Wiens Hauptbahnhof muss am Südtiroler Platz liegen

  • Erst "Südtiroler Platz", dann "Hauptbahnhof", schließlich "Südtiroler Platz-Hauptbahnhof": Der öffentliche Verkehrsknotenpunkt am Wiener Gürtel war Auslöser eines skurillen Namensstreits.
    foto: apa/georg hochmuth

    Erst "Südtiroler Platz", dann "Hauptbahnhof", schließlich "Südtiroler Platz-Hauptbahnhof": Der öffentliche Verkehrsknotenpunkt am Wiener Gürtel war Auslöser eines skurillen Namensstreits.

  • Im Archiv der Wiener Linien findet sich folgender Text, der angeblich aus dem Dezember 2010 stammt.
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    screenshot: wiener linien

    Im Archiv der Wiener Linien findet sich folgender Text, der angeblich aus dem Dezember 2010 stammt.

  • Der kleine Unterschied zur Seite der Stadt Wien zeigt sich in der Markierung - dort steht noch der Originaltext.
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    screenshot: stadt wien

    Der kleine Unterschied zur Seite der Stadt Wien zeigt sich in der Markierung - dort steht noch der Originaltext.

  • Auch die ÖBB hatten bislang keine Veranlassung, den Text zu ändern. Nur, warum ist er bei den Wiener Linien jetzt anders?
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    screenshot: öbb

    Auch die ÖBB hatten bislang keine Veranlassung, den Text zu ändern. Nur, warum ist er bei den Wiener Linien jetzt anders?

Skurriler Namensstreit: Die U-Bahn-Station "Südtiroler Platz" sollte in "Hauptbahnhof" umbenannt werden - bis Südtiroler Politiker erfolgreich intervenierten

Wien - Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1978 halten die Züge der Wiener U-Bahn-Linie U1 an der Station "Südtiroler Platz". Mit der Teilinbetriebnahme des benachbarten Hauptbahnhofs im kommenden Dezember sollte auch die U-Bahn-Station den neuen und naheliegenden Namen "Hauptbahnhof Wien" erhalten.

Südtiroler Politikern soll es nicht recht gewesen sein, dass damit der Hinweis auf die norditalienische Provinz aus dem Wiener U-Bahn-Plan verschwindet. Laut vertraulichen Quellen intervenierten sie bei der Gemeinde Wien und setzten nach intensiven Verhandlungen den Doppelnamen "Südtiroler Platz-Hauptbahnhof" durch.

Zweimonatiger Interessenausgleich

Über zwei Monate soll sich der skurrile Namensstreit zwischen der Stadt, den Wiener Linien und den Südtiroler Interessenvertretern erstreckt haben. Dabei seien auch die umgekehrte Bezeichnung "Hauptbahnhof-Südtiroler Platz" und die Beibehaltung des bisherigen Stationsnamens überlegt worden.

Ferdinand Pay, der Sprecher der zuständigen Stadträtin Renate Brauner (SPÖ), bestätigt gegenüber derStandard.at, dass die Entscheidung für die schlichte Bezeichnung "Hauptbahnhof Wien" erst kürzlich verworfen wurde. "Natürlich sind Namen immer emotional beladen", so Pay, allerdings könne er über die Hintergründe der Änderung keine Auskunft geben.

Kontinuität für langjährige Fahrgäste

Von einer politischen Einflussnahme sei auch ihm nichts bekannt, sagt Dominik Gries, Unternehmenssprecher der Wiener Linien. Der Doppelname habe nach seinem Wissen rein pragmatische Gründe: "Die neuen Passagiere können sich den 'Hauptbahnhof' merken, während es für die längjährigen Fahrgäste der althergebrachte 'Südtiroler Platz' bleibt."

Warum diese Logik nicht schon galt, als die ursprüngliche Neubenennung von "Südtiroler Platz" auf "Hauptbahnhof Wien" beschlossen wurde, konnte Gries nicht beantworten.

Pressemeldung nachträglich umgeschrieben

Eine mit 17. Dezember 2010 datierte Presseaussendung im Online-Archiv der Wiener Linien gibt indessen vor, der Name "Südtiroler Platz-Hauptbahnhof" sei schon damals fixiert worden. Der Text musste nachträglich geändert worden sein, denn die Stadt Wien und die ÖBB haben auf ihren Webseiten noch jeweils die originale Version derselben Presseaussendung online - mit der Passage "Linie U1/Station Südtiroler Platz - künftig Station Hauptbahnhof". (Michael Matzenberger, derStandard.at, 24.10.2012)

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