Gewaltsame Proteste im Kosovo gegen Gespräche mit Serbien

22. Oktober 2012, 15:00
303 Postings

22 Verletzte bei Ausschreitungen in Hauptstadt Pristina

Pristina (Prishtina)/Belgrad - In der kosovarischen Hauptstadt Pristina haben Demonstranten teils gewaltsam gegen neue Gespräche der Regierung mit Serbien protestiert. Hunderte Kosovo-Albaner versammelten sich am Montag vor dem Sitz der Regierung. Aus der Menge flogen immer wieder Steine auf die Polizei. Die Beamten antworteten mit Pfefferspray, um die Demonstranten zurückzudrängen. Bei den Ausschreitungen wurden laut Polizei 22 Menschen verletzt, 18 Polizisten und vier Demonstranten. 26 Protestierende wurden festgenommen.

Zu den Protesten hatte die drittgrößte Partei des Kosovo aufgerufen, die Bewegung Selbstbestimmung. Deren Führer Albin Kurti sagte AFP: „Serbien ist ein abnormaler Staat, und wir wollen unsere Beziehungen nicht normalisieren." Unter den Festgenommenen waren laut Polizei auch Abgeordnete von Selbstbestimmung. Diese seien nach ihrer Identifizierung umgehend wieder freigelassen worden, erklärte die Polizei.

Serbien und Kosovo hatten am Freitag nach monatelanger Funkstille erstmals wieder Gespräche unter Vermittlung der Europäischen Union geführt. Der serbische Regierungschef Ivica Dacic und der Ministerpräsident des Kosovo, Hashim Thaci, trafen sich in Brüssel im Beisein der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Die EU fordert von Serbien eine Verbesserung der Beziehungen zum Kosovo, bevor die Regierung in Belgrad auf den Start von Beitrittsverhandlungen mit Brüssel hoffen kann.

Die serbische Regierung erkennt die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz Kosovo nicht an. Im mehrheitlich von Serben bewohnten Nordkosovo ist die Lage seit Monaten instabil, immer wieder kommt es zu Ausschreitungen. Serbien und Kosovo hatten im März 2011 einen von der EU vermittelten Dialog gestartet und dabei in mehreren Streitpunkten wie zur Verwaltung der gemeinsamen Grenze sowie zur Reisefreiheit eine Einigung erzielt. Seit den Wahlen in Serbien im Mai waren die Gespräche jedoch unterbrochen. (APA, 22.10.2012)

Share if you care.