Anschlag in Beirut: Der Feind im eigenen Land

Kommentar21. Oktober 2012, 18:45
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Die Regierung wird wahrscheinlich über das Attentat stürzen, was danach kommt, ist ungewiss

Déjà-vu: Da wird im Libanon einer, der sich Syrien in den Weg stellt, weggebombt. Der Geheimdienstler Wissam al-Hassan galt als Aufdecker eines syrischen Komplotts, das den Libanon dem syrischen Bürgerkrieg eingemeinden hätte sollen: Denn militärