Brustkrebs: Bessere Diagnostik bei reduzierter Strahlung

23. Oktober 2012, 16:29

Eine neue Röntgenmethode könnte die Brustkrebsfrüherkennung grundlegend verbessern

Entscheidend für die Prognose einer an Brustkrebs erkrankten Frau ist die möglichst frühzeitige Diagnose. Für die etablierten Screeningprogramme wird eine Fehlentdeckungsrate von bis zu 20 Prozent angenommen, da mit der Mammographie als Projektionsverfahren kleinere Tumoren durch Drüsengewebe überdeckt werden und damit der Diagnostik entgehen können.

Dies betrifft insbesondere Frauen mit sehr dichtem Drüsengewebe. Wenn fälschlicherweise ein abnormer Befund beschrieben wird, der sich bei Folgeuntersuchungen als Fehlbefund herausstellt, kann dieser sogenannte "falsche Alarm" die Betroffenen nachhaltig belasten.

Physiker, Radiologe und Mathematiker an der "European Synchrotron Radiation Facility" (ESRF) in Grenoble, an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und an der University of California in Los Angeles (UCLA) haben nun eine neue Methode entwickelt, die  herkömmliche mammographische und computertomographische Verfahren in mehrfacher Hinsicht übertrifft: Sie liefert dreidimensionale computertomografische (CT) Bilder, die eine um das zwei- bis dreifach erhöhte Auflösung aufweisen.

Entscheidend ist, dass dieser Ansatz mit einer etwa 25-mal niedrigeren Strahlendosis auskommt als es bisher möglich war. Die hohen Strahlungsdosen einer Computertomographie der Brust bei hoher Strahlungsempfindlichkeit des Brustdrüsengewebes hatten bislang den Einsatz von CT-Verfahren in der Brustkrebsfrüherkennung verhindert.

Hochenergetische Röntgenstrahlung

Um die Computertomografie auch für das strahlungssensitive Brustgewebe ausreichend sicher zu machen, setzen die Forscher auf hochenergetische Röntgenstrahlung, die Gewebe unter niedriger Dosisbelastung durchdringen kann. Eine zusätzliche Dosisminimierung ermöglicht die Anwendung der sogenannten Phasenkontrastbildgebung, eine Röntgenmethode die bei niedriger Dosis exzellente Bildkontraste liefert. Ein hierfür entwickelter mathematischer Algorithmus erlaubt die Rekonstruktion kontrastreicher und hochauflösender CT Bilder auch bei deutlich reduzierter Strahlendosis.

In Kombination liefern diese Ansätze bei 512 Aufnahmen einer menschlichen Brust aus verschiedenen Perspektiven mehrere 3D-Bilder in unerreicht hoher Auflösung mit - im Vergleich zu herkömmlichen Mammografien - unerreicht niedriger Strahlendosis.

Im Test und ohne Hinweis auf die eingesetzten Verfahren bewerteten fünf unabhängige Radiologen am Institut für Klinische Radiologie der LMU die Bildschärfe, den Kontrast und die allgemeine Bildqualität dieser CT-Aufnahmen. Es ergab sich hierbei eine deutliche Überlegenheit der neuen Methode gegenüber den etablierten bildgebenden Röntgenverfahren.

Vorerst ist die neue Technologie noch in der laborbasierten Forschungsphase und kann noch nicht an Patienten eingesetzt werden. Für eine Anwendung und Evaluierung im klinischen Einsatz muss zunächst ein Röntgengerät entwickelt werden, das für einen Standardeinsatz am Patienten bei klinischen Fragestellungen geeignet ist. (red, derStandard.at, 23.10.2012)

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1 Posting
Zukunftsmusik...zur zeit gibt es nicht mal eine gesicherte Finanzierung für das Screeningprogramm.

MR wäre noch sensibler und spezifischer, sagen einige, und das ganz ohne Strahlen.
Es ist noch ein langer Weg. Hauptsache, es gibt rosa Strassenbahnen und eine "pink industry", die sich die Brüstchenfürsorge umhängt.
Aber wir machen da ein screening progrämmchen, und dort eines. Und wenn sich die Programmverantwortlichen gefeiert und bedankt haben, wird still alles heruntergekurbelt, und die Damen, die sich umsorgt fühl(t)en, sind wieder alleine und werden nicht mehr eingeladen, erinnert, was auch immer. Das Ende gehört genauso verkündet, tut aber keiner.
Sucht sich der Herr Minister gerade aus, wo er scheitern möchte, ELGA oder Brustscreening?

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