Journalisten-KV: "Gleiche Rechte für gleiche Arbeit"

Analyse | Harald Fidler
22. Oktober 2012, 17:27
  • "Für einen Journalistenkollektivvertrag mit Zukunft": Der 
Zeitungsverband empfing die demonstrierenden Journalisten mit eigenen 
Transparenten - treffend platziert unter der "c.h.e.f."-Werbung.
    foto: standard/cremer

    "Für einen Journalistenkollektivvertrag mit Zukunft": Der Zeitungsverband empfing die demonstrierenden Journalisten mit eigenen Transparenten - treffend platziert unter der "c.h.e.f."-Werbung.

800 Journalisten demonstrierten laut Gewerkschaft für einen fairen Kollektivvertrag, 300 waren es laut Polizei - So weit lagen Verleger und Gewerkschaft nicht auseinander, als die Gespräche platzten

Wien - "Das hat man vom 'Kurier'": Die Werbelinie eignet sich auch für Transparente bei Protestkundgebungen von Journalisten. Hunderte schreibende, fotografierende und rundfunkende Arbeitnehmer vieler Medienhäuser sammelten sich Montag vor dem Büro des Zeitungsverbands.

Für 14 Uhr hat der Zeitungsverband die Gewerkschaft eingeladen, die Gespräche wiederaufzunehmen. Kurz nach der Einladung kündigte der Verband den Kollektivvertrag für Journalisten mit Jahresende. Die Verhandlungsführung übernahm STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann; nach der Kündigung, wie er sagt.

Seit dreieinhalb Jahren reden Journalisten und Verleger über einen neuen Kollektivvertrag, im Juni kam die Gewerkschaft mit neuen Forderungen, die Verleger standen auf und gingen. Nun redet die Gewerkschaft, verhandelt aber nicht, solange "die Messer offen sind" - also wohl die KV-Kündigung im Raum steht.

"Das hat man vom 'Kurier'." Dessen Journalisten meinen da wohl nicht allein den KV. Ihre Führung will vorerst 25 Jobs kürzen. Sparprogramme laufen in vielen Medienhäusern Österreichs, Europas, weit schärfer noch in den USA.

Verkaufserlöse sinken

Werbeeinnahmen der Zeitungen und Magazine stagnieren in krisenhafter Konjunktur, viel häufiger gehen sie zurück. Wo sie in den Statistiken der Werbebeobachter zulegen, verdanken sie das oft Buchungen verwandter Firmen. Online wächst in Bruchteilen der Rückgänge auf Papier. Die Verkaufserlöse sinken unter der Konkurrenz von kostenlosen Inhalten im Web und Gratisblättern.

Zweiklassengesellschaft in Verlagen

Im marktwirtschaftlichen Normalfall geht es um Renditen für Eigentümer; im Krisenfall auch um den Bestand von Titeln. Renditen und manche auch Bestand suchten die Verleger zu sichern, indem sie aus dem Zeitungs-KV auslagerten, wo sie konnten: Onliner und Verlagsangestellte vor allem. Das schuf eine Zweiklassengesellschaft in Verlagen und unter Journalisten, nicht allein nach Dienstalter: Journalismus für Blätter wird nach Zeitungs-KV bezahlt mit besonderem, langem Kündigungschutz, erklärbar mit der Sicherung innerer Meinungsfreiheit, fünfjährlichen Gehaltssteigerungen und 15 Gehältern. Journalismus für das Web wird etwa nach IT-Kollektivvertrag bezahlt, dem Regelungen für Wochenenddienste fehlen.

Gewerkschaft braucht breite Zustimmung

Altgediente Redakteure akklamierten bei der Demo wie junge Online-Journalisten (und noch prekärer entlohnte ORF-Freie, vielleicht waren auch Privatradioredakteure da, für die es keine KV-Mindeststandards gibt) und der Sprecher der "Mediengruppe Online", die "gleiche Rechte für gleiche Arbeit" forderten. So breite Zustimmung auch der Printredakteure braucht die Gewerkschaft, wenn sie über einen neuen Kollektivvertrag mit fairen Bedingungen für alle urabstimmen lässt - und damit wohl für Einschränkungen bei jenen, die schon jetzt nach Journalisten-KV arbeiten. Heutige Bedingungen für alle dürften sich wirtschaftlich nicht ausgehen. Sagen nicht allein Zeitungsbosse.

