fort. Jedoch sind all die genannten Räume von der Stuwo verwaltet und lediglich der Fitnessraum ist einmal in der Woche für 4 Stunden für monatliche Zusatzkosten von 18, Euro zugänglich. Alles andere ist „Schnee von gestern“ bzw. besagte Schönfärberei. Und mit den versprochenen Dachgärten scheint die Genossenschaft organisatorisch überfordert zu sein, das Unkraut wächst und gedeiht, auch nicht schlecht, wir sind ja jung und innovativ ;-)
Schlichtungsversuche, die von einigen engagierten BewohnerInnen und StudentInnen übernommen wurden, z. B. über eine eigene Facebook-Gruppe um dort Probleme direkt anzusprechen, beginnen jedes Semester neu, da mit jedem Semester neue Stuwo-BewohnerInnen kommen. Weder die BWSG noch die Stuwo-Leitung dürfte das Problem interessieren, denn unternommen wurde nichts. Und die Architekten dürften die Lärmpotenzierung nicht bedacht haben. Somit ist dem noch nicht lange amtierenden, von der ÖBB zur altehrwürdigen BWSG gewechselten Herrn Haberzettl zu widersprechen: Es gibt teilweise Konflikte, für die unbedingt Lösungen gefunden werden müssen, um das zukünftige friedliche Zusammenleben zu gewährleisten. Denn die meisten von uns wohnen gerne hier!
Die Wohnanlage der BWS „verbindet“ derzeit Studentenheim und Wohnungen eher weniger über die zitierten „zahlreichen Gemeinschaftsräume“, sondern insbesondere über zwei Kanäle: Architektur und Lärm. So klagen einige BewohnerInnen der BWSG-Wohnanlage Taborstraße, dass Stuwo-Gemeinschaftsräume hofseitig ausgerichtet sind und somit alle Partyaktivitäten in das gegenüberliegende Haus schallen. Die stark verdichte Bauweise scheint hier kein geeigneter Umgang mit „Nähe und Distanz“ zu sein, sondern begünstigt diese Situation noch. Partys von Studenten können laut und lange sein, das soll auch so sein! Jedoch muss auf das Zusammenleben geachtet werden.
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