Optimierter Einsatz von Stickstoff im Blickpunkt

Wiener und Grazer Forscher erarbeiten Empfehlungen für Einsatz in Landwirtschaft und Tiermast

Wien/Graz - Stickstoff hat einen starken Düngeeffekt, was in der Landwirtschaft genutzt wird, weil optimale Stickstoffversorgung die Pflanzen sprießen lässt. Stickstoffdünger dringt aber auch als Nitrat ins Grundwasser und entweicht als Lachgas (N2O) - das als Treibhausgas 300 Mal so stark wirkt wie CO2 - in die Atmosphäre. Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien und der Uni Graz suchen nun im Rahmen des Projektes "Farm-Clim" in den nächsten zwei Jahren nach dem optimalen Einsatz von Stickstoff bei der Düngung und der Tiermast.

Schädlich für die Umwelt

Stickstoff ist der "Motor" des Pflanzenwachstums. Um dieses voranzutreiben, kommen in der Landwirtschaft Stickstoffverbindungen aus natürlichen Quellen oder aus Syntheseprozessen ("Kunstdünger") zum Einsatz - seit den 1950er-Jahren in steigendem Maß. Was die Pflanzen stärker wachsen lässt, kann für die Umwelt jedoch schädlich sein: "Überdüngung verursacht Nitratbelastung in Grund- und Trinkwasser und Algenblüte in Gewässern, sowie indirekt eine Versauerung des Bodens", so Wilfried Winiwarter vom Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung (ISIS) der Universität Graz. "Weiters wird ein Teil des Düngers im Boden zu Lachgas umgewandelt, das in die Atmosphäre entweicht und dort als besonders starkes Treibhausgas wirkt", so der Grazer Forscher.

"Um Arbeitsschritte zu sparen, wird Kunstdünger meist einmalig pro Saison und dafür in reichem Maß zugegeben. Damit soll sichergestellt werden, dass auch bei schlechten Wachstumsbedingungen ausreichend Dünger vorhanden ist, damit keine Ernteeinbußen entstehen", schilderte der Chemiker und Systemwissenschafter.

Problematik der Bodenvariabilität

"Wir erforschen in diesem Projekt, wie Stickstoff zeitlich besser eingesetzt werden kann - bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die lokalen Gegebenheiten, wie zum Beispiel Bodenqualität oder Wetterverhältnisse", so Winiwarter. Er erläuterte die Problematik der Bodenvariabilität: "In Tests wurde gezeigt, dass Proben, die nur wenige Meter voneinander entfernt gezogen wurden, sich auch im Stickstoffgehalt stark voneinander unterscheiden können".

Fütterung von Nutztieren

Bei der Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere spielt der Stickstofffluss ebenfalls eine wichtige Rolle: "Ideal wäre eine Abstimmung der Inhaltsstoffe der Nahrung mit Alter und Größe des zu fütternden Tieres." Ziel von "Farm-Clim" ist, ein Maßnahmenpaket für den optimierten Einsatz von Stickstoff in Ackerbau und Viehzucht zu entwickeln, das praktikabel und durchführbar ist.

Die Forscher des Grazer Instituts für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung der Uni Graz sind als Kooperationspartner der Boku Wien in dem Projekt im Rahmen des "Austrian Climate Research Program" in den nächsten zwei Jahren für die Erstellung von Stickstoffbilanzen und für Szenarienentwicklungen verantwortlich. Außerdem sind das Umweltbundesamt Wien, die AGES, das Bundesforschungszentrum für Wald und die Landwirtschaftskammer Niederösterreich involviert. (APA, 22.10.2012)

Share if you care