Von 14 Französinnen, die auszogen, um Romney das Fürchten zu lehren

Weil die Investmentfirma Bain Capital deren Existenz ruinierte, wollen die Arbeiterinnen nun mediengerecht klagen

"Wir haben für die Reise Englisch gebüffelt und viel Geld ausgegeben", berichtet Brigitte Petit, "aber glücklicherweise erhalten wir ohnehin von vielen Leuten Unterstützung." Und die rüstige Jobsucherin mit den grauen Haaren fügt noch hinzu: "Wir lassen nicht locker. Auch nicht im Zentrum der politischen Macht und des Geldes: den USA."

Die Geschichte von Brigitte und ihren Kolleginnen könnte durchaus "Asterix bei den Kapitalisten" heißen. Die meisten Arbeiter würden klein beigeben, wenn das globale Imperium zuschlagen und ihre Fabrik schließen würde. Nicht so die Französinnen aus Hénin-Beaumont, einer gesichtslosen, von der Arbeitslosigkeit zerrütteten Kleinstadt im trostlosen hinteren Zipfel Frankreichs, im industriellen Norden: Die 14 Arbeiterinnen leisten Widerstand gegen einen Goliath der Weltfinanz: Sie machen Bain Capital - mitbegründet von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney - verantwortlich dafür, dass sie heute auf der Straße stehen.

Jahrelang schufteten sie in Hénin-Beaumont in der Fabrik des amerikanischen Kofferfabrikanten Samsonite. Doch 2005 verkaufte der Hauptaktionär Bain Capital das Werk für einen symbolischen Euro an zwei Unternehmer. Diese gaben vor, Sonnenkollektoren bauen zu wollen, doch sie landeten bald hinter Gittern, als sich das Projekt als rundum betrügerisch herausstellte.

Klage gegen Bain Capital

Die 205 entlassenen Arbeiter sind sich sicher, dass Bain Capital auf dem Laufenden war und das Werk einfach nur loswerden wollte - egal wie. Man wollte lieber in Fernost billiger produzieren. Deshalb wollen die Arbeiterinnen nun außer die beiden Unternehmer auch den US-Investmentfonds wegen "betrügerischer Entlassung" klagen. Deshalb sind sie in die USA gereist. In den nächsten Tagen, auf jeden Fall noch vor der Präsidentenwahl, wollen sie Klage in Boston einreichen.

Romney ist zwar nicht direkt betroffen, da er Bain Capital schon vor 2005 verkauft hatte. Doch Brigitte und ihre Mitstreiterinnen kennen die Gesetze der Medienbranche von ihrem Kampf in Frankreich her: Sie wollen den Wahlkampf nützen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Im Kampagnen-Hauptquartier des republikanischen Kandidaten soll keine Freude darüber herrschen, dass jetzt sogar irgendwelche Französinnen die alten Bain-Capital-Geschichten aufwärmen. Die vierzehn Klägerinnen verlangen insbesondere die Publikation von Dokumenten, die beweisen sollen, dass Romneys Ex-Fonds die Werkstätte in Hénin-Beaumont bewusst vor die Hunde gehen ließ, um die Kofferproduktion nach China auslagern zu können.

"Keine Angst haben"

Vor der Reise nach Boston besuchten die gallischen Arbeiterinnen vergangene Woche eine Fabrik in Freeport, Illinois. Dort dürften 170 Amerikaner ihren Job verlieren, weil Bain Capital die Herstellung von Elektrosensoren nach Asien verlagern will.

Die Französinnen gaben ihr Know-how in Sachen Arbeitskampf den US-Kollegen weiter: Sie hatten ihre eigene Fabrik in Hénin-Beaumont fünf Monate lang besetzt, damit die Besitzer die Maschinen nicht abtransportieren konnten. "Wir sagten den amerikanischen Freunden: Ihr dürft das Material auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen", meint Nathalie Henrique, eine der 14 Französinnen. "Wenn ihr eure Maschinen verliert, könnt ihr nichts mehr ausrichten."

Brigitte Petit empfahl den amerikanischen Arbeitern ihrerseits: "Man darf vor allem keine Angst haben zu kämpfen. Auch als kleine Arbeiterin kann man weit kommen." Ja, bis in die USA. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 23.10.2012)

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Sollten sich lieber an die franz Regierung wenden

35 Stundenwoche, Lohnnebenkosten und Pensionsalter lassen grüßen. ganz einfach: Kein Arbeitseinsatz-keine jobs!

Vive la France

Das ist das tolle an Frankreich, dort raunzt man nicht nur rum, dort handelt man auch wenn man ungerecht behandelt wird.

Die Gier hat bei einigen der sogenannten Elite das Gewissen, Anstand und Moral aufgelöst, so scheint es zumindest. Zudem haben sie auch hier im Forum ihre Lakaien, die Prost**** des Kapitals die naiverweise den Irrweg verteidigen, weil auch ihnen die Menschlichkeit und ein Gewissen abhanden gekommen ist.

'Also die 3 working class heroes hinter ihm scheint er noch nicht

ganz überzeugt zu haben.

Ob es den durchschnittlichen USAler interessiert, wenn ein paar Französinnen ihren Job verlieren?

Naja, hoffentlich. Glauben tue ich es aber nicht.

Freihandel ist kein Naturgesetz!

Einfuhrzölle sind das einzige, das diese Dumpingkapitalisten verstehen. Bei den Solarmodulen geht's ja auch:
http://tinyurl.com/8fk822u

Ich fühle mich bei diesen Themen immer zwischen zwei Stühlen. Einerseits verstehe ich die Arbeiterinnen und sie tun mir auch leid, andererseits kann ich auch das Unternehmen verstehen. Warum soll ich den doppelten Lohn zahlen, während ich in einem anderen Land die selbe Leistung für die Hälfte bekomme? Wenn ich mir ein Auto kaufe, kaufe ich auch von jenem Händler der mir das beste Paket anbietet.

Moralische Verpflichtung?
Ach nein, die wurde ja gegen grenzenlose Gier eingetauscht.

Als Bürger haben wir uns alle gewissen sozialen Normen unterworfen, aber dasz diese für den Markt nicht gelten sollen, nehmen wir bedenkenlos hin?

Wenn der Gier nicht Einhalt geboten wird, wird sie uns alle mit Haut und Haaren auffressen.

...warum sollte ich den 4-fachen preis hier

bezahlen wenn ich´s im ausland billiger haben kann.
fakt ist, die kohle wird mit westlichen konsumenten verdient. nicht mit konsumenten aus südeuropa, asien...
ect. wir als konsumenten sollten wieder verstärkt im inland nachfragen (obwohl oft schwierig) damit das geld in unserem land bleibt...

Nur Mut !!!

geht's der wirtschaft gut geht's uns allen gut/ "stronachsches" "i know about business" geplapper.
+ sollen die armen auf der strasse krepieren (selber schuld), hauptsache genug geld für die army.

fuckin' wanker.

Wo jetzt der Zusammenhang zwischen Army und einer französischen Kofferproduktion besteht verstehe ich nicht, die grünen Stricherln kommen warscheinlich davon, dass hier viele wieder auf das übliche bashing gegen Wirtschaft, Amerika, Army eingehen...

man merkt gerade, dass romney keine ahnung hat, was den nahost/syrien/iran konflikt betrifft, er kann nur phrasen dreschen die ihm seine spin doctors vorgebetet haben. wäre ich obama, würde ich ihn hier bloßstellen. obama hat nach vierjähriger us-präsidentschaft sehr viel einblick was dieses weltpolitisch sehr entscheidente gebiet betrifft.

andererseits hat der amerikanische durchschnittswähler (wie der europäische) natürlich auch keine ahnung davon, schlimmer, keine meinung dazu.

Auf in der Kampf, überall in West-Europa

wenn irgendwelche französinnen gegen ihn sind

nützt das einem amerikanischen kanditaten eher, fürchte ich.

Recht hat mit Gerechtigkeits nichts zu tun. In Österreich nicht und in der 2 Parteien-Diktatur USA auch nicht.

[underreported stories]

chapeau, Herr Brändle!
Die Story ist nicht einmal auf cnn.com oder politico.com

dazu eine filmische Empfehlung: "Louise hires a Contract Killer"

Vielleicht war diese Geschichte dieser Frauen sogar die Vorlage für diesen Film. Jedenfalls ein herrlich skurriler, pointierter und politischer Film.

Und die französischen Revoluzzer sind wohl auch nur ein Zufall ausgerechnet zu dem Zeitpunkt.
Wenn da nicht eine demokratische Propagandamaschine ihre Register zieht - und das immer noch elegant, im Vergleich zur republikanischen Schlammschlacht.

Durchaus möglich daß es sich um eine Wahlkampfpropaganda handelt. Aber im Vergleich zum republikanischen Osama BinLaden-Roman, der als Tatsache verkauft wird, noch gut gemacht. Wie schon gesagt.

Sind die 14 tatsächlich alle weiblich, oder bloß eine davon und vergessen das Binnen-I groß zu schreiben? Die US-Kollegen sind offenbar jedenfalls männlich?
Lieber Standard, du hast es geschafft- ich kenn mich nimmer aus!
Den 14 französischen Damen und vielleicht auch Herren wünsche ich jedenfalls viel Erfolg!

14 Arbeiterinnen sind halt doch Frauen,

du Samsonite

Das steht hier nicht deutlich. Der(die/da)Standard würde bei einer gemischten Gruppe auch von "Arbeiterinnen" schreiben.

Es handelt sich um Frauen.

Wie kommen Sie auf die Idee, dass ein Binnen-I vergessen wurde?

Weil der Unterschied zwischen einem innen-i und einem Binnen-I das Tüpfelchen auf dem I ist.

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