"Heute", "Österreich": Geplagte Steuerzahler

22. Oktober 2012, 19:07
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Die Dichands verstehen die Welt nicht mehr und der Schweizer "Stratos-Held"

Es kommt zwar mit ziemlicher Regelmäßigkeit vor, manchmal indes in besonders erheiternder Form: Die Dichands verstehen die Welt nicht mehr. "Steuer-Millionen für den 'Standard'" entrüstete sich "Heute" am Freitag über die Presseförderung, mit der Inseln journalistischer Qualität in Österreich vor Überflutung mit dem Abschaum des Boulevards bewahrt werden sollen. "Der österreichische Steuerzahler durfte in den letzten drei Jahren tief für die Tageszeitung 'Standard' in die Tasche greifen. Ungefragt - und vor allem ohne Gegenleistung."

Natürlich nicht nur für den "Standard". Das Schöne an diesem Satz ist die Offenheit, mit der auf die Borniertheit und das kurze Gedächtnis spekuliert wird, die in den Kunden des Lesezirkels Dichand zu erzeugen und befördern das oberste herausgeberische Ziel der Erben von Onkel Hans ist. Wenn "der österreichische Steuerzahler ungefragt" seit Jahren für etwas "tief in die Tasche greifen durfte", dann war das für Zuwendungen, wie sie "Kronen Zeitung" und "Heute" - um nur zwei Beispiele zu nennen - aus den segensreichen Inseratenspenden Wiener Kommunalpolitiker oder eines ehemaligen Verkehrsministers zuteilwurde, der nun als Bundeskanzler dafür büßen muss. Werner Faymann hätte gelassen vor den Untersuchungsausschuss des Parlaments treten können, hätte er die Millionen, statt sie aus der Portokassa der ÖBB in die Schatulle der Familie Dichand umzuleiten, aus eigener Tasche hinterlegt. Und die übertreffen die Presseförderung nicht nur für den "Standard" um ein Vielfaches.

Dass dabei "der österreichische Steuerzahler ungefragt" einspringen musste, hat den seligen Herausgeber der "Krone" in keiner Weise gestört, als er einst die Kampagne, die den Verkehrsminister als Erlöser der Bahnkunden in effigie darstellen sollte, mit ausheckte - im Gegenteil, das war die Basis des Geschäfts. Ebenso wenig wie der Erbe erst beim "österreichischen Steuerzahler" nachfragte, ob er sich denn an ihm bereichern dürfe. Es muss das Gefühl sein, den "österreichischen Steuerzahler" noch immer nicht genug gemolken zu haben, das "Heute" dazu trieb, den "Standard" auch noch um seine "jährlich fetten Gewinne" zu beneiden - verständlich, wo das Hungertuch, an dem die Familie Dichand nagt, als nationales Banner journalistischer Unabhängigkeit gepriesen wird.

Wie wenig da die Welt abseits des Boulevards verstanden wird, zeigt sich auch in der sittlichen Entrüstung darüber, dass "Der Standard" Presseförderung "ohne Gegenleistung" empfängt. Solches Denken würde einem Geschäft schaden, wo "Gegenleistung" nicht nur im zur Verfügung gestellten Platz, sondern auch in zur Verfügung bestelltem Wohlwollen besteht. Ob die bisher von "Krone" und "Heute" bereitgestellte "Gegenleistung" dem Bundeskanzler zum Segen gereicht, könnte man bezweifeln. In St. Pölten hat sie sich eher unvorteilhaft ausgewirkt. Aber keine Angst - für die Lernunfähigkeit sozialdemokratischer Medienpolitiker wird "der österreichische Steuerzahler noch lange tief in die Tasche greifen. Ungefragt."

Nach Krainer Wurst und steirischem Kernöl nun auch noch das: "Schweizer wollen uns Felix stehlen", schwankte "Österreich" Samstag zwischen Entrüstung über diebische Eidgenossen und Verständnis für Steuerflucht. Von Slowenen ist man ja einiges gewohnt, aber nun auch die Schweizer? "Das Traurige an der Geschichte: Salzburg, seine eigentliche Heimat, geht leer aus." Noch trauriger ist vielleicht, dass es gar nicht die "Schweizer" sind, die "uns Felix stehlen" wollen, sondern dass sich Felix aus Österreich davongestohlen hat, wohinter auch - so "Format" - "steuerliche Gründe stecken, wie der Sportler jüngst in einem Interview zugab". Ein "Zuckerl für Spitzensportler führt in der Praxis dazu, dass der Einkommenssteuersatz auf 17 Prozent sinkt". Bei geschätzten Einnahmen von siebzig Millionen Euro für diverse Übertragungsrechte hätte sich "das Zuckerl" ausgezahlt. Jetzt blöd: "Streng nach dem Buchstaben des Gesetzes kommt diese Pauschale nur jenen Sportlern zugute, die regelmäßige Einkünfte aus Wettkämpfen oder Turnieren beziehen." Da es Turniere in Luftsprüngen noch nicht gibt, dürften die Behörden Baumgartner dieses Privileg verweigert haben.

Streng. Aber auch schlau? "Unser Stratos-Held lebt in Arbon seit Anfang 2012 - und macht den Ort berühmt", klagt "Österreich" um das, was Salzburg entgangen ist. Zu spät. Das einzig Tröstliche: Einem "Stratos-Helden" geht es nicht ums Geld. "Er soll bald 'Arboner des Jahres' werden." Und das ist einen Umzug wert. (Günter Traxler, DER STANDARD, 23.10.2012)

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