Kritik an Ermittlungen nach Vierfachmord in Frankreich

22. Oktober 2012, 18:16
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Staatsanwalt widerspricht Zeitungsbericht, wonach der Anschlag dem Radfahrer galt

In die Ermittlungen zu dem mysteriösen Vierfachmord in den französischen Alpen kommt Bewegung. Ein Unbekannter hatte im September den Briten Saad al Hilli, Gattin Iqbal und deren Mutter in ihrem BMW ermordet; daneben fand sich, ebenfalls mit Kopfschuss, die Leiche eines französischen Radfahrers. Eine Tochter der Familie wurde schwer verletzt, die zweite, gerade vierjährig, versteckte sich im Auto acht Stunden lang unter einer Leiche.

Bisher waren die Ermittlungen in al Hillis Umfeld ergebnislos verlaufen - vielleicht weil die Familie gar nicht das Ziel des Angriffs war. Am Wochenende berichtete die Zeitung Le Parisien, laut ballistischem Gutachten sei der erste Schuss auf den französischen Sportradler - den 45 Jahre alten Sylvain Mollier - abgefeuert worden. Der britische Familienvater sei schon ausgestiegen gewesen, habe noch versucht davonzufahren; mit dem Hinterrad des Wagens sei er aber in der Böschung stecken geblieben.

"Ich denke, dass sich der französische Staatsanwalt auf die Familie versteift hat, ohne einen Beweis vorzulegen", meinte Ahmed al Saffar, der Onkel einer der getöteten Frauen, zu den angeblichen Ermittlungsergebnissen. Staatsanwalt Eric Maillaud verwarf den Le Parisien-Bericht aber in Bausch und Bogen: Die Reihenfolge der Schüsse bleibe weiterhin völlig unklar. Er bestätigte einzig, dass al Hilli am Tatort zeitweise ausgestiegen sei.

So bleibt die erste aller Fragen offen: Auf wen hatte es der Täter abgesehen - und wer von den Ermordeten hatte das "Pech", zufällig vorbeizukommen? Das Rätsel von Annecy bleibt vorerst ungelöst, der Fall droht sich in die Länge zu ziehen. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 23.10.2012)

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