Hedgefonds verdienen wieder prächtig mit Griechenland

Lukas Sustala
22. Oktober 2012, 17:56

Hedgefonds kehren nach Athen zurück. Mit Bonds nach britischem Recht haben einige trotz Umschuldung verdient

Hedgefonds haben beim Poker um Griechenland ordentlich verdienen können. Seit Juni haben sich die Preise griechischer Staatsanleihen mehr als verdoppelt. Eine Reihe von US- und Londoner Fonds setzt nach Standard-Informationen darauf, dass Griechenland aus Angst vor den Folgen nicht aus dem Euro geschmissen wird.

Dabei haben einige Hedgefonds trotz der Umschuldung im März bereits Geld mit einer Wette auf Athen gemacht. Die Eigentümer von knapp 5,5 Milliarden Euro an Anleihen nach britischem Recht sind der Umschuldung entkommen. Der damalige griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hatte beim Schuldenschnitt im März gedroht, unkooperative Gläubiger nicht zu bedienen. Viele Fonds hätten aber "gepokert und gewonnen", so Andreas Koutras, Direktor von ITCM.

 

Athen/London/Wien - Griechenland, das vergangene Woche vom vierten Generalstreik dieses Jahr lahmgelegt wurde, ist für Hedgefonds ein einträgliches Pflaster. Mit den riskanten Staatsanleihen des Landes, das im März die größte Umschuldung der Nachkriegszeit durchführte, lässt sich wieder Geld verdienen. Laut Daten von Markit sind etwa die griechischen Anleihen, die 2023 auslaufen, auf den höchsten Wert seit der Umschuldung gestiegen. Seit 1. Juni steht ein Plus von 150 Prozent zu Buche. Mit den knapp 60 Milliarden Euro an nominell ausstehenden Anleihen haben Anleger seit Juni knapp zehn Mrd. mit Kursgewinnen in Hellas verdient.

Spekulative Investoren wie der New Yorker Hedgefonds-Manager Daniel Loeb haben zuletzt Griechenland-Anleihen gekauft. "Hedgefonds sind die einzigen Käufer", so der Londoner Analyst Gabriel Sterne zum Standard. "Griechenland bietet eine der höchsten Renditen, und unserer Meinung nach ist das Risiko derzeit begrenzt." Sterne, der als Ökonom beim britischen Finanzunternehmen Exotix Investoren berät, glaubt, dass die Wahrscheinlichkeit eines "Grexit", eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone, deutlich gefallen ist. Nur in diesem Szenario werden Anleiheninvestoren in Griechenland noch einmal große Verluste erleiden müssen. Doch Europas Politik werde den Austritt Griechenlands vermeiden: "Die wirtschaftlichen Kosten wären zu hoch."

Doch der Handel mit den neuen griechischen Anleihen ist nicht die einzige Renditechance, die Fonds in Athen ergriffen haben. Auch an der Umschuldung, oder besser gesagt, ihres Boykotts, haben viele Investoren verdient. Knapp 5,5 Milliarden Euro an Anleihen, die nach britischem statt griechischem Recht ausgegeben wurden, sind im März nicht Teil der schmerzhaften Umschuldung gewesen. Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos hatte damals gedroht, dass auch Anleger, die sich nicht an der Umschuldung beteiligen, Verluste tragen werden.

Doch es sind seit Mai bereits zwei Anleihen vollständig bedient worden, auch Kupons wurden gezahlt - etwa mit dem Geld, das Griechenland aus den Rettungsfonds ziehen konnte. "Die Fonds haben gepokert und gewonnen. Das war eine gute Wette", sagt Andreas Koutras, der Direktor von ITC Markets in London. Dass Athen weiter die Anleihen nach britischem Recht bezahlt, ist für Sterne nachvollziehbar. "Die Troika sorgt sich wohl, dass aus Griechenland Argentinien wird, wenn es die Bonds nicht bedient." Argentinien ist 2002 bankrottgegangen. Mit einigen Hedgefonds, die die Bedingungen der Pleite nicht akzeptierten und erfolgreich klagten, liegt das Land heute noch im Clinch. So versucht der Hedgefonds Elliott Capital 300 Millionen Dollar Vermögen zu erkämpfen, und hat Anfang des Monats ein argentinisches Schiff im afrikanischen Ghana festsetzen lassen. Auch griechische Anleihen hält Elliott Capital.

Dabei ist Koutras verwundert, dass es im Fall Griechenland kaum Anlegerklagen gibt. Bis auf Klagen von Privatanlegern, etwa aus Deutschland, aber auch Griechenland, bleibt Athen vor rechtlichen Schritten weitgehend verschont. "Deshalb werden die Bonds nach britischem Recht bezahlt. Niemand will die politische Verantwortung für jahrelange Rechtskonflikte tragen." (Lukas Sustala, DER STANDARD, 23.10.2012)

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Es herrscht britisches Recht in Griechenland bezüglich der Anleihen und kaum jemand anderen in den euroäischen Ländern empört sich?!

Bald enteignen die Banken alle und dann?
Schade dass man aus der Geschichte einfach nicht lernt und die oberste Maxime immer Profitmaximierung sein wird.

böse, böse

was ist jetzt schlimmer: Griechenland Anleihen kaufen oder verkaufen ;-)

Gar nichts von beiden. In einem Falle zahlen andere, im anderen auch.

seltsame Darstellung

wieviel Gewinn haben dann die eingestreift, die nicht an Hedgefonds verkauft haben? Die haben halt ihre Wertberichtigung wieder nach oben korrigiert. Davon dürfte auch die Bad Bank der Kommunalkredit profitieren.

Ist das eine der üblichen 'Finanzwirtschaft - sind alle Gauner' Meldung?

ad Foto

auf dem T Shirt des Friseurs steht was von Haare färben, passt also nicht wirklich.

