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War ein öffentliches Idol: Jimmy Savile (re.) neben seiner Wachsfigur bei Madame Tussauds.
vergrößern 800x551Nun gerät die BBC unter Druck. Im Bild Generaldirektor George Entwistle.

"Great Lies of Our Time": Vor dem BBC-Gebäude in London.
Großbritanniens Öffentlichkeit steht Kopf. Der langjährige BBC-Starmoderator und Publikumsliebling Jimmy Savile hat sich offenbar als "Sexmonster" entpuppt, seine öffentliche Reputation als "Wohltätigkeitsmensch" schamlos ausgenutzt und sich an Frauen und Kindern vergangen. Die Polizei spricht von 200 möglichen Opfern. Mehr als eine schlimme Sache: ekelhaft. Schlimm ist jedoch auch, dass die BBC das zu vertuschen versucht hatte.
Die BBC zieht den Kopf ein. Savile selbst "kratzt" sein ramponiertes Ansehen nicht mehr. Im Oktober vergangenen Jahres ist er hoch dekoriert im Alter von 84 Jahren gestorben. Savile war ein ehemaliger DJ, der sich dank seiner BBC-Popularität zum Berater des Kronprinzen heraufgearbeitet hatte, zum Ritter geschlagen wurde, ein öffentliches Idol wurde. Bei seinem Tod trauerten tausende treue Fans.
Savile, ein Ritter, dem nun posthum auch ganz offiziell diese Ehre aberkannt werden soll. Sei's drum. Der Ehrverlust der BBC als öffentlich-rechtlicher Sender wiegt ungleich schwerer. Abgründe tun sich auf, selbst wenn ein Chefredakteur nun anstandshalber den Hut genommen hat. Einer musste das ja tun, um im Sinne des Senders Fehlverhalten personalisieren und damit hoffentlich schubladisieren zu können.
Peter Rippon, Chefredakteur der BBC-Nachrichtensendung "Newsnight", hatte, so heißt es, aufgrund sogenannter journalistischer Zweifel Ende vergangenen Jahres die Ausstrahlung einer von der eigenen Redaktion produzierten Dokumentation zum Thema Missbrauch abgelehnt. Die Recherchen in Sachen Savile dürften dem weihnachtlichen Celebrity-Kult nicht entsprochen haben.
Manche vermuteten schon damals einen Zusammenhang mit dem prominent angekündigten BBC-Special "in memoriam Jimmy Savile". Die Trauer um Savile wurde groß aufgeblasen, das Publikum zog mit. Kaufmännisch war das zweifellos eine Erfolgsstory, die nicht durch Wahrheiten gemindert werden sollte.
Saviles Neigung zu sexuellen Abwegigkeiten war inoffiziell längst ein offenes Geheimnis. Dennoch: "Schwamm drüber", entschied die BBC. Ob dies eine einsame Entscheidung des am Montag zurückgetretenen Chefredakteurs oder die höherer Instanzen war, sei dahingestellt. Die ganze Sache musste irgendwie abgebogen werden.
Auf den Waagschalen standen Ethik versus ökonomische Interessen. In welche Tiefen ein öffentlich-rechtlicher Sender abrutschen kann, wenn er quotengeil weniger inhaltlich integeren, sondern rein kaufmännischen Strategien folgt, hat die BBC im Fall Savile bestens bewiesen. Insofern ist sie in diesem Fall leider auch im negativen Sinn ein Gradmesser.
Die in- und externen Ohrfeigen, die sich die BBC, angepasst an kommerziell bedingte Scheinheiligkeit, selbst versetzt hat, sind für das öffentlich-rechtliche Interesse unvergleichlich schmerzlich und folgenschwer. Die BBC-Führung wollte nicht sehen, was längst evident war, aber nicht sein durfte. Vertuschung der Schwächen eines Quotenbringers hatte höhere Priorität als Wahrheitsfindung. Im Rahmen von Religionsgemeinschaften ist so etwas mehr als bedenklich, in einem öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen unverzeihlich.
Geradezu rührend wirkt im Zusammenhang mit dem BBC-Skandal der Handschwinger eines bekanntermaßen unangepassten Rappers, der kürzlich einen geschniegelten ORF-Gesellschaftsreporter vor laufender Kamera zu Boden brachte. Das war eine publikumswirksame Aktion, insofern vielleicht sogar vorauszuahnen. Klar ist, dass daraufhin ein Auftrittsverbot verhängt wurde. Was jedoch hinter Studiokulissen geschehen kann, ist bei weitem brutaler.
