Transaktionssteuer sorgt in Italien für Aufregung

22. Oktober 2012, 17:33
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Mailand - Die in Italien bereits Anfang 2013 geplante Einführung der Finanztransaktionssteuer sorgt für Kritik der Finanzbranche. Die Steuer werde die Kapitalflucht beschleunigen, meint der Generalsekretär des Verbandes der Wertpapierhändler, Gianluigi Gugliotta, im Standard-Gespräch. Für diskriminierend hält er, dass "nur Bürger, die in Italien ihren Wohnsitz haben", betroffen wären. Händler oder Gesellschaften, die etwa in Österreich residieren, müssten die Steuer nicht bezahlen. In Frankreich, wo eine ähnliche Steuer bereits in Kraft getreten ist, betrifft sie sämtliche EU-Bürger.

Wie berichtet, haben elf Länder, darunter Italien, auch eine EU-Initiative für eine Transaktionssteuer gestartet. Bereits am Mittwoch könnte ein erster Entwurf von der Kommission vorgelegt werden. In Italien geht man aber davon aus, dass die Steuer erst in einem Jahr in Kraft treten wird. Inzwischen soll das nationale Gesetz gelten.

Der Entwurf sieht vor, dass der Aktien- und Derivatehandel betroffen wäre. Staatsanleihen wären nicht erfasst. Die Regierung will rund 1,1 Milliarden Euro pro Jahr (200 Millionen aus Aktien-, 900 Millionen aus Derivate-Geschäften) kassieren. Der Steuersatz läge bei 0,05 Prozent des Handelsvolumens. Für Gugliotta ist das viel zu hoch. Am Aktienmarkt rechnet er mit einem Einbruch um 30 Prozent, bei den Derivaten sogar mit 80 Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 23.10.2012)

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