Vorerst redet man noch darüber. Das nächste Mal kommenden Montag. (Harald Fidler, DER STANDARD, 23.10.2012)

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und genau bei dieser gruppe hält sich mein mitleid in engen grenzen.

zuerst gegen AN kämpfe im sinne der industrie wettern, und wenns an den eigenen kragen geht rumsudern und um solidarität jammern.

abgesehn davon ists ohnehin nur mehr c&p was sich da oft journalist/redakteur schimpft.

der letzte "gute" war hochner (evtl noch worm, bervor er zu news gegangen ist)

Bitte um Mitteilung

Ersuche um Bekanntgabe eines Artikels eines Journalisten , in welchem die AUA-KV-Kündigung in solidarischer Weise kritisiert wurde .
Danke im Voraus.

Agenturmeldungen kann man doch auch automatisch kopieren. Echten Journalismus gibt es sowieso nicht mehr.

das journalisten in den nächsten jahren weniger verdienen werden ist wohl nicht aufzuhalten. oder rechnet mir jemand schlüssig vor wie bei sinkenden werbe- und verkaufserlösen gleich viele journalisten gleich viel geld bekommen können?

"Gleiche Rechte für gleiche Arbeit"

Das wird übrigens von der Mediengruppe Online (www.mediengruppeonline.at) schon seit Jahren gefordert. Die Stellungnahme dazu und ein offener Brief an den VÖZ ist auf der HP abrufbar.

richtig zitieren:

herr fidler, danke für den titel: das zitat stammt von Günter Felbermayer, einer der Initiatoren von www.mediengruppeonline.at. Vielleicht können sie das korrekt zitieren.

Wünsche den Journalisten

alles Gute, denn die derzeitige Situation ist schlicht weg ein Skandal für eine westliche Demokratie. Ein Zeichen, dass wir uns immer mehr, nicht nur von der Bev. - dem Balkan annähern. Zudem müsste dass Pressewesen generell neu geordnet werden. Durch diese Konzentration am Printmarkt gibt es de facto keinen Arbeitsmarkt mehr für gute Leute. Während die Verleger Stiftungen haben, Schlösser kaufen oder gleich den Banken gehören, müssen jene, die Leistung erbringen, mit solch widrigen Bedingungen arbeiten.

Die Presseförderung gehört sofort gestrichen, da sie weder der Meinungsfreiheit noch den Schreibern dient, sondern nur den Verlegern zugute kommt. Ein Schelm, der denkt, das Regime gibt seit 1945 Geld für die Pressefreiheit.

Penthouse...

im Prater-Cottage bauen!?
Na ja, irgendwo muss man natürlich wohnen...

Und? Wie geht's weiter?

Drohen die Damen und Herren Journalisten jetzt etwa mit Streik? Ich fürcht mich schon ganz arg. Mehrere Tage keine von der APA kopierte Artikel mehr lesen können. Wird kaum auszuhalten sein.

streik....

wohl kaum..... obwohl es doch interessant wäre - eine woche ohne aktuelle berichte?

ui es gibt tageland nur noch nachrichten aus dem web, dem fernsehen oder der sueddeutschen? da fürchte ich mich wirklich schon davor.

geht ja auch nicht um sie. ihnen kanns ja zb. auch wurscht sein, wenn die flugbegleiter streiken und sie eh grad nirgends hinwollen...

Schadenfreude?

Ein wenig Schadenfreude kann man schwer verbergen.

Gerade jene Journalisten, die jahrelang gegen Gewerkschaften Stimmung gemacht haben und die erbarmungslos dem "Shareholder Value" gehuldigt haben, werden jetzt selbst zu Opfer!!

Ein Treppenwitz des Journalismus.

komisches Pauschalurteil

Nieder mit der Schadenfreude!

Schadenfreude ist fehl am Platz! Dass die eine Branche schadenfreudig auf die andere blickt ist ein Armutszeugnis. Am Ende des Tages sind alle Teil des gleichen Systems.

meine Worte !

Nein. Opfer werden die, die neu in den Beruf einsteigen wollen und z.T. ein Einstiegsgehalt geboten bekommen, das jeder Beschreibung spottet. Es ist den Herausgebern z.T. auch wurscht, dass jemand schon einige Jahre Erfahrung hat - da heißt's trotzdem "Friss oder stirb", nicht zuletzt, weil es genügend Nachwuchsjournalisten gibt, die auch unter miesen Bedingungen arbeiten, Hauptsache, sie haben mal den Fuß in der Tür.

das ist aber schon lange bekannt

und auch, dass man so sicher keinen fuss in der tür hat - im gegenteil, wenn man ohne anleitung allein gelassen wird und die arbeit von erfahrenen liefern soll, passieren fehler. die, die den fuss in der tür haben wollen ("wenigstens"), versemmeln es sich gleich zu beginn....

Klar, Garantien gibt's da auch keine - und selbst wenn man das Glück hat und gut angelernt wird, arbeitet man möglicherweise für einen Hungerlohn.'Grad im Print ist das Usus; ich hatte mal eine Kollegin, die als fixe freie Mitarbeiterin an Bord geholt wurde - 40 Wochenstunden + Sonntagsdienste, keine Abgeltung von Überstunden. Angeboten haben's ihr 900 Euro. Brutto. Sie meinte, och, damit komm ich locker aus, passt, nehm ich - und das, obwohl sie die gleiche Arbeit wie fix angestellte Redakteure gemacht hat und obwohl andere fixe freie Mitarbeiter das Doppelte verdient haben. Nachverhandeln hat sie nicht interessiert, obwohl ihr alle Kollegen zugeredet haben, sie soll noch mal mitm Chef reden. Sowas drückt natürlich auch die Löhne.

Tragisch

dieses Gejammer, wenn es ums eigene Leiberl geht, siehe PS unten.

Bei anderen Branchen und Dienstnehmergruppen ist man nicht so zimperlich. Egal ob es um Beamte oder sonstige "scheinbar" privilegierte Menschen geht.

Im Übrigen gibt es Berufsgruppen die haben seit Jahren keinen KV, wie z. B. die Zahntechniker. Eine Branche, wo die Dienstgeber bekanntlich seit Jahrzehnten am Hungertuch nagen.......

PS: Neoliberales Gewäsch........soweit das Auge reicht...........

http://kurier.at/interakti... ommentare/

"Der Steigbügelhalter der Wirtschaftskammer verarscht uns!"

Die Solidarität unter den Journalistinnen und Journalisten war sehr gut. Klare Worte: "Jemand Älteren was wegnehmen steht für uns nicht zur Debatte. Nur ganz, ganz wenige verdienen gut. Es geht uns darum, dass alle faire Bedingungen haben!

Hier ein kurzer Bericht mit vielen Statements:
http://www.linkswende.org/6073/Jour... arscht-uns

"Jemand Älteren was wegnehmen steht für uns nicht zur Debatte."

doch, auch das muss zur debatte stehen. der journalistenKV ist teilweise hanebüchen, aus einer goldenen zeit der printmedien, die es nicht mehr gibt und nie wieder geben muss.

ich will vernünftug bezahlte journalisten. nicht zuketzt deshalb, weil ich selbst einer bin. aber wir dürfen die augen vor den wirtschaftlichen realitäten nicht verschließen.

Eine Stimme der Vernunft ?

Der Beamten(Privilegien)kollektivvertrag aus der "Bleizeit" der Zeitungen ist tot.
Bezahlung nach der Art der Leistung (Funktion, Verwendungsgruppe) wird kommen - und einige werden verlieren und andere gewinnen.
Ein Verbot der Scheinselbständigkeit muss (endlich !) durchgesetzt werden - damit die Gehälter (und das Niveau) wieder steigen - auch wenn einige (überflüssige) Medien dann zusperren.

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