Dromromschwätza

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foto: orf/ard/stephanie schweigert

Der deutsche Schauspieler Richy Müller gibt als Thorsten Lannert den derzeit sehr wahrscheinlich melancholischsten Ermittler in der Riege der "Tatort"-Kommissare. Das hat wohl auch damit zu tun, dass er als offensichtlich nicht im Schwäbischen verankerter Ermittler doch recht oft mit dem gemütlich brabbelnden, nur scheinbar gemütlichen landesüblichen Idiom zu tun hat - und ihn das etwas unrund macht. Wer es kennt: In Stuttgart leben zu müssen, bedeutet nicht unbedingt, das Gelbe vom Ei zu schnabulieren. Ha noi!

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Wenn man das Melancholische positiv gesinnt als Abgeklärtheit deuten will, dann hatte Müller/Lannert dieses Mal aufgrund eines Drehbuchs, das entschieden bemüht um "Ökopiraten" und die Umwelt zerstörende Profitgier der Wirtschaft kreiste, auch jede Menge Trauerarbeit zu leisten.

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Die für den Fall zuständige Staatsanwältin war akut liebestoll. Sie kam zwischen Sex in der Mittagspause, Karaokeabend, Unvereinbarkeitsklausel und Liebe zum Tatverdächtigen ordentlich ins "Dromromschwätza".

Weiters erlebte man eine schwäbische Millionenerbin auf ihrer gefährlichen Gratwanderung zwischen Kampfsport, Wahrsagen und Weltfrieden. Es ging noch ein wenig um Krebs (eh dann heilbar!) und Angehörigenproblematik. Der Kommissar brachte seine Nachbarin, in die er seit Jahren heimlich verliebt ist, pflichtschuldig zwecks Auswanderung nach Brasilien zum Flughafen. Schade.

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Und dass die Universitäten von jeher auch eine Brutstätte des Terrors und des politischen Extremismus sind, wurde uns in einem gar nicht so weit von Stammheim gelegenen Studentenheim auch wieder einmal bewusst gemacht. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 23.10.2012)

 

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