Vierfachmord in Frankreich: Offenbar Radfahrer das Ziel

21. Oktober 2012, 19:19
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45-Jähriger arbeitete in Nuklearforschung und wurde mit fünf Kopfschüssen ermordet

Annecy - Nach dem Schussattentat nahe Annecy in den französischen Alpen hat ein vorbeikommender Radfahrer lange Zeit als zufälliges Opfer gegolten. Nun stellte sich heraus, dass der Anschlag offenbar ihm gegolten hat und nicht der britisch-irakischen Familie, die ebenfalls betroffen war. Das zeigt ein Polizeiprotokoll, das die französische Tageszeitung "Le Parisien" abdruckte.

Nach der Analyse aller Spuren zeigte sich demnach, dass der Mörder eigentlich hinter dem französischen Radfahrer her war. Die erste Kugel hatte laut dem Polizeibericht den Radfahrer Sylvain Mollier getroffen. Offenbar wurde der Mörder dabei von Saad al-Hilli beobachtet, einem britisch-irakischen Familienvater, der mit seiner Familie in den französischen Alpen auf Campingurlaub war. Als er mit seiner Frau Iqbal, der Schwiegermutter Suhaila al-Allef und den beiden Töchtern fliehen wollte, wurden auch sie vom Mörder getötet.

Töchter überlebten

Mollier war ein 45-jähriger Nuklearforscher, der aus einer Ortschaft in der Nähe stammte und eine Radtour unternommen hatte, berichtete BBC-Reporter Christian Fraser. Offenbar wurden Hilli und seine siebenjährige Tochter Zeugen der Tat. In Panik rannten die beiden zum Auto zurück, doch als der Vater Vollgas geben wollte, geriet er mit der Hinterachse in ein Schlammloch, und die durchdrehenden Räder vereitelten die Flucht.

Mit einer automatischen Waffe tötete der Unbekannte die drei erwachsenen Insassen, traf die Siebenjährige an der Schulter und schlug sie mit der Waffe zusätzlich nieder. Doch sie überlebte wie auch ihre vierjährige Schwester, die sich im Fußraum des Autos hinter den Beinen ihrer Mutter verstecken konnte.

Mollier mit fünf Kopfschüssen ermordet

Dann wandte sich der Mörder wieder Mollier zu, der zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben dürfte. Er richtete den dreifachen Familienvater mit fünf Kopfschüssen regelrecht hin. Die Polizei beschreibt den Mörder in dem Bericht als skrupellos, aber zugleich als unorganisiert. Das lasse den Schluss zu, dass es sich nicht um einen Profikiller handelte.

Mollier arbeitete für die Nuklearfirma Cezus, eine Tochter der international tätigen Areva-Gruppe, die Hüllen für atomare Brennstäbe herstellt. Mollier könnte ein Doppelleben geführt haben. Deshalb wurde der 45-Jährige auch nicht wie von seiner Familie gewünscht verbrannt, sondern vorerst normal bestattet. So haben die Forensiker später noch die Möglichkeit, weitere Theorien am Leichnam zu überprüfen.

Zunächst hatten sich die Ermittlungen auf die Familie konzentriert. Familienvater Hilli hatte für einen Rüstungskonzern gearbeitet, der Satelliten entwickelt, die zu Spionagezwecken eingesetzt werden. Sowohl Hausdurchsuchungen als auch Verhöre innerhalb der Verwandtschaft hatten jedoch keine Ergebnisse gebracht. (APA, 21.10.2012)

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