ORF rüstet sich mit Strategiekonzept für 2020

Haushaltsabgabe, trimediales Arbeiten, Smart-TV, Verbreiterung der Geschäftsmodelle, bandlose Produktion im TV

Wien (APA) - Der ORF befindet sich derzeit am Beginn seines Strategieprozesses, der ihn bis ins Jahr 2020 zukunftsfest machen soll. Im zweiten Quartal 2013 soll das Gesamtstrategiedokument stehen und vom Stiftungsrat verabschiedet werden, so der Plan von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Kernelemente der Zukunftsstrategie sind neben der Einführung der Haushaltsabgabe neue Produktionsmethoden - etwa im trimedialen Newsroom, eine Weiterentwicklung des Plattformmanagements und die Anpassung der Organisation an die Produktions- und Vertriebswege. Geändert werden müssten aus Sicht des ORF aber freilich auch rechtliche Rahmenbedingungen.

Am vergangenen Freitag präsentierte die ORF-Geschäftsführung ihre Überlegungen zu den Zukunftsherausforderungen des ORF dem Stiftungsrat im Rahmen einer Klausur. Am Montag wurden die rund 200 Führungskräfte des Unternehmens über die der APA vorliegenden Pläne informiert. Im nächsten Schritt sollen nun konkrete Programmstrategien für TV, Radio, Online und die Landesstudios festgelegt werden.

Smart-TV

ORF-Generaldirektor Wrabetz sieht die größte Herausforderung für den ORF in den "disruptiven Technologien", die die Grenzen zwischen den Plattformen aufheben. "Der Fernseher wird durch das Internet zum Smart-TV", so Wrabetz. Vor diesem Hintergrund müssten sowohl die rechtlichen Grundlagen für den ORF an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden, als auch ein neues Finanzierungsmodell - der geräteunabhängige, an den Haushalt anknüpfende ORF-Beitrag - etabliert werden, ist der Generaldirektor überzeugt.

Um für das Zeitalter des "Smart-TV" gerüstet zu sein, gelte es drei Punkte zu berücksichtigen, so Wrabetz. Erstens müssen die ORF-Programme auffindbar bleiben, weshalb man an einer entsprechende Metadatenarchitektur arbeite. Zweitens müsse man einen Multimedia-Programm-Guide entwickeln und drittens eine Antwort auf die Frage des Social-TV finden. "Künftig wird man auf dem Fernsehgerät oder dem Secondscreen über Inhalte mit der Community kommunizieren. Vor dem Hintergrund des sogenannten Facebook-Verbotes ist sicherzustellen, dass der ORF an diesen zukünftigen Entwicklungen auch teilhaben kann", so der Generaldirektor.

Der Kaufmännische Direktor des ORF, Richard Grasl, plant eine bessere Nutzung der ORF-Marken durch eine Verbreiterung der Geschäftsmodelle. "Dabei müssen uns alle modernen Technologien und Plattformen zur Verfügung stehen", auch Werbeeinnahmen via TV-thek müssten möglich sein. Weiters will er künftig Second Screen-Angebote bereitstellen. So soll es etwa bei der kommenden Ski-WM in Schladming Hintergrundinformationen zu den Rennen für mobile Endgeräte geben. Überlegungen gibt es auch dahin gehend, das ORF-Archiv über eine neue Video-on-Demand-Plattform anzubieten.

Trimediales Arbeiten

TV-Direktorin Kathrin Zechner und Radiodirektor Karl Amon konzentrieren sich in ihren Zukunftsüberlegungen vor allem auf das trimediale Arbeiten im multimedialen Newsroom, mit der etwa die Stärken der News-Produktion von 350 Redakteuren an 29 Standorten gebündelt werden sollen. Erstes Pilot-Projekt zum multimedialen Arbeiten soll der Relaunch der "ZiB 20", die "ZiB 20 plus", sein. "Der multimediale Newsroom verbessert unser Programm, weil wir breiter recherchieren können, mit einer effizienteren Produktion im Hintergrund, in neuen Workflows und mit flexibleren Teams", umreißt Zechner die Vorzüge. Allerdings soll mit dem trimedialen Newsroom keine zentralistischen Entscheidungsstrukturen eingeführt werden und in der Produktion soll auch weiter die Vielfalt der untschiedlichen Programme in Fernsehen, Radio und Online berücksichtigt werden.

In der Technik liegt die Zukunft im Umstieg auf die bandlose Produktion, die im Radio und in den Landesstudios bereits Alltag ist und im Fernsehen während der EURO oder den Olympischen Spielen in London erprobt wurde. Vorteil von dieser Art der Produktion sei es, dass fertige Beiträge und Sendungen medienübergreifend übernommen werden können, etwa für die TVthek, ORF.at, Smart TV und andere. "Am Ende steht ein Content Management System für Fernsehen, Radio und Online. Durch neue Produktionsprozesse, neue Berufsbilder und neue Arbeitsabläufe wird Trimedialität Realität", so der Technische Direktor des ORF, Michael Götzhaber. (APA, 23.10.2012)

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