Optimierter Einsatz von Stickstoff im Blickpunkt

22. Oktober 2012, 11:54

Wiener und Grazer Forscher erarbeiten Empfehlungen für Einsatz in Landwirtschaft und Tiermast

Wien/Graz - Stickstoff hat einen starken Düngeeffekt, was in der Landwirtschaft genutzt wird, weil optimale Stickstoffversorgung die Pflanzen sprießen lässt. Stickstoffdünger dringt aber auch als Nitrat ins Grundwasser und entweicht als Lachgas (N2O) - das als Treibhausgas 300 Mal so stark wirkt wie CO2 - in die Atmosphäre. Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien und der Uni Graz suchen nun im Rahmen des Projektes "Farm-Clim" in den nächsten zwei Jahren nach dem optimalen Einsatz von Stickstoff bei der Düngung und der Tiermast.

Schädlich für die Umwelt

Stickstoff ist der "Motor" des Pflanzenwachstums. Um dieses voranzutreiben, kommen in der Landwirtschaft Stickstoffverbindungen aus natürlichen Quellen oder aus Syntheseprozessen ("Kunstdünger") zum Einsatz - seit den 1950er-Jahren in steigendem Maß. Was die Pflanzen stärker wachsen lässt, kann für die Umwelt jedoch schädlich sein: "Überdüngung verursacht Nitratbelastung in Grund- und Trinkwasser und Algenblüte in Gewässern, sowie indirekt eine Versauerung des Bodens", so Wilfried Winiwarter vom Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung (ISIS) der Universität Graz. "Weiters wird ein Teil des Düngers im Boden zu Lachgas umgewandelt, das in die Atmosphäre entweicht und dort als besonders starkes Treibhausgas wirkt", so der Grazer Forscher.

"Um Arbeitsschritte zu sparen, wird Kunstdünger meist einmalig pro Saison und dafür in reichem Maß zugegeben. Damit soll sichergestellt werden, dass auch bei schlechten Wachstumsbedingungen ausreichend Dünger vorhanden ist, damit keine Ernteeinbußen entstehen", schilderte der Chemiker und Systemwissenschafter.

Problematik der Bodenvariabilität

"Wir erforschen in diesem Projekt, wie Stickstoff zeitlich besser eingesetzt werden kann - bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die lokalen Gegebenheiten, wie zum Beispiel Bodenqualität oder Wetterverhältnisse", so Winiwarter. Er erläuterte die Problematik der Bodenvariabilität: "In Tests wurde gezeigt, dass Proben, die nur wenige Meter voneinander entfernt gezogen wurden, sich auch im Stickstoffgehalt stark voneinander unterscheiden können".

Fütterung von Nutztieren

Bei der Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere spielt der Stickstofffluss ebenfalls eine wichtige Rolle: "Ideal wäre eine Abstimmung der Inhaltsstoffe der Nahrung mit Alter und Größe des zu fütternden Tieres." Ziel von "Farm-Clim" ist, ein Maßnahmenpaket für den optimierten Einsatz von Stickstoff in Ackerbau und Viehzucht zu entwickeln, das praktikabel und durchführbar ist.

Die Forscher des Grazer Instituts für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung der Uni Graz sind als Kooperationspartner der Boku Wien in dem Projekt im Rahmen des "Austrian Climate Research Program" in den nächsten zwei Jahren für die Erstellung von Stickstoffbilanzen und für Szenarienentwicklungen verantwortlich. Außerdem sind das Umweltbundesamt Wien, die AGES, das Bundesforschungszentrum für Wald und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich involviert. (APA, 22.10.2012)

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5 Postings
veralteter, vereinfachter Artikel

Eieser Artikel vereinfacht stark. Das Stickstoffdünger nur in einer Gabe ausgebracht wird ist falsch. Getreide wird in Österreich normalerweise in 2-3 Düngergaben bedarfsorientiert gedüngt - für Verschwendung ist Stickstoffdünger einfach viel zu teuer.

Auch die altersgerechte und bedarfsgerechte Fütterung ist seit 20 Jahren Stand der Technik - weil stickstoffreiches Futter (Soja) teuer ist.

Was stimmt ist, dass insgesamt zuviel Eiweiß (Stickstoff) verfüttert wird. Das hängt allerdings mit dem Magerfleischwahn der Konsumenten zusammen. Je mehr Eiweiß verfüttert wird, desto magerer (aber auch wässriger) ist das Fleisch.

Eine gute ...

... wie wirksame Form des Anbaus ist die Kombination verschiedener Saaten. So z.B. Mais-Bohne-Kürbis. Der Mais dient der Bohne als Ranke, die Bohne extrahiert Stickstoff aus der Luft, der Kürbis schützt mit seinen Blättern den Boden vor Ausdrocknung und spendet Schatten. Die Erträge sind besser, als die mit Kunstdünger erwirtschafteten, und die Konsistenz des Erdreichs ist fester, ist also vor Erosion besser gewappnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Milpa
Auch Düngebäume und Gräser sind eine Alternative.
http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwli... d=32674710

Ja, und zur Ernte laden wir dich ein. Nimm aber deine eigene Sichel mit, wir haben schon seit 20 Jahren keine mehr am Betrieb.

super sache, ist aber eher eine gartenbautechnik. die technik wir in österreich in geringem umfang angewandt. leguminosen als stickstoffsammler kann man aber auch als zwischenfrucht nutzen. den stickstoff fixieren übrigens nicht die planzen sondern die knöllchenbakterinen als symbionten.

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