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Die in guten Zeiten angesammelten Reserven sorgten dafür, dass VW - trotz mehrerer Zukäufe - auch in der Krise die Konkurrenz so in Schach haltenkann.
Der Autobauer kann die Konjunkturschwankungen besser wegstecken - Zugleich hohe Investitionen - Analysten: Deutlich weniger Betriebsgewinn in Q3, Vorsteuergewinn durch Porsche-Übernahme
aufgebläht =
Wolfsburg/Hamburg - Als größter Autobauer in Europa bleibt Volkswagen zwar nicht von der Schuldenmisere auf seinem Heimatkontinent verschont und bekommt die Kaufzurückhaltung in Südeuropa zu spüren. Allerdings kann der Zwölf-Marken-Konzern die konjunkturellen Nackenschläge dank gut laufender Märkte außerhalb Europas besser wegstecken als die anderen Massenhersteller, denen die Luft auszugehen droht.
Ausgestattet mit enormer Finanzkraft kann das Wolfsburger Autoimperium massiv in neue Modelle wie den Golf in siebter Generation investieren. Zugleich knüpft VW sein Netz an Fabriken weltweit immer enger und revolutioniert - ganz nebenbei - noch das komplette Produktionssystem. Spurlos gehen solche Herkulesaufgaben auch an Europas Marktführer nicht vorbei: Am Mittwoch wird der Vorstand voraussichtlich einen deutlichen Rückgang des operativen Gewinns im Herbstquartal bekannt geben.
Analysten schätzen, dass das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im Ende September abgelaufenen Vierteljahr um ein Fünftel auf 2,35 Mrd. Euro eingebrochen ist, weil die Kosten der Neuanläufe und des neuen Baukastensystems zu Buche schlagen. Damit läge VW nur geringfügig hinter der eigenen Planung. Um wie im vergangenen Jahr 11,3 Mrd. Euro Betriebsgewinn zu erwirtschaften, müsste VW in der zweiten Jahreshälfte 4,8 Mrd. operativen Gewinn erzielen, pro Quartal im Schnitt also 2,4 Mrd. Euro. 6,5 Mrd. Euro hatte der Konzern bereits im ersten Halbjahr eingefahren.
Die Wolfsburger profitieren davon, dass ihre Fahrzeuge vor allem in Nordamerika, Osteuropa, Asien und Deutschland gefragt sind. In China, dem größten Markt des Wolfsburger Konzerns, ebbte der Pkw-Boom zuletzt zwar ab, VW wächst aber auch dort weiter. Damit kann Volkswagen den Rückgang in Europa abfedern, wogegen seine direkten Konkurrenten von Fiat und Ford über Peugeot bis Opel vom Abschwung voll erfasst sind.
VW werde zwar an der einen oder anderen Stelle "etwas nachjustieren, um die Kosten zu senken", prognostiziert Albrecht Denninghoff von Silvia Quandt Research. Einschnitte oder gar Prognosekorrekturen wie beim Rivalen Daimler seien aber nicht zu erwarten. Wegen der finanziellen Stärke könne der Wolfsburger Konzern "sehr entspannt in den Abschwung gehen", ist Denninghoff überzeugt. Vom neuen Golf erhofft sich Volkswagen, dass der wieder ein Bestseller wird und die Absatzkrise auf dem Heimatmarkt vergessen macht. Es ist das wichtigste Modell des Autobauers und ein starker Motor für dessen Absatz, deshalb muss bis zum Verkaufsstart am 10. November alles rund laufen. Seit 1974 der erste Golf auf den Markt kam, wurden mehr als 29 Mio. Stück davon gebaut.
Die in guten Zeiten angesammelten Reserven sorgten dafür, dass VW - trotz mehrerer Zukäufe und Anteilserhöhungen wie beim Lkw-Bauer MAN - auch in der Krise in seine Zukunft investieren und die Konkurrenz so in Schach halten könne, hebt Frank Schwope von der NordLB hervor. "Während Fiat seine Investitionen zusammenstreichen muss, kann VW aus dem Vollen schöpfen."
Während viele Konkurrenten rote Zahlen schreiben und Werke dichtmachen müssen, bleibt VW auf dem Gaspedal. Vorstandschef Martin Winterkorn hatte zuletzt auf dem Autosalon in Paris Ende September bekräftigt, der Konzern halte trotz "Gegenwinds und aller nötigen Anstrengungen" an seinen ehrgeizigen Vorgaben fest. Demnach soll das Wolfsburger Imperium, zu dem VW, Skoda und Seat, der Oberklasseautobauer Audi, die Sportwagenmarken Porsche, Lamborghini, Bentley und Bugatti sowie die Lkw-Konzerne Scania, MAN, die VW-eigene Transportersparte und der Motorradhersteller Ducati gehören, Absatz und Umsatz im laufenden Jahr steigern.
Gleichzeitig wird die VW-Bilanz durch die Komplettübernahme der Porsche AG vergoldet. Die Neubewertung der Firmenanteile an der Stuttgarter Sportwagenschmiede im Zuge der Vollkonsolidierung sorgt für einen Sondereffekt im Finanzergebnis von rund elf Mrd. Euro. Dadurch wird der Vorsteuergewinn aufgebläht. Im Schnitt rechnen Analysten mit einem Anstieg des Vorsteuerergebnisses um mehr als die Hälfte auf 12,7 Mrd. Euro, da sich die Wolfsburger Porsche Anfang August vollständig einverleibt haben.
Das Liquiditätspolster der VW-Autosparte schrumpft durch die Übernahme der zweiten Porsche-Hälfte um insgesamt sieben Mrd. Euro, da Volkswagen neben dem Kaufpreis von knapp 4,5 Mrd. Euro auch Schulden von 2,5 Mrd. übernimmt. VW kann das locker verkraften: Zur Jahresmitte lagen die Barreserven bei fast 15 Mrd. Euro. (APA/Reuters, 23.10.2012)
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