Haarverlust im Herbst: Der Mensch mausert nicht

Eva Tinsobin
24. Oktober 2012, 12:56
  • Der Mensch "mausert" nicht. "Ein dicker und dünner Werden der Kopfbehaarung gibt es meines Wissens nach nur bedingt", sagt die Dermatologin Daisy Kopera.
    foto: apa/dpa/martin gerten

    Der Mensch "mausert" nicht. "Ein dicker und dünner Werden der Kopfbehaarung gibt es meines Wissens nach nur bedingt", sagt die Dermatologin Daisy Kopera.

"Im Herbst verliert man viel mehr Haare. Auch meine 16-jährige Katze haart sich schon seit Tagen", heißt es in einem Forum - Brauchen wir Menschen ein Winterfell?, fragen wir die Dermatologin Daisy Kopera

Der Herbst ist für zahlreiche Menschen beiderlei Geschlechts von "Bad Hair Days" geprägt: "Es passiert mir jedes Jahr und ist jedes Mal beängstigend: Im Herbst bekomme ich Haarausfall. Dann ist die Bürste voll, hundert Haare und mehr fallen aus. Zum Glück ist der Spuk im November wieder vorbei. Wer von Euch kennt das?", lautet ein Hilferuf in einem deutschen Forum.

"Mir hat mal ein Friseur gesagt: 'Im Herbst fallen auch die Blätter von den Bäumen, da ist Haarausfall beim Menschen ganz normal'", spendet ein Betroffener Trost. "Im Herbst verliert man wirklich viel mehr Haare. Auch meine 16-jährige Katze haart sich schon seit Tagen", stellt eine weitere Forum-Stimme eine Winterpelz-Analogie zum Tierreich her.

Die Nachwirkung des Sommers

"Brauchen wir Menschen ein Winterfell?", fragen wir die Leiterin der Klinischen Abteilung für Allgemeine Dermatologie im LKH Universitätsklinikum Graz, Daisy Kopera: "Bei den Tieren ist der Fellwechsel eine Tatsache und macht Sinn. Auf den Menschen bezogen ist der direkte Vergleich mit dem Fellwechsel ein Volksglaube", stellt die Dermatologin aus trichologischer Perspektive fest. Die Trichologie widmet sich als ein Teilgebiet der kosmetischen Dermatologie der Kopfhaut, den Haaren und den Haarwurzeln. "Ein dicker und dünner Werden der Kopfbehaarung gibt es meines Wissens nach nur bedingt", sagt Kopera. Eine regelrechte "Mauser" beim Menschen identifiziert sie als Zufallsbeobachtung oder als Spätwirkung auf verschiedenste Einwirkungen der vergangenen Monate.

So könne verstärkter Haarausfall im Herbst auf die erhöhte Sonnenexposition von Kopfhaut und Haaren in den Sommermonaten zurückzuführen sein, aber ebenso mit Stresssituationen im neuen Arbeitsjahr zusammenhängen; Haarverlust im Frühjahr kann dagegen auf Mangelzuständen im Winter oder auf Nachwirkungen der Winterdepression beruhen. Mit den natürlichen Haarwachstumsphasen sei der saisonale Haarverlust jedenfalls nicht erklärbar.

Natürlicher Haar-Zyklus

Das entspricht den Erkenntnissen einer französischen Forschungsgruppe, die 1996 den natürlichen Haarwachstumsphasen und dem periodischen Haarausfall auf den Grund ging.

Das Wachstum des Haares folgt einem Zyklus: Eine Haarwurzel geht in die Wachstumsphase (Anagenphase) und produziert ein Haar. Am Kopf dauert diese Phase vier bis sechs Jahre, dann geht die Haarwurzel "zur Erholung" in die Ruhephase (Telogenphase). Das bestehende Haar wird abgestoßen und fällt aus. Nach zwei bis vier Monaten geht die Haarwurzel normalerweise in eine neue Wachstumsphase. Mechanische Einwirkungen, wie Waschen, Bürsten und Kämmen, bringt die locker in der Kopfhaut sitzenden Telogenhaare zum Ausfallen. Darüber hinaus können verschiedenste Zustände des Körpers, wie etwa Krankheiten, zu einer verlängerten Ruhephase und einem verlangsamten Nachwachsen der Haare führen. Trifft dies zu, werden die Haare schütter.

Bei zehn Männern wurde im Rahmen der Studie über einen Zeitraum zwischen acht und 14 Jahren regelmäßig an derselben Stelle des Kopfes der Anteil der Haare in der Telogenphase mittels Phototrichogramm bestimmt. Dabei kristallisierte sich eine jahreszeitliche Periodik heraus: Im Spätsommer und Herbst war der Anteil der ausfallenden Telogen-Haare am größten. Als ausschlaggebend für den herbstlichen Haarverlust gilt die Intensität der Sonnenbestrahlung in den Sommermonaten: je intensiver, desto stärker der Haarausfall. Bei einigen Teilnehmern konnte im Frühjahr ein zweiter Gipfel registriert werden.

Täglich bis zu 100 Haare

Ein Verlust von täglich bis zu 100 Haaren gilt als unbedenklich. Sind es über einen längeren Beobachtungszeitraum mehr, ist ein Besuch beim Dermatologen angesagt. "Hundert Haare können je nach Haarlänge und -struktur nach viel ausschauen", gibt Daisy Kopera zu bedenken. Darüber hinaus verliert man beim Haarewaschen mehr Haare als an anderen Tagen, weshalb Friseure zuweilen teure Haarkuren empfehlen.

Doch nur wenige Mittel halten, was sie versprechen: "Es gibt hunderte Mittel, denen nachgesagt wird, dass sie wirken. Dennoch sind sie mit Vorsicht zu genießen", sagt Kopera, "denn für die meisten gibt es keine placebokontrollierten wissenschaftlichen Studienergebnisse." Als wirksam gilt zum Beispiel Biotin (Vitamin H), wobei es sich allerdings nicht um ein Haarwuchsmittel, sondern um einen Haarstrukturverbesserer handelt. Generell sind laut Kopera Mittel zur Anregung des Haarwachstums meistens in Alkohol gelöst und führen bei längerer Anwendung zum Austrocknen der Kopfhaut und zu Schuppenbildung. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 24.10.2012)

Studie: Courtois M. et al: Periodicity in the growth and shedding of hair. Br J Dermatol. 1996 Jan;134(1):47-54), British Journal of Dermatology. ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8745886

 

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Also bei mir wars eher immer umgekehrt...

Ich hatte im Sommer immer mehr Haare in der Bürste als im Winter...

Mittlerweile hab ich auch nimmer viele am Kopf, und die, die da sind, sind nur noch 2-3 mm lang :)

Meinem Selbstbewusstsein hats noch nicht arg geschadet, meine Freudin liebt mich, glücklicherweise, auch so, andere interessieren mich nicht.

Und ich glaube, wenn man sich sonst Mühe gibt einen gepflegten und gesunden Körper zu haben, wird man auch ohne vollen Locken akzeptiert :)

der jahreszeit unabhängig wuchert es bei mir auch im fünften jahrzehnt noch an allen enden und ecken. was tun?

Die Achselhaare einfach als Schal verwenden!

Gar nichts. Freuen Sie sich.

hurra, bei andauerndem haarausfall wird also der besuch beim dermatologen empfohlen

schön, da kann einem dann der dermatologe die professionelle diagnose stellen dass man eine glatze bekommt. auf sowas würde man ja ohne arzt nieeeeeeee kommen...
ich hab schon befürchtet ein gehrintumor verformt meinen kopf wodurch diese seltsamen haarlosen geheimratsecken entstehen, aber ich werd jetzt mal zum dermatologen schaun damit mir der dann doch sagen kann dass es einfach nur haarausfall ist. dann kann ich wieder beruhigt schlafen.

ich bin ja

eigentlich nicht gehässig,
aber ich finds super, dass ich keine glatze bekomme :-)

danke opa für dein haar

Perücke geerbt? ;-)

ne, opas gene

na häufiger ist es wegen dem x-chromosom wohl so, dass man nach der männlichen verwandtschaft der mutter kommt.

opa in diesem fall der vater meiner mutter, die aber das pech hatte, widerum die haare ihrer mutter zu erben, ich bekam opas haare, seine körperbehaarung und omas augenfarbe.

Wenn man das so liest, müssen Sie lustig ausschauen :-)

Jaja. Und wie alle Männer mit vollem Haar haben Sie sicher so einen modischen Kurzhaarschnitt.
Ich dagegen...es gibt nix tragischeres wie einen Althippie mit Haarausfall...
Aber was soll`s. Mein letztes Haar wird ein langes sein!

kurz nicht weil modisch, sondern angenehmer

Gut sind ...

... die Nährstoffe in diesen Glasflaschen, in Alkohol gelöst. Es stehen verschiedene Bezeichnungen d'rauf.
Gösser, z.B..

aber nur zum Kopfeinreiben, oder?

Vitaminkapseln

Also bei mir haben Vitaminkapseln sehr gut funktioniert. Ob das am Placebo liegt oder nicht ist mir egal...

und was bitte

Würden Sie uns auch verraten was das für ein Mittel war? Glaube nämlich nicht, dass damit meine schöne voll Platte wieder besiedelt wird.

...

Ich habe auch nicht gesagt, dass meine voll Platte wieder besiedelt wurde. Aber meine Geheimratsecken sind kleiner geworden und ich verliere jetzt auch deutlich weniger Haare. Das Mittel heißt bimaxaan und ob es die Inhaltsstoffe, die Sonne und der Regen oder sonst was ist, was bei mir wirkt, ist mir wie gesagt egal.

Ist das der Nicholson auf dem Foto?

es wird Zeit, dass die Pharmaindustrie endlich ein wirksames Mittel gegen Haarausfall findet...so schwer kann das ja nicht sein ;-)

finasterid...

@ghri...

ja, siehe auch ein paar Postings weiter unten, ein ausführlicher Erfahrungsbericht...

Regaine (Wirkstoff Menoxidil) hilft wenn noch ein Flaum auf dem Kopf ist. Wird äußerlich angewendet.

@Col...

soweit ich weiss ist das Mittel flüssig und muss mehrmals täglich aufgetragen werden, etwas mühsam, meinen Sie nicht?

kann sich ja jeder aussuchen ;) glatze oder 2x täglich auftragen

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