Voller Angst vor dem Tiefsinn

Dominik Kamalzadeh, 22. Oktober 2012, 17:03
  • Treffen alter Herren: Humboldt (Albrecht A. Schuch, re.) und Gauß (Florian 
D. Fitz) in "Vermessung der Welt".
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    Treffen alter Herren: Humboldt (Albrecht A. Schuch, re.) und Gauß (Florian D. Fitz) in "Vermessung der Welt".

Nur falsche Töne: Detlev Bucks Kehlmann-Adaption "Die Vermessung der Welt"

Wien - In welche Richtung kommt man eher zum erwünschten Ziel? Diese Frage stellt sich in der Verfilmung von Daniel Kehlmanns literarischem Sensationserfolg Die Vermessung der Welt nicht nur für die Hauptfiguren, den Naturwissenschafter Alexander von Humboldt und den Mathematiker Carl Friedrich Gauß, die bekanntlich völlig konträre Methoden wählten, den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie stellt sich auch für das Vorhaben " Bestselleradaption" an sich, eine Gattung, der im deutschsprachigen Kino in künstlerischer Hinsicht kaum, in kommerzieller dafür einiger Erfolg beschieden war. "Persönlich" betreut vom 2011 verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger, wurden aus Das Geisterhaus, Elementarteilchen oder Das Parfum unpersönliche Hochglanzprodukte, mit denen sich eine beachtliche Riege an Talenten meist umsonst abmühten.

Kehlmann versichert gegenwärtig in zahlreichen Interviews, dass er einen alternativen Weg zu solchen von der eigenen Bedeutungssucht aufgeblähten Produktionen suchte und deshalb die Zügel nie ganz aus der Hand gab. Im deutschen Regisseur Detlev Buck, der sich in der Vergangenheit schon an unterschiedlichen Genres erprobt hatte, fand er einen Mitstreiter, bei dem er sich in guter Gesellschaft meinte; der versierte Drehbuchautor Daniel Nocke (u. a. Sie haben Knut) verstärkte das Team - alles, nur keinen gewöhnlichen Historienfilm umzusetzen war das Ziel; luftiger, wendiger, humorvoller sollte er werden.

Dem Film ist dies bedauerlicherweise nicht anzusehen. Die Vermessung der Welt demonstriert nur die Anstrengung, es anders machen zu wollen, um dann doch gar nicht so anders zu sein. Buck geht mit stilistischem Sperrfeuer auf die Vorlage los und trifft selten eine richtige Tonlage. Der Humor des Films wirkt überzogen, dramatische Zuspitzungen gehen hingegen unter. Auch die Entscheidung, den Film in 3-D zu drehen, ist nicht nachvollziehbar, die exotischen Panoramen, Close-ups von Tierchen und lasziv vorgewölbten Körperteilen braucht es nicht; dies verstärkt nur den Eindruck einer Produktion, die sich gern als großes Unterhaltungskino verstünde, dabei aber bereits in elementaren Dingen, im Aufbau einzelner Szenen, versagt.

Die beiden Helden, den durch die Fremde Lateinamerikas stapfenden Humboldt (über dessen preußisches Gehabe hinaus Albrecht Abraham Schuch nicht viel zeigen darf) und den daheim rechnenden, auch sonst recht weltabgewandten Gauß (Florian David Fitz), führt der Film parallel, ohne ihr Verhältnis zueinander schlüssig mitzuerzählen. Nebenfiguren wie der Herzog von Braunschweig werden zu Klamauk verzerrt, ein Mann vom Militär zur an Kinski blaugepausten Outriernummer.

Die Einsamkeit Gauß', mit seinen Erkenntnissen allein zu sein (selbst Kant ist's "wurst"), oder die Humboldt'sche Selbstüberschätzung, davon will oder kann sich dieser Film offensichtlich kein stimmiges Bild machen. Es ist, als traute er sich selbst nicht über den Weg: Immer, wenn es zu tiefsinnig wird, muss ein Pointe her. So mäandert der Film unentschlossen durchs digitale Wunderland, ohne sich über den eigenen Auftrag klar zu werden. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 23.10.2012) 

Ab Freitag

Über heutige Weltvermesser am Mittwoch in Forschung Spezial.

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13 Postings
Schöner Film ...

..., angenehm leicht und tief!

Am meisten stört mich, dass viele den großen Humboldt nur aus Kehlmanns unsäglichem Verriss kennen.

Über die Beschränktheit von "großen Köpfen" lacht es sich ja ach so gut und unverschämt. Denn auch das Genie lässt mal einen Pf..... Ach wie komisch das doch alles ist.

Ich fand das Buch schon einen manierierten Schenkelklopfer, eitel streberhaft und ohne Ziel. Der Film ist nur noch unerträglich misslungen.

Das Buch war

interessant und stilsicher geschrieben. Niveauvolle Unterhaltungsliteratur eben. Den Hype darum und um die Person Kehlmann als solches kann man getrost unter "Kuriositäten des Alltags" abhaken.

Ich habe das Buch auch

mit größtem Vergnügen gelesen und mich über die köstliche direkte Rede amusiert. Wie immer in solchen Fällen würde ich den Film nicht ansehen, denn bis jetzt war das fast immer eine Enttäuschung.

Der beste Schauspieler der Welt ...

... Georg Friedrich wird am Plakat nicht mal erwähnt !!!!!

Der beste Schauspieler der Welt?!

Woran oder wie misst man eigentlich den besten Schauspieler der Welt?

Er ist halt gut. Auch in diesem Film.

Das Buch ist auch nicht besser

"So mäandert der Film unentschlossen durchs digitale Wunderland, ohne sich über den eigenen Auftrag klar zu werden."

Stimmt. Betuliche Lehrerliteratur. Aber was man hier leider nicht liest, ist dass der Film zumindest wirklich wunderschön ausgestattet ist - schade um die vielen tollen Ideen.

auch die toneffekte sind ganz gut...

und die schrift im abspann ist auch sehr schön

und nicht vergessen: die arbeitsplatzsicherung

(übrigens auch für filmkritiker) ;-)

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