Polizei räumt nach tödlichem Einsatz in Mine Fehler ein

22. Oktober 2012, 21:36
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Polizeianwalt: Situation außer Kontrolle geraten, Vorgehen der Sicherheitskräft möglicherweise "unverhältnismäßig"

Rustenburg - Bei einer Anhörung in Südafrika zu dem tödlichen Polizeieinsatz während des illegalen Streiks in der Platinmine von Marikana hat die Polizei ihr "tiefes Bedauern" geäußert. Die Situation sei "außer Kontrolle geraten" und das Vorgehen der Polizei sei womöglich "unverhältnismäßig" gewesen, räumte der Anwalt Ishmael Semenya am Montag ein. Allerdings hätten die Polizisten "keine mörderische Absicht" gehabt.

Der Polizeianwalt Semenya sagte vor der Ermittlungskommission zu dem Einsatz in Rustenburg, Polizisten hätten ohne entsprechende Anweisung das Feuer auf die rund 3000 streikenden Arbeiter am Rand der Mine eröffnet. Anschließend hätten sie Flüchtende verfolgt und getötet. Zugleich verwies er darauf, dass sie Polizei sich zuvor um "eine friedliche Auflösung" der mit Macheten und Knüppeln bewaffnete Menge bemüht und schließlich in Selbstverteidigung gehandelt habe.

Bei dem Polizeieinsatz am Rande der Platinmine bei Rustenburg waren am 16. August 34 Arbeiter erschossen worden. Mindestens 16 der Tötungen waren live im Fernsehen zu sehen gewesen und riefen in Südafrika Erinnerungen an die Apartheid wach. Bei Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern waren zuvor bereits zehn Menschen gestorben, darunter zwei Polizisten. Präsident Jacob Zuma ordnete nach dem Polizeieinsatz eine Untersuchung der Gewalttaten an.

Viele Angehörige der Getöteten verfolgten am Montag in den ersten Reihen die Sitzung der Untersuchungskommission. Einige von ihnen weinten, während die Beweise präsentiert wurden. Die Untersuchungskommission hatte den zunächst für den 1. Oktober geplanten Beginn der Anhörung nach hinten verschoben, weil Angehörige sonst nicht rechtzeitig in die Stadt gekommen wären. Nun reisten viele mit Bussen aus entlegenen Gegenden Südafrikas nach Rustenburg.

In den Minen Südafrikas gibt es seit Wochen Streiks, an denen sich schätzungsweise 100.000 Arbeiter beteiligen. Sie fordern unter anderem Lohnerhöhungen. Mehrere Gold- und Platinminen entließen als Reaktion darauf tausende Beschäftigte. (APA, 22.10.2012)

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