Im Fall der BBC sprechen Kommentatoren von deren größten Krise seit 50 Jahren. Ein privater Konkurrenzsender hatte den Stein ins Rollen gebracht. Vorbei sind die Zeiten öffentlich-rechtlicher Intransparenz. Vorbei auch die Zeiten alleiniger Dominanz im Bereich der elektronischen Medien. Wertvolle Mitarbeiter können, wenn ihre Leistung missachtet wird, inzwischen auch branchenintern abwandern. (Rubina Möhring, derStandard.at, 23.10.2012)
Links
guardian.co.uk: BBC chief: Newsnight's Jimmy Savile investigation should have gone further
guardian.co.uk: Jimmy Savile row: highlights of BBC Panorama programme on Newsnight emails (Video)
bbc.co.uk: Jimmy Savile Scandal
ftd.de: BBC sinkt tiefer in Missbrauchsskandal
spiegel.de: BBC in akuter Erklärungsnot
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Diese Polizeiaktion war leider kein geschmackloser faschingstrunkener Helau-Scherz
Regt zum Nachdenken an: Da hat einer das ganze Leben lang seine Position ausgenuetzt um Boeses zu tun, niemand hat's ihm vorgeworfen, und er starb in Frieden und im Wissen, dass ihm alle seine Suenden durchgegangen sind. Schon traurig - nicht alle Schurken werden erwischt.
genauso unverzeihlich! wer selbst moralische massstäbe setzt, muss es selbst umso genauer nehmen.
es gibt kein zweierlei mass - kindermissbrauch und seine versuchte vertuschung und ist niemals nur "bedenklich".
Die BBC handelt gerade vorbildlich in der Aufarbeitung dieses Falls. Das Panorama Programm am Montag(?) Abend war sehr gut recherchiert und hat sich kein Blatt vor dem Mund genommen. Die BBC News und Morning Shows berichten ausfuehrlichst und tabufrei.
Klar is es furchtbar was passiert ist aber ich seh im momentanen Verhalten absolut nichts wofuer sie (es?) sich schaemen sollte.
um nicht zu sagen Wahrscheinlichkeit, dass führende Mitarbeiter von den "Gerüchten" schon früher gehört haben (müssen) aber weiterhin auf ihr goldenes Zugpferd gesetzt haben, ist alles andere als vorbildlich.
Egal ob öffentlich-rechtlicher oder privater Sender.
Sie verstehen mich da falsch:
Was bei der BBC passiert ist ist absolut furchtbar und natuerlich das Gegenteil von vorbildlich.
Vorbildlich finde ich das Niveau der Aufarbeitung das die BBC jetzt zeigt. Die Panorama-Doku ueber Seville ist wirklich schwer zum aushalten so kotzuebel wird einem dabei.
Das stimmt dann doch wieder nicht. ER war einer der Moderatoren von Top of the Pops. John Peel z.b. war sicher nicht weniger beliebt.
Im Prinzip der englische Udo Huber.
Er hat allerdings große Summen vor allem für Krankenhäuser und Behindertenvereinigungen gesammelt. Offenbar hat er auch diese Stellung ausgenützt um seine kriminellen sex. Aktivitäten durchzuführen.
Aber es wird jetzt von vielen Medien die der altehrwürdigen BBC feindlich gesonnen sind seine Position als Star sehr aufgebauscht um damit auch den Skandal aufbauschen zu können.
dass das Ausnützen der Macht der Medien nicht nur im Bereich der öffentlich-rechtlichen Sender denkbar ist (hier gibt es doch eine gewisse "Kontrolle" durch die Öffentlichkeit), sondern durchaus auch (und noch mit schwereren Folgen) im Bereich der privaten Medien. Hätte sich ein Berlusconi ohne seine Medienmacht so lange an der politischen Spitze halten können - und: ist Berlusconi mit seinen Bunga-... sooo viel anders? - ?
Ich finde den Artikel recht gut, weil er weg vom konkreten Fall auch auf die (frühere ?) Allmacht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eingeht.
Vor ca. 2 Wochen hab ich irgendwo einen längeren Bericht über Jimmie mitbekommen.
Dort wurde ein ehemaliger BBC Kollege befragt: Er hätte Jimmie mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass das, was er mit den heranwachsenden Mädchen nach seinen Shows macht, nicht ginge.
Jimmie hätte ihm geantwortet: Dass er (Jimmie) viel zu wichtig und zu wertvoll für die BBC wäre, dass sie ihm wegen der dieser Geschichten ein Problem machen würden. Und wenn der Kollege seinen Job behalten wolle, sollte er sich heraushalten.
Leider scheint es so zu sein, daß solche Leute oft vom Staat gedeckt werden.
auch in den Waisenhäusern und Wohltätigkeitsorganisationen wusste man durchaus über seine Neigungen und Taten. Aber er brachte Millionen, also war man lieber still. Gibt Gerüchte, dass man ihn alleine mit gerade verstorbenen Kindern ließ um von ihnen "Abschied zu nehmen". Ekelhaft.
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