Neue Einvernahmen in Causa ÖVAG

22. Oktober 2012, 18:11
2 Postings

Exvorstand Perdich gründet Gesellschaft

Wien - Die Vergangenheit der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) wird in mehrfacher Hinsicht unter die Lupe genommen. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien prüft auf Basis einer neuen Anzeige, ob sie ihr (zuvor eingestelltes) Verfahren wegen Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung nun fortführen wird. Die ersten Ermittlungen auf Basis einer Anzeige der FPÖ waren, wie berichtet, großteils eingestellt worden. In der neuen Anzeige, die von einer Privatperson eingebracht wurde, geht es um Kapitalerhöhungen und volksbankinterne Beteiligungsverkäufe. Zudem soll sich die Justiz für die Rolle von Tochtergesellschaften und deren Verantwortlichen im Ausland interessieren. Erste Einvernahmen finden bereits statt, das bestätigt die Behörde.

Ernst & Young erforscht Vergangenheit

Zudem hat der Aufsichtsrat der Bank nach deren Teilverstaatlichung im Februar eine Expertise in Auftrag gegeben, die die "Ursachen für den Vermögensverfall" ergründen soll. Mit diesem Thema beschäftigen sich die Forensiker und andere Experten der Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young - sie liefern ihre Berichte direkt an den Aufsichtsrat und das Finanzministerium als Eigentümervertreter der Republik. Zwar liegt der Endbericht noch nicht vor, dem Vernehmen nach wurden bei den Recherchearbeiten in der Bank bislang aber keine strafrechtlich relevanten Ereignisse ausgegraben.

Die Kosten für die Rechtsberatung der aktiven und Exbankmanager und Aufsichtsratsmitglieder werden derzeit von Versicherungen getragen, die die Bank abgeschlossen hat. Die ÖVAG hat sogenannte D-&-O-(Directors-and-Officers-)Versicherungen abgeschlossen - die gelten in aller Regel nur dann nicht, wenn den Versicherten bei etwaigen Sorgfaltspflichtverletzungen Vorsatz nachgewiesen wird.

Einen neuen Job hat Wolfgang Perdich gefunden, der ja den ÖVAG-Vorstand verlassen hat. Der Immo-Experte hat vor wenigen Tagen die Perdich Consulting GmbH ins Handelsregister eintragen lassen. Den Firmensitz teilt er sich mit dem ÖVAG-Vizeaufsichtsratschef, Franz Zwickl. Der wieder sitzt auch im Aufsichtsrat der CA Immo, die der ÖVAG ihre Ost-Immobilien-Tochter Europolis abgekauft hat. CA Immo und ÖVAG führen gerade ein Schiedsverfahren über den Kaufpreis; die CA Immo hat Mängel geltend gemacht. (gra, DER STANDARD, 23.10.2012)

Share if you care.