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Die neuere Geschichte des türkischen Straßenhunds im allgemeinen und seiner Aufzucht und Pflege in der Tierstadt Istanbul im besonderen erfährt dieser Tage eine bedeutende Fortschreibung. Anlass ist ein Gesetz, das sich das Wasser- und Forstministerium in Ankara ausgedacht hat und mit dem sich bald die Abgeordneten in der Großen Türkischen Nationalversammlung beschäftigen dürfen. Absicht und Inhalt des Gesetzeswerks sind gleichwohl nicht leicht zu ergründen. So geht Einiges durcheinander und trägt zur Aufwallung der Tierfreunde bei, die nun immer wieder auf die Straßen gehen und gegen Wald-und Wasserminister Veysel Eroglu demonstrieren.
Die Regierung, so hat es den Anschein, möchte ihre Liebe zum Tier mit dem Wunsch nach fortgesetzter Behübschung der Großstädte in Einklang bringen. Mit vazierenden Hunden, aber auch Katzen soll deshalb Schluss sein. Alle werden eingefangen, adoptiert, einer ordentlichen Familie oder Hausgemeinschaft zugeführt und bis zur solchermaßen erzielten Eingliederung in die Gesellschaft in "Naturparks" gebracht. Das ist wohl der Punkt im Gesetzentwurf, der sich am schwersten ausmalen lässt: Kläffer-Parks am Stadtrand? Köfte grillen im Grünen mit 50 Hunden? Spaziergänger, die von Hunderudeln gejagt werden?
Der Verdacht liegt natürlich nahe, dass das Social Engineering der türkischen Stadttierpopulation nach dem Einfangen abrupt endet und Hund und Katz statt zur Adoption stracks vom Leben zum Tode befördert werden. Vergangenes Jahr im September war das schon so, als offenbar Bedienstete der Stadtverwaltung 100 Straßenhunde in den Wald von Bolluca am Rand von Istanbul fuhren und dort vergifteten. Tierschützer merken nun auch an, dass Hunde, die in solchen Parkanlagen gehalten werden, wohl übereinander herfallen.
Das bisherige System funktioniere nicht, sagt aber das Ministerium, die Stadtverwaltungen seien überfordert oder desinteressiert. Bisher sind zumindest in Istanbul Straßenhunde eingefangen, kastriert und mit einem orangen Clip im Ohr wieder freigelassen worden, während Katz und Kater tun, was ihnen die Natur aufträgt. Istanbul hat gewissermaßen eine Bringschuld gegenüber seinen Hunden. 1910 ließ die Stadtregierung 80.000 Hunde einsammeln und auf die unbewohnte Marmara-Insel Sivriada bringen, auf dass sie sich dort zerfleischen und verhungern. Im Juni dieses Jahres sind Anhänger der neuen Tierfreunde-Partei Hayvan Partisi zur Insel gefahren und brachten einen Gedenkstein mit.
Die Kastration bringt den Hormonhaushalt der Straßenhunde etwas aus dem Lot, was zum Wunsch nach vermehrter Nahrungsaufnahme bei gleichzeitigem Ruhebedürfnis und also massiven Übergewicht führt. Kein Pluspunkt für die Adoption und noch eine Ungereimtheit im Gesetzentwurf: Wer will schon einen 30 Kilo schweren, eigenbrötlerischen Hund von der Straße auf seinem Wohnzimmerteppich liegen haben. Einmal ganz abgesehen davon, dass dem Hund Dauerfernsehen, sadistische Kinder und Äußerln an der Leine auch bald auf die Nerven gehen mögen und er sich nach der Freiheit der Großstadt sehnt.
Draußen jedenfalls ist der gemeine türkische Straßenhund (Canis vulgaris turciae sokakta) aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Man baut ihm Hütten aus Kartons am Gehweg (den Fußgänger ohnehin nicht zu benutzen pflegen), serviert Abendessen auf Zeitungspapier, und wenn der Muezzin morgens um halb sechs und nachts um zehn loslegt, dann lässt man ihn mitheulen. So viel Toleranz ist dann doch. (Markus Bey, derStandard.at, 22.10.2012)
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1. sinds zuviele tiere - alleine die straßenkatzen müßte man über ganz Europa verteilen, wollte man für jede einzelne Adoptiv-Herrlis und -frauchen finden wollen
2. kostet das dermaßen viel Geld - wir reden von einer Stadt, wo es noch menschliche Lastenträger gibt und Kinder (Ki-Ga und VS-Alter), die Straßenhandel treiben, damit die Familie was zu essen hat.
3. ceterum censeo: entweder wird der Plan gecancelt oder es wird eine Einschläferungs-Orgie.
ich hoffe, Ersteres.
als das erste, das ich ankommend am Istanbuler Flughafen sah, ein Katzerl mit einem eingedrückten Aug im blutverklebten G'sichertl war.
Es ist sehr lange her, und ich sehe es immer noch.
Ich weiss, dass ich da einer Vogel Straussin ähnle, aber alle diese Länder betrete ich nicht. Das Tierelend dort kann ich nicht ertragen.
Das liebe ich an Wien: Wenn hier ein Hund nur ein paar Minuten ohne MenschIn angetroffen wird, wird sich sofort von Vorbeigehenden gekümmert.
kümmern heisst eingeschläfert? ein leben frei auf istanbuls straßen, oder in wien an der leine mit nem alten herrchen auf den mann hören muss um was zu essen zu bekommen. in istanbul laufen nachts menschen rum und füttern die frei lebenden tiere. und beim revierstreit verliert man schon mal das auge. in tierheimen in europa laufen jedemenge katzen mit nur einem auge rum. will sie keiner, werden sie eingeschläfert.
als tier waehre mir das freie leben ohne jemanden der mir befehle erteilt, damit ich was zu essen bekomme, lieber. es soll ja menschen geben, die auch gerne an der kurzen leine laufen und einen führer brauchen. hab gehört das ganze völker dem wunsch hatten. nicht so mein fall.
In 1911 the governor of Istanbul ordered the stray dogs in the streets to be gathered and deposited to Sivriada, but a severe earthquake which immediately followed the event was perceived as "a punishment by God for abandoning the dogs" and they were transported back to the city. http://en.wikipedia.org/wiki/Sivriada
Zum Thema: Ohne jetzt genaueres zu wissen, aber steunende Hunde und Katzen hat es ja wohl früher in allen europäischen Städten gegeben, oder? Ich geh mal davon aus, dass dem Problem auch bei uns auf nicht zimperlicher Art und Weise Herr geworden ist, allerdings eben noch in einer Zeit bevor es ein Bewusstsein für Tierschutz gab.
Ich bin darüber zumindest insofern froh, als ich mich in Städten mit Streunern immer recht unwohl fühle, da ich eine gewisse Angst vor Hunden habe. Das heisst aber nicht, dass ich für eine Tötung der Tiere bin, sehr wohl aber dafür, eine Lösung des Problems zu suchen.
Also erstens sind Streuner eigentlich für Menschen nie ein Problem weil niemand da war der dem Hund einen Schaden anerziehen hätte können.
Und zweitens gibt es eine gute Lösung für das Problem: Einsammeln, sterilisieren, Halsband als Erkennungsmerkmal geben und wieder aussetzen. Funktioniert dort wo es gemacht wird hervorragend, kostet aber natürlich mehr als das Töten oder Deportieren der Tiere. Zusätzlich sind auch Maßnahmen wie ein Hundeführerschein (oder überhaupt ein Tierführerschein) sinnvoll, weil dann keine Hunde mehr leichtfertig als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke dort landen wo sie keiner haben will. Die meisten Streuner waren nämlich mal Geschenke.
Die
er ist meist schwanzwedelnd 50m über und unterhalb des parkplatzes unterwegs, lässt sich von niemandem aus dem gleichgewicht bringen - er hat aber auch einen tiefen schwerpunkt. wenn er müde ist, liegt er entweder in seinem kistchen beim parkplatzhäuschen oder vor einem studentencafe. es geht dann weiter in meine gasse. dort gibts eine katze, die in einem karton wohnt und 2 hunde, die friedlich vor einem wunderschönen bürogebäude schlafen, das übrigens wiener/türkischen architekten geplant wurde. von einem zwischenfall habe ich nie was gehört.
das sind eben friedliche zeitgenossen, die übrigens frühmorgens von einem mann gefüttert werden, bevor er zur moschee geht. hier gibts keine kampfhunde an der leine mit beisskorb, das erübrigt sich
wo Hunde die Gelegenheit haben, sich zu sozialisieren. D.h. nicht von klein auf streng reglementiert werden sondern sich mit Artgenossen auseinander setzten können und ihre natürlichen Triebe ausleben. Dann werden Menschen, seien es Jogger oder Radfahrer, wie auch Kinder ganz schnell uninteressant.
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