Der Libanon - Instabiles Staatsgebilde mit tiefen Rissen

22. Oktober 2012, 14:10
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Konfessionsproporz in der Verfassung legt den Staatsaufbau fest

Beirut - Syriens Nachbar Libanon ist politisch zerrissen. Die mehr als vier Millionen Bewohner teilen sich in 18 muslimische und christliche Gruppen. Ein Konfessionsproporz in der Verfassung legt den Staatsaufbau fest und bestimmt, welche Religionsangehörigen welche hohen Ämter besetzen dürfen. Auch die Parteien werden von den Konfessionen bestimmt. Die wichtigsten Akteure im Libanon:

SUNNITEN: Sie bilden in den Küstenstädten Sidon, Beirut und Tripoli die Bevölkerungsmehrheit. Laut Verfassung stellen sie den Regierungschef. Ihre wichtigste Partei ist die Zukunftsbewegung im Parteienbündnis „14. März". Der langjährige Ministerpräsident Rafik Hariri hatte die politische Vertretung der Sunniten reformiert. Nach seiner Ermordung 2005 zerbrach das Sunniten-Bündnis mit Syrien, der Machtkampf der sunnitischen Führung mit der Hisbollah eskalierte.

SCHIITEN: Der Parlamentspräsident ist laut Verfassung Schiit. Sunnitische Extremisten sehen in den Schiiten Abweichler von der wahren Lehre des Islams. Im Beiruter Parlament sind sie dominierende Kraft im Block „8. März", der nun die Regierung stellt.

HISBOLLAH: Die radikalislamische Schiitenbewegung Hisbollah ("Partei Gottes") ist eine soziale Organisation mit starkem militärischen Flügel. Sie entstand 1982 nach Israels Libanon-Invasion. Hauptwaffenlieferant ist der Iran, auch Syrien gilt als Unterstützer. Sie hat eine starke Kampftruppe, Hochburgen der Hisbollah sind Süd-Beirut, die Bekaa-Ebene und der Süden des Landes.

DRUSEN: Diese muslimische Religionsgemeinschaft zählt im Libanon knapp 300 000 Anhänger. Die Drusen-Miliz ging in den vergangenen Jahren mehrfach mit Waffengewalt gegen die Hisbollah vor. Ihre von Walid Joumblat (Jumblatt) geführte Sozialprogressive Partei verließ Anfang 2011 den Block des „14. März" und verschaffte dem „8. März" eine Mehrheit im Parlament, der jetzt die Regierung stellt.

MARONITEN: Unter den knapp 40 Prozent Christen im Libanon dominieren die Maroniten. Sie stellen traditionell den Staatspräsidenten, gegenwärtig Michel Suleiman. Die christlichen Parteien Libanesische Kräfte und Kataib sind mit der mit der Sunnitenpartei verbündet. Ihre Milizen sind antisyrisch ausgerichtet und unterstützen Oppositionsgruppen in Damaskus. (APA/dpa, 22. Oktober 2012)

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