Nehmt das:

http://www.unonueveocho.es/camisetas/9

hmm... mit dem Kapitalismus ist es wie mit jedem anderen -ismus:

Irgendwo ist immer ein Haken.

Ein Skandal, ...

... wenn Anleihen, die ursprünglich schlechter gestellt waren, weil CACs (Collective Action Clauses) vorgesehen, letztlich vom Schuldenschnitt verschont wurden. Die ganze Aktion sollte einmal auf Insiderhandel untersucht werden.

" Wenn der erste Hai zubeißt ist das Wasser voller Blut, das lockt die anderen Haie an"

http://videos.arte.tv/de/videos... 02392.html

Wunderbar

Kann man das nicht als "Die gute Nachricht des Tages" bringen?

...mit sicherheit.

(positive meldungen über griechenland sind seltener zu finden als die berühmte nadel im heuhaufen)

Habt ihr nicht Griechenanleihen gekauft?

Hätte jeder von euch Postern machen können - ein bisserl Risiko nehmen im Frühling - Ernte einfahren im Herbst.

Die Jammerei bezüglich der "Hedge Fonds" find ich daher jämmerlich.

Die Jungs haben KEINEN Informationsvorsprung gehabt, die haben halt einfach 2+2 zusammengezählt. Also jetzt vor dem Computer zu sitzen und zu schimpfen ist ein wenig dürftig.

Übrigens: Griechenbonds sind nach wie vor ein Kauf - aber bitte nicht weitersagen.

Also, alle auf zu den Banken, Kauforder geben und erledigt.

Dann ist jeder sein eigener kleiner Hedge Fonds und braucht über die "bösen" Fonds nimmer schimpfen.

Good look trading!

.... genau so ist es,

jeder hätte Griechen Bonds handeln können, aber keiner will ein Risiko eingehen - deswegen auf zum Sparbuch. Und leider ist es mittlerweile in der österreichischen Neidgesellschaft legitim, genau auf diese Gruppen mit dem Finger zu zeigen, die durch Risikobereitschaft schlussendlich gut verdienen. Gratuliere den Hedgefonds,
happy trading

wessen geld ist es, das sie (zweifellos mit ehrlicher arbeit) verdienen?

ist es das derer, die etwas später als sie die anleihen kaufen und die etwas zu spät wieder verkaufen?

oder ist es gleich mehr oder minder direkt das geld der dummen masse deren pensionsfonds staatlich zwangsverspekuliert werden?

der hebel für ihre gewinne ist in jedem fall, dass es angebliche griechenlandhilfen immer wieder geben muss, weil die zukunft... von wem eigentlich?... auf dem spiel steht.

es ist parasitärer handel, den sie betreiben. sobald ein wirksames gegenmittel gefunden wird...

Hab

leider mein Geld in Uranerzminen gesteckt, weil es so ausgesehen hat, als würde wieder mehr in Atomkraftwerke investiert werden.

Außerdem habe ich noch Anteile an südafrikanischen Erz-Minen gekauft, doch seitdem die Streiken und nicht einmal durch gezielete Tötungen die Arbeit aufnehmen, geht auch dieses Kapital den Bach runter

Einfach in die falschen Investments investiert, nur Pech heuer!!

ganz tolle idee - ehrlich - also da muss man mindestens wirtschaft studiert haben, um nicht zu kapieren, daß man sich die erhofften zinsen auf diese staatsanleihen mittels steuerfinazierten "rettungspaket" im endeffekt selbst bezahlt.

ganz großes finanzkino - oder wie ich es nenne: bauernfängerei für fortgeschrittene

na siehst - wennst eh den bailout der griechen selbst zahlst dann hol dir doch deinen teil!

alles gute

na da geht einem aber einer ab, wenn man das ganze schöne geld sieht. wie es den menschen geht, die dieses geld erst erarbeiten müssen, ist egal. die sind ja selber schuld.

oh großer mammon wohin hast du uns gebracht *kopfschüttel*

Zählt eben nichts, der Kapitalismus funktioniert nicht nach moralischen Prinzipien.

Wenn man ihm das vorwirft, steckt dahinter der Gedanke, man müsse ihn bloß "mit Moral aufladen", damit er ein "guter" Kapitalismus werde.

Das ist ungefähr so, als wenn man einem Tiger vorwerfen würde, dass er kein Lämmchen sei.

Das treibende Motiv des Kapitalismus ist weder Moral, noch die allgemeine Wohlfahrt, noch die optimale Nutzung der Ressourcen und schon gar nicht irgendein Glücksversprechen für alle, sondern einzig und allein die Plusmacherei, der alles andere untergeordnet ist.

Glück ist die schwarze Zahl auf dem Konto.

Und damit sie schwarz sein kann, muss es eine Menge rote geben.

Oder, um beim Bild zu bleiben: Eine Menge Unglück.

@niskswassa spricht nur unverblümt und ohne sentimentale Schnörkel aus, was eh der Fall ist.

deshalb:
weg mit diesem verrückten system von kapitalismus. wir brauchen endlich ein wirtschaftssystem, dass ethik nicht ausschliesst!!!

Tja, das wäre eine mögliche Schlussfolgerung.

Allerdings: In der Ökonomie geht es nie um Moral, sondern "sollte" es um eine möglichste "effektive" Nutzung der Ressourcen gehen.

Was das heißt, ist eine andere Frage. Der Kapitalismus definiert das als: Generierung von maximalen Profit.

Der Haken an der Sache: Er setzt das als einziges Motiv durch und unterwirft ihm alles und jedes, das er berührt. Auf die logische Spitze getrieben, wird die Veranstaltung zum totalitären Selbstzweck, nicht indessen: Mittel zum Zweck.

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