Industrie befürchtet 2013 Rezession

22. Oktober 2012, 17:37
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Der Ausblick der Industriellenvereinigung ist klar schlechter als bei Wifo und IHS, die IV fordert flexiblere Arbeitszeiten

Wien/Berlin - Die Industriellenvereinigung (IV) sagt für 2013 eine Stagnation für die Industriekonjunktur voraus. Sogar eine Rezession wird nicht ausgeschlossen. Die Schätzungen liegen damit weitaus pessimistischer als diejenigen des Instituts für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Höhere Studien, die ein Wachstum von 1,0 bzw. 1,3 Prozent erwarten.

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer führt diese Entwicklung auf die Rezession in der Eurozone zurück. Der IV-Konjunktur barometer reflektiert die Abschwächung und fällt von plus 17 auf plus zwei Punkte im dritten Quartal. Er stellt den Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und derer in sechs Monaten dar. Nur noch gut ein Drittel der heimischen Unternehmen berichten von einem "guten" Geschäftsverlauf.

Im Vergleich zu weiten Teilen Europas geht es Österreich aber noch gut: Die starke Verflechtung mit der deutschen Industrie und der mittel- und osteuropäischen Wirtschaft sind laut der IV zwei entscheidende Faktoren dafür.

Jedes achte Unternehmen ist mit einer erheblichen Unterauslastung an Aufträgen konfrontiert. Insgesamt gibt es aber eine breite Streuung, die je nach Bundesland und Branche stark variiert. Die Auto-Industrie leidet laut IV-Chefökonom Christian Helmenstein sehr darunter, während die Pharma-Industrie kaum betroffen ist. Die schwache Importnachfrage aus weiten Teilen Europas habe die Auslandsaufträge außerdem negativ beeinflusst und die Auftragsreichweite verringere sich.

Neumayer fordert verschiedene Maßnahmen, die die Regierung und die Gewerkschaften ergreifen müssten, um die Konjunktur und die Beschäftigung zu stützen. Potenzial hätte zum Beispiel die thermische Gebäudesanierung. Auch eine langfristige Arbeitszeitflexibilisierung helfe der Beschäftigung. Die Stammbelegschaft in Fabriken sollte außerdem erhalten oder sogar ausgebaut werden. Der IV nach plant jedes dritte Unternehmen, seinen Beschäftigungsstand zu verringern.

Die Steuererhöhungsdiskussion nannte Neumayer eine "wirtschaftspolitische Themenverfehlung". Ebenso sei eine reine Arbeitszeitverkürzung ökonomisch kontraproduktiv. Sie verteuere die Arbeitskosten. Kurzarbeit gebe es in Österreich momentan nur in Einzelfällen, könnte aber in Zukunft wieder zu einem Thema werden.

Schwache Exporte

Die Deutsche Bundesbank meldete, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Vierteljahr ebenfalls schrumpfen könnte. Unter Druck stehe vor allem die exportabhängige Industrie. Die IV sieht eine ähnliche Gefahr für die Exporte Österreichs, die sie auf das geringe Wachstum der US-Konjunktur und die Abschwächung des Wachstums in China zurückführt. (frba, DER STANDARD, 23.10.2012)

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    Prognosen der IV zufolge geht es mit der heimischen Konjunktur bergab.

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