Das Formtief und die Senkgrube

22. Oktober 2012, 18:58
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Als "grottenschlecht" bezeichnet Rapids Präsident Edlinger die Leistung gegen die Austria. Konsequenzen gibt es keine. Rückenstärkung für die Jungen

Wien - Eine Nacht drüber schlafen hat nichts gebracht. "Es ist dadurch nicht besser geworden", sagt Rapids Präsident Rudolf Edlinger dem STANDARD. "Wir haben ein grottenschlechtes Spiel abgeliefert. Die Mannschaft hat mich extrem enttäuscht. Aber ich habe das Spiel zur Kenntnis zu nehmen." Edlinger zürnt weniger wegen der Derbypleite, sondern wegen des Zustandekommens des schmeichelhaften Ergebnisses. "Die Qualität in der Mannschaft war sehr schlecht."

Seit sieben Partien ist der Rekordmeister gegen den Stadtrivalen sieglos. Mehr als beim 0:3 im August im Hanappi-Stadion zeigte sich im zweiten Saisonderby Austrias spielerische Dominanz. "Indiskutabel" nannte Trainer Peter Schöttel den Auftritt. Das Wort "ängstlich" kam ebenfalls in der Analyse vor, vom Kopf her seien seine Spieler "immer einen Schritt zu langsam" gewesen. 2012 gelang Rapid in vier Partien gegen die Austria kein Treffer. Ein Jahr ohne Derby-Tor schafften die Hütteldorfer zuletzt 1969.

Rapids Tief bekommt ein Gesicht

In verletzungsbedingter Abwesenheit von Kapitän Steffen Hofmann und Routinier Markus Heikkinen bekam Rapids Formtief in der Generali Arena ein Gesicht. Orientierungslos wirkte Schöttels Truppe, sieben Spieler in der Startelf waren 23 Jahre alt oder jünger. "Das ist schief gegangen", sagt Edlinger. "Aber über die Jungen breche ich jetzt sicher nicht den Stab. Mit diesem Team sind wesentlich bessere Resultate möglich."

Den Schluss vom Besonderen - also der besonders schwarzen Derby-Serie - hin zu einer allgemein schlechten Befindlichkeit lässt Edlinger nicht zu. "Wir sind Dritter in der Tabelle, spielen als einziger österreichischer Verein in der Europa League. Außerdem gab es auch schon Jahre, wo Rapid 16 Derbyspiele in Folge ungeschlagen blieb." Das war zwischen 1996 und 2000. Ab 2001 startete die Austria eine Serie, erst vier Jahre später und also ebenfalls nach 16 Spielen konnte Rapid wieder ein Bundesligaspiel gegen die Favoritner gewinnen.

Am Donnerstag kommt Leverkusen

Viel Zeit, die Mannschaft umzukrempeln und ihr wieder Selbstbewusstsein einzuimpfen, bleibt Schöttel nicht. Am Donnerstag kommt Bayer Leverkusen der Europa League wegen ins gut gefüllte Happel-Stadion, am Sonntag ist Meister und Tabellenführer Red Bull Salzburg Gast in Hütteldorf. Die Angst, dass sich in nur wenigen Tagen das Formtief zu einer Senkgrube gewaltigen Ausmaßes auswachsen könnte, hat Edlinger nicht. "Das sind ganz andere Spiele", sagt der 72-Jährige. Der Präsident ist damit auf einer Linie mit dem Coach. "Es gilt, diese Partie gegen die Austria aus den Köpfen und Beinen zu bekommen", sagt Schöttel.

In einer Untersuchung am Mittwoch dürfte die Entscheidung fallen, ob Hofmann nach seiner Augenverletzung rechtzeitig für Donnerstag fit wird. Ob sich der Präsident mehr Routiniers im Team wünschen würde? Edlinger sagt nur so viel: "Ich kann keine Spieler verpflichten, die ich nicht zahlen kann." (David Krutzler/Max Sprick, DER STANDARD, 23.10.2012)

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    Peter Schöttel ist als Trainer ohne Derbysieg.

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    Die Wiener Austria jubelt, Rapids Terrence Boyd zieht gesenkten Hauptes von dannen. Erstmals seit 43 Jahren gelang den Hütteldorfern in einem Kalenderjahr kein Tor gegen die Favoritner.

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