Tyler Hamilton: "The Secret Race"

Gianluca Wallisch
22. Oktober 2012, 19:58
  • Tyler Hamilton (gem. mit Daniel Coyle): "The Secret Race", 304 Seiten (Gebundene Ausgabe) Bantam, 2012

    Tyler Hamilton (gem. mit Daniel Coyle): "The Secret Race", 304 Seiten (Gebundene Ausgabe) Bantam, 2012

Lance Armstrongs langjähriger Teamkollege klagt an - sich selbst und seinen ehemaligen Chef

Jeder will es schon immer gewusst haben, jetzt ist es amtlich: Lance Armstrong hat gedopt und ist nicht mehr siebenfacher Sieger der Tour de France. Der Mann, der den Krebs besiegte und für Millionen zum Helden wurde, steht vor den Trümmern seiner Karriere.

Maßgeblichen Anteil daran, dass die omertà, das quasi-mafiose Schweigegelübde, gebrochen wurde, hat Tyler Hamilton: vermeintlich sauberer Olympiasieger von Athen 2004. Der Sportjournalist Daniel Coyle half Armstrongs langjährigem Domestiken, sich eine Last von der Seele zu schreiben. Und diese muss immens gewesen sein.

Hamilton schreibt von seinem mühsamen Weg an die internationale Spitze und gibt unumwunden zu, fast von Anfang an systematisch gedopt zu haben - offenherzig wie jemand, der sich entschließt, sein patschertes Leben vor den Anonymen Alkoholikern auszubreiten.

Zwar betont Hamilton immer wieder, vor allem sich selbst anklagen zu wollen, um Vergebung finden zu können - das ist ja ein schöner Zug. Doch dann rechtfertigt er sich: Gedopt habe ohnehin jeder. So verharmlost er die betrügerische Energie vieler Profisportler - egal um welche Disziplin es geht.

Noch mehr als Hamiltons Geständnis geht aber die Schilderung der Person Lance Armstrong unter die Haut: Der Held, der auch viele Laien für den Radsport begeisterte und so für den Sportkonzern Nike zum idealen Werbeträger wurde, wird als herzloser Despot geschildert, der - wenn es nötig für die Karriere war - auch Freunde verriet, sie fallen ließ und sogar bedrohte, sollten sie jemals auspacken. Schlussendlich packten sie aber aus; Hamilton und 25 weitere Ex-Rennfahrer.

2004 stand Hamilton für kurze Zeit am Olymp. Seinen umso tieferen Fall schildert er in "The Secret Race" mit bemerkenswerter Ehrlichkeit, die ihm wehgetan haben muss - so wie damals, 2002, als er mit gebrochener Schulter den Giro d'Italia nicht nur beendete, sondern sogar Zweiter wurde. Schmerzhaft, Doping hin oder her. (Gianluca Wallisch - DER STANDARD, 23.10.2012)

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13 Postings
Daniel Coyle

Der schrieb ja schon das empfehlenswerte Buch "Armstrongs Kreuzzug- ein Jahr auf dem Planeten Lance". Man sollte es gelesen haben ehe man irgendein Posting - pro oder kontra - Armstrong/Radsport tätigt.
Oder zu den jetzt aussagenden ehemaligen Teammitgliedern.

ich verstehe ihn.

ich treibs ja auch mit meiner frau, denn die voegelt ja sowieso jeder.

Buch

Nachdem Lance Armstrong nun auch wieder Geld brauchen wird, wird er wohl wieder ein Buch schreiben: "The Rise And Fall Of Lance Armstrong And The Riders From US".

"....rechtfertigt er sich: Gedopt habe ohnehin jeder. So verharmlost er...."

das ist einfach die Tatsache.

Das ist seit ewig so - net nur im Radsport.

Es gibt keinen Radprofi, der nicht dopt.

Gewinnspiel?

Schade, dass es kein Gewinnspiel zum Buch gibt.
Ach, gibt ja keine Gewinner mehr beim Radsport...

was mich an der Armstrong-Sache immer noch stört

Hamilton: Doch dann rechtfertigt er sich: Gedopt habe ohnehin jeder.

Wann wird denn "jeder" von einer Doping-Agentur verfolgt und auch deren Ergebnisse alle gestrichen?

ganz genau!

darum darf die toursiege von amstrong auch niemand erben, alles andere wäre eine farce.

hab gestern kurz darüber nachgedacht, nachdem die Tour

de France nun auch Geld von Armstrong zurückfordert. Und zwar das ja eigentlich auch alle anderen jemals überführten (und das sind genug) auch für ihre 2-3 Plätze (Punktetrikot, etc.) zurückzahlen müßten.

PS: sehr witzig die Erwähnung des Amstel Gold Race, wo die ersten 5 von damals des Dopings überführt wurden.

Es wäre gut, wenn auch Armstrong auspacken würde.

dem fehlen die eier..

das eine

scheint doch nicht zu reichen.

ist nicht lustig, aber eigentlich schon.

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