Die Lage des Landes

Gerhard Dorfi
23. Oktober 2012, 17:10
  • Josef Winkler, Peter Waterhouse, Sabine Gruber (v. li.) und andere halten in diesem Herbst an verschiedenen Orten in Österreich "Reden zur Situation".
    foto: apa (2) / corn

    Josef Winkler, Peter Waterhouse, Sabine Gruber (v. li.) und andere halten in diesem Herbst an verschiedenen Orten in Österreich "Reden zur Situation".

"Reden zur Situation" – Schriftsteller setzen sich österreichweit kritisch mit Themen wie Sport, Justiz, Migration und Sprache auseinander

Salzburg - Seit neun Jahren kooperieren die österreichischen Literaturhäuser und Literaturzentren bei überregionalen Projekten. Nach den Themen "Demokratie", "Jubiläumsjahr", "Medien" und zuletzt "Literarische Reportagen auf den Spuren Joseph Roths" werden im heurigen Herbst "Reden zur Situation" folgen.

Schriftsteller/innen wie Sabine Gruber, Bodo Hell, Vladimir Vertlib, Margit Schreiner oder Peter Waterhouse setzen sich kritisch mit Sport, Justiz, Migration und Sprache auseinander. Die Texte werden an ungewöhnlichen Orten wie dem Wiener Stephansplatz, dem Grazer Landesgericht oder im Mattersburger Fußballstadion vorgetragen.

In Salzburg äußert sich Josef Winkler zur Part-of-the-Game-Unkultur des südlichsten Bundeslandes. Schon bei der Eröffnungsrede zum Bachmannpreis 2009 stellte der Schriftsteller die Frage, wie lange sich die Kärntner Bevölkerung "von diesen schamlosen und räuberischen Politikern, den Hausherren des Landes Kärnten, noch ausbeuten (...) und lammfromm ausrauben lassen will?"

Die Liste der Verfehlungen, Intrigen, Korruptionsfälle ist lang und wird immer länger. Nur wenige aber getrauen sich die Stimme zu erheben, Winkler wird dies unter dem schönen Titel Der Landeshauptmann von Kärnten als bischöflicher Haubentaucher auf der Bierkiste. Politische Zustände im südlichsten Bundesland am Tag vor dem Nationalfeiertag nochmals tun.

Auch nach Hypo-Skandal, Klagenfurter EM-Stadion, Haider-Begräbnis auf Steuerzahlerkosten, dem Birnbacher-Prozess usw. erwartet der Büchnerpreisträger 2008 weiterhin ungustiösen Stoff für kritische Einwürfe - denn wir "haben bisher nur die Spitze des Eisbergs gesehen". Hören Sie sich die Worte an! (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 24.10.2012)

24. 10., Peter Waterhouse: Asylgerichtshof Laxenburger Straße, 1010 Wien, 18.00

25. 10., Josef Winkler: Salzburg, Unipark Nonntal / Fachbibliothek, 19.30

26. 10., Sabine Gruber: Literaturhaus am Inn, Installation, 11-16.00

Detailliertes Programm

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18 Postings
Der Club der toten Dichter

....wer liest heute noch? Wer liest heute noch was heute geschrieben wird? Oder sollte man lesen, was gestern geschrieben wurde? Schreiben die heutigen Autoren für Morgen?

Anmassung der Literaten

Warum soll ein Schriftsteller mehr zum Zustand der Welt zu sagen haben, als eine Lehrerin oder ein Paketbote?

es kommt wohl nicht auf das "mehr" sondern auf das "was" und "wie" an

Wenn der Paketbote selbst schreiben würde, statt sich mit Krone und Bier zu verblöden, würde ihn nichts daran hindern, bei solchen Aktionen mit zu machen.

"Wahr spricht, wer Schatten spricht"

Es geht nicht darum, wer "mehr" zu sagen hat, sondern was wer zu sagen hat: auf den Inhalt kommt es an!

Insofern haben Sie aber zugleich auch nicht minder unrecht, denn natürlich kann auch eine Putzfrau oder ein Taxifahrer, eine Lehrerin, etc. - wer weiss schon, ob diese genannten nicht Akademiker sind, die keine Anstellung fanden und deswegen diesen Jobs nachgehen?, bspw.- uns ordentlich ins Mitdenken versetzten! ABER, Ihr Halbargument ist inhaltlich belanglos, den die Bühnen dieser Welt, stellen nunmal nicht an jeden annähernd die gleiche Kriterien sich öffentlich auch äußern zu können, derart, dass sodann auch die Medien darüber berichten und es nicht als Privatmeinung in der eigenen Umgebung verbleibt!

Tatsache ist, dass viele positive soziale Bewegungen

in der Geschichte von Schriftstellern eingeleitet wurden: Jean-Jacques Rousseau war mit seinem "Émile" und seinem "Contrat social" im 18. Jahrhundert der Wegbereiter der Menschenrechtserklärung; Harriet Beecher Stowe's "Uncle Tom's Cabin" machte im 19. Jahrhundert die Anti-Sklaverei-Bewegung populär. In den ersten Jahren der Hitler-Ära emigrierten so gut wie alle (!) bedeutenden dt. Schriftsteller ins Ausland, sofern sie nicht - wie Carl von Ossietzky - vorher umgebracht worden waren. Einen derart geschlossenen Massen-Exodus hat es bei keiner einzigen anderen Berufsgruppe - weder bei Ärzten, noch bei Technikern, Juristen oder Hochschullehrern - gegeben. (Der Fall Gottfried Benn ist zu komplex, als dass er hier diskutiert werden könnte.)

Gänsefette Händlersippe

Und wer bejubelte vor dem 1. Weltkrieg (mit einer einzigen rühmlichen Ausnahme) europaweit den Heldentod fürs Vaterland?

Gute Schriftsteller Durchschnitts IQ ca. 140
Gute Lehrer Durchschnitts IQ ca. 105
Gute Paketboten Durchschnitts IQ ca. 95

Schätzwerte, alle Angaben ohne Gewähr.

Melville war Zollinspektor,

Saint-Exupéry war Pilot, Kafka arbeitete bei einer Versicherung, Gary war Diplomat, T. E. Lawrence war Soldat, Günter Grass war gelernter Steinmetz (heute ist er 85. und immer noch ohne Abitur!), Houellebecq war EDV-Techniker, usw. usw.

bukowski war briefträger

und wittgenstein lehrer...

Wittgenstein wurde aber erst nach seiner Zeit als Soldat im 1. WK und nach der Veröffentlichung seines Traktats (mit Hilfe Russels) Lehrer, und das auch nicht sehr lange.

tja wittgenstein war schriftsteller (tractatus) und lehrer

(allerdings kein besonders guter), fragt sich nur wo er laut ca ramba in der obigen liste zu finden wäre...

Ich fürchte Bukowski war auch kein sehr guter Briefbote:)

Niemand hindert

die Lehrerin oder den Paketboten, sich an die im Artikel genannten Orte zu begeben und etwas zum Zustand der Welt zu sagen. Wo ist also das Problem?

Sie werden eh nicht ernster genommen

als Lehrer und Paketboten

"Der Künstler sollte

unter den Menschen die hellsten, wachsten, aufmerksamsten Augen haben." (Klaus Mann)

so wir die eigene Branche

selbtbeweihräuchert

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