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Der Grüne Fritz Kuhn wird Stuttgarter Oberbürgermeister.
Die Straße mit passendem Namen gibt es schon. Im Osten Stuttgarts liegt die Kuhnstraße, allerdings wurde sie nach einem Stuttgarter Fabriksgründer bekannt und nicht nach Fritz Kuhn, der nun in der Hauptstadt von Baden-Württemberg erster grüner Oberbürgermeister wird.
Vielleicht kommt ja irgendwann noch eine Fritz-Kuhn-Straße dazu. Zeit, sich zu bewähren hat Kuhn genug, eine Amtsperiode dauert in Stuttgart acht Jahre.
Er selbst stammt nicht aus der Landeshauptstadt Baden-Württembergs, sondern wird in Bad Mergentheim geboren und wächst in Memmingen im Allgäu auf. In Tübingen und München studiert Kuhn Germanistik und Philosophie, in dieser Zeit engagiert er sich bei den Jungsozialisten.
Doch der atomfreundliche Kurs der Sozialdemokraten passt Kuhn nicht, also gründet er mit einigen Gleichgesinnten 1980 in Baden-Württemberg die Grünen. Sein Mitstreiter ist damals schon der heutige Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Als "Freunde" bezeichnen sich die beiden übrigens immer noch nicht, eher als "enge Weggefährten".
Denn vier Jahre nach der Gründung der Partei sitzen Kuhn und Kretsch mann mitsammen im Landesparlament von Baden-Württemberg, Kuhn ist als Fraktionsvorsitzender Kretschmanns Chef. Nicht nur der erfährt, dass der intellektuelle Kuhn oft ein bisschen anstrengend ist.
Aber Baden-Württemberg ist zunächst ohnehin nur das Sprungbrett nach Berlin. Kuhn wird 2000 erst mit Renate Künast, dann mit Claudia Roth Chef der Bundespartei. Als er 2002 in den Bundestag einzieht, übernimmt er dort den Vorsitz der grünen Fraktion.
"Fischers Fritz" wird er da genannt, denn der Realo Kuhn versteht sich bestens mit dem heimlichen Parteichef Joschka Fischer und schreibt für ihn einige Konzepte zur Aussöhnung von Ökonomie und Ökologie ("Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben").
Der Vater zweier Söhne, der mit einer Sprachwissenschafterin verheiratet ist, gerne joggt und kocht, bezeichnet sich selbst als bürgerlich - im Sinne eines Citoyen, der sich in die Belange des Gemeinwesens einmischt.
Noch hat er sein neues Amt nicht angetreten, doch bei den Grünen denkt so mancher schon an die fernere Zukunft. Da lauten die Überlegungen: Sollte Kuhn in Stuttgart einen guten Job machen, dann wäre er eines Tages ein Nachfolger von Ministerpräsident Kretschmann. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 23.10.2012)
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