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Wien - Was der Chef des Instituts für Molekulare Biologie (IMBA), Josef Penninger, vor fast genau einem Jahr bei einer Veranstaltung des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien am AKH (Koordination: Christoph Zielinski) vortrug, brachte ihm jetzt den "Innovator Award" des US-Verteidigungsministeriums mit 7,4 Millionen US-Dollar (5,68 Millionen Euro) ein: die Erforschung der Beteiligung des für den Knochenstoffwechsel wichtigen Proteins RANKL an der Brustkrebsentstehung. Dies teilte das Wiener IMBA am Montag in einer Aussendung mit.
Penninger ist der erste Österreicher, der diese Auszeichnung erhält. Im Jahr 2010 konnte er mit seinem Team den Zusammenhang bzw. den Mechanismus zwischen der Einnahme von synthetischen Sexualhormonen und einem erhöhten Brustkrebsrisiko aufklären. Der Zusammenhang - beispielsweise zwischen einer Hormonersatztherapie und vermehrtem Auftreten von Brustkrebs - war zuvor in großen epidemiologischen Studien klar zutage getreten.
Die Forscher um Penninger stellten zu dem Mechanismus fest, dass das Protein RANKL, eigentlich ein Schlüsselmolekül des Knochenstoffwechsels, auch für die Entstehung von hormonabhängigem Brustkrebs verantwortlich sein dürfte. Es regt Brustdrüsenzellen zur Teilung an und spielt eine wesentliche Rolle bei der Zunahme der Stammzellenpopulation - beides seien wesentliche Voraussetzungen für die Krebsentstehung.
Penninger schilderte vergangenes Jahr bei dem Vortrag, dass Frauen, die erhöhte Konzentrationen an dem Geschlechtshormon Preogestin und des RANKL-Proteins im Blut haben, ein signifikant größeres Risiko für das baldige Auftreten von Brustkrebs hätten.
Mit der Förderung durch das US-Verteidigungsministerium soll nun die Bedeutung von RANKL für die Entstehung von Brustkrebs und auch dessen Metastasierung weiter erforscht werden. "Die Wissenschafter wissen bereits, dass in Mäusen eine Blockade von RANKL die Entstehung von Brustkrebs signifikant senken kann", hieß es in der IMBA-Aussendung.
Penninger möchte daher möglichst bald auch mit klinischen Studien beginnen: "Wir wollen RANKL als Marker etablieren. Damit könnte man zum Beispiel das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs in Frauen bestimmen, die als Risikogruppe eingestuft sind, etwa weil es bereits Vorfälle in der Familie gab. Im Fall eines hohen Risikos wäre dann eine Brustkrebs-Prävention über einen RANKL-Blocker denkbar." Der einzige RANKL-Blocker, den es derzeit gibt, ist der monoklonale Antikörper Denosumab, der zur Behandlung von Osteoporose und von Knochenmetastasen bei Krebs eingesetzt wird.
Im Rahmen des US-geförderten Projektes will Josef Penninger auch noch weitere Gene identifizieren, die mit Brustkrebs in Zusammenhang stehen. Dazu will er eine neue Technologie einsetzen, die im vergangenen Jahr in seinem Labor entwickelt wurde. Die Forscher setzen dabei embryonale Maus-Stammzellen ein, die nur einen Chromosomensatz enthalten. Genetische Veränderungen können so viel leichter abgelesen werden. Das Team plant, tausende Gene in kürzester Zeit auf ihre Rolle in der Krebsentstehung und Metastasierung zu prüfen. "Unser finales Ziel ist, am IMBA ein Kompetenzzentrum für Brustkrebsforschung zu etablieren", so der Wissenschafter.
Das US-Verteidigungsministerium vergibt seit 1992 jährlich ein Stipendium zur Finanzierung von Brustkrebs-Projekten. Es ist Teil eines umfangreichen Programms zur Förderung unterschiedlicher Bereiche aus Medizin und Wissenschaft. Penninger setzte sich in diesem Jahr gegen 73 Konkurrenten durch. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle gratulierte zu der Auszeichnung. (APA, 22.10.2012)
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