In Finnland wird der Teufel noch ernst genommen

Finnische Wissenschafterin Wolf-Knuts erforscht als Gastprofessorin bei den Volkskundlern der Universität Jena die folkloristische Rolle des Gottseibeiuns

In Skandinavien hat der Teufel noch weitgehend seinen Schrecken erhalten können - anders als im restlichen Europa, wie es scheint. Je weiter man nach Süden gelangt, umso leichter und humorvoller ist der Umgang mit Luzifer. Das behauptet zumindest Ulrika Wolf-Knuts, und sie muss es wissen, schließlich hat sich die Wissenschafterin aus Finnland seit gut 25 Jahren forschungsmäßig dem Teufel verschrieben. Die neue Gastprofessorin wird bis Ende Dezember die Arbeit am Lehrstuhl für Volkskunde/Kulturgeschichte der Universität Jena bereichern. Von hier aus möchte sie neue - nicht zuletzt für Deutschland und die Region Mitteldeutschland typische - Aspekte ihres Forschungsschwerpunktes in Erfahrung bringen.

Als Angehörige der schwedisch-sprachigen Minderheit Finnlands forscht und lehrt Ulrika Wolf-Knuts an der gleichfalls schwedisch-sprachigen "Åbo Akademi" der Stadt Turku. Einmal längere Zeit in Deutschland zu sein, das sei "ein alter Traum von ihr gewesen", sagt die 64-jährige. Auf die Universität Jena mit dem Lehrstuhl für Volkskunde/Kulturgeschichte und der "hervorragend ausgestatteten Bibliothek" war die Wissenschafterin auf Kongressen von Jenaer Kollegen hingewiesen worden. Volkskunde und Folkloristik, das seien in ihrer Heimat zwei unterschiedliche Disziplinen. Das Wesen der Folkloristik liege in der Beschäftigung mit der geistigen Kultur, mit dem Denken, dem Erzählen, dem Glauben. "Dieser Aspekt wird in Finnland stärker betont als anderswo", verrät die Wissenschafterin.

"Djävul" lautet das schwedische, "Perkele" das finnische Wort für den Teufel. Dabei interessiert es Wolf-Knuts besonders, ob und warum Menschen an den Teufel glauben - und wie sie ihn dabei sehen. Denn der Teufel sei einerseits eine sehr ernsthafte Figur, andererseits eine, über die gelacht würde. Die Basis ihrer Forschung bildet Material unterschiedlichen Charakters aus der bäuerlichen Gesellschaft zwischen 1850 und 1930.

Die Schwarze Schule zu Wittenberg

Während ihres Aufenthalts in Jena, wo sie seit dem 1. Oktober als Mercator-Gastprofessorin weilt, will sie auch in Deutschland nach ähnlichen Geschichten in Teufels-Tradition fahnden. Nachspüren will sie vor allem einer Geschichte, die seltsamerweise in Deutschland nahezu unbekannt, in Skandinavien aber verbreitet ist: Der Geschichte um die Schwarze Schule zu Wittenberg. "Ein Student der Theologie aus Finnland geht nach Wittenberg. Als er wieder zurückkommt, beherrscht er die schwarze Magie und kann den Teufel anrufen", erzählt Wolf-Knuts. "Wieso handelt die Geschichte gerade von der Lutherstadt Wittenberg? Wie kommt es, dass im Norden in einer protestantischen Gegend gerade diese protestantische Hauptstadt als so gefährlich dargestellt wurde?" - so lauten die Fragen, deren Beantwortung die Erzählforscherin in Deutschland näherkommen will. Von der Uni Jena aus will sie auch in anderen Archiven forschen. In Göttingen hat sie beispielsweise schon Material gefunden.

"Der Teufel und das Böse sind nicht unbedingt Synonyme", darauf insistiert Wolf-Knuts - und verweist auf Gottes Zorn, auf einen dummen oder gar helfenden Teufel. Einen Teufel gibt es in fast allen Kulturen. Nur ist der Umgang mit ihm unterschiedlich. Mit Lachen und mit Humor sei dem Teufel wohl am besten beizukommen. Je weiter südlich man innerhalb Europas gelange, umso leichter sei der Umgang mit dem Gehörnten wohl, umso mehr würde er ausgelacht.

In Finnland werde der Teufel ernster genommen als in Deutschland - und sei es im Umkehrschluss verherrlichend, etwa im Black Metal. Dass eine ältere Dame über ihren schwarzen Pudel sage: "Da kommt er ja, der Teufel", das sei in Skandinavien undenkbar. Ebenso wie Bratwurst vom "Thüringer Grillteufel" höchstwahrscheinlich. (red, derstandard.at, 23.10.2012)

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Naja "Perkele" ist in Finnland nach "Vittu"(=vulgäre bez. für das weibl. Geschlechtsteil) das am häufigsten benutzte Schimpfwort, Perkele kann man mit "Sch..se" im dt. Sprachgebrauch gleichsetzen, ist also in der fin. sprache sehr vulgär. Deswegen wird es wohl nicht oft im "normalen" Sprachgebrauch verwendet. Genauso wie man im dt. wohl kein Geschäft oder Restaurant mit einem vulgären Schimpfwort (zum Sch..swirt oder so) bezeichnen würde.

Nun, nüchtern betrachtet ist der Teufel nur das Negativbild von YHWE, also lediglich ein weiterer imaginärer Freund. Es sei den Menschen im hohen Norden dennoch verziehen, eingedenk der langen Winternächte u kalten Winters. Luther u die Protestanten waren immer schon von der Idee des personifiziertem Bösen namens "Luzifer" besonders besessen. Erfunden wurde er aber wesentlich früher von Anhängern des mosaischen Glaubens und das aus gutem Grund...

PS: Satanisten sind von meinem zugegebenermaßen sehr mechanisch-logischem, der Aufklärung verpflichteten Weltbild aus betrachtet nichts weiter als Negativchristen.

satanismus is viel, negativchristen sollt man nicht unbedingt dazuzählen

ich glaube dass yhwh/allah

der wahre teufel ist.

begründungen:
*) er will angebetet werden
*) er ist ein massenmörder
*) er ist ein "aufstacheler"
*) es führt(e) menschen in versuchung ("und führe uns nicht in versuchung")

und bitte noch vergleichen mit dem "echten" teufel

luzifer = lightbringer = prometheus

der gefallene engel der den menschen erkenntnis geschenkt hat die yahwe vor ihm verbergen wollte

Jaja, der wurde immer schon sauer, wenn der Mensch Erkenntnis erlangt hat - siehe die Vertreibung aus dem Paradies...

Echt nettes Kerlchen! Ich werd gleich mal einen frommen Buckel machen gehen und mir einen Bart wachsen lassen...

Dass der Teufel nicht ernst genommen wird

und dass damit illustriert wird, dass man so etwas wie "Da kommt er ja, der Teufel" in Skandinavien nicht sagen würde, ist für mich schwer nachzuvollziehen. Gerade "perkele" wird ja in Finnland recht gerne beim Fluchen etc. verwendet.

Halte ich auch für eine etwas absurde Behauptung... dazu würd ich schon ganz gern empirische Daten sehen.

stimmt!

Und hellvetin hyvää ist auch eine gängige Formulierung. Was mich bedeutend mehr Interessiert ist der Zusammenhang zwischen dem Krampus und dem Joulu Pukki ( und zwar dem "echten" Pukki, nicht der romantisierten St Nikolaus Figur mit Rauschebart)...

Das könnte die nette Dame aus Turku wohl leider nur in Österreich recherchieren....

Also wenn ich mich ...

... entscheiden könnte - dann wär mir Bulgakov's Figur am liebsten. ;-)

Warum Wittenberg?

Der Doktor Martin Luther, lehrte zu Wittenberg zwar keinesfalls die schwarzen Künste, aber nach eigenem Zeugnis hatte er einen Stalker, der kein Geringerer als der Teufel war. Der streitbare Reformator, dem nie zu Sinn kam, dass das wohl mit seinen ketzerischen Thesen zu tun hatte, setzte sich mit allen Mitteln gegen ihn zur Wehr (dies hatte ihm wegen schwer entfernbarer Tintenflecken im Gemach einer Burg einst sogar den Unmut des Landgrafen eingebrockt). Vermochte der Teufel daher auch diesem frommen und standhaften Mann nichts anzuhaben - manchen Scholaren wird er zu Wittenberg, wo er schon mal vor Ort war, erfolgreich umgarnt und zu seinem Adepten gemacht haben.

Wenn man sich Gottes Todesstatistik anschaut,

sollte man sich doch noch einmal überlegen, ob man sich nicht lieber in die Hände des Teufels begeben sollte...

http://brights-rhein-main.de/handout/G... istik.html

Also wenn man schon...

einen Text - in vollem Wortlaut! - von der Website der Universität Jena entnimmt, auf der eine neue Gastprofessorin vorgestellt wird, sollte man zumindest die Quelle angeben:

http://www.uni-jena.de/Mitteilun... Knuts.html

Zwar merkt man dem Artikel seine Provenienz sofort an, aber trotzdem: das muss ja net sein, oder?

PS: Ich würde mich über eine Antwort der Redaktion freuen.

Teufel.
Verstehe nur ich nicht, was der Artikel jetzt aussagen soll?

Man erfährt, dass der Teufel in Finnland zwar den lustigen Namen "Perkele" hat, dort aber dennoch nicht als komische Figur gilt.

Aha!
Danke.
Wie außerordentlich interessant.

Lakritzschnaps aus der Hölle

Wer jemals die Auswirkungen von zwei Gläsern Salmiakki am eigenen Leib erfahren hat, wird an den Teufel glauben.

Trinkt man den um den Surströmming zu verdauen?

Lieber Minttu, der ist himmlisch!

Salmiakki?
Das heißt wirklich so?
:))

JA !

da sind Zuckerln die tatsächlich nach Salmiak schmecken und in Vodka aufgelöst werden : http://en.wikipedia.org/wiki/Salm... oskenkorva - das Zeug sieht aus wie gespülter Aschenbecher & schmeckt unbeschreiblich grauenhaft - fast so grauanhaft wie das Kopfweh das man garantiert nach mehr als 1 Glas hat -. Ein Teufelsgebräu fürwhar ! BRRRRRRRRR

Geh bitte...

So ist auch wieder nicht.

Wenn Sie schon bei Salmiakki Vodka Probleme haben, wie geht es Ihnen dann bei Terva Sinappi...

Immer noch besser als Meister Proper/Master Clean/Magister Purus, wie ich vermute no stranger to salmiac, zum großen Rachenputz zu verwenden.

naja Ramses hat sein Volk, sowie ich mein Volk seit 3400 Jahren habe. Aber damals mochten sich diese beiden Völker irgendwie nicht...naja ich bin eben der Messias dieser kleinen....was soll man da machen...?

Aber zurück zu den Menschen...

Wie soll man den Geruch des Todes beschreiben...? Irgendwie riecht er nach Urin, meint ihr nicht auch?

Ich denke wir kennen alle unseren eigenen Geruch oder? Was soll man da noch erklären...

sie waren schon jemals neben einem Toten? Das kann ich nicht glauben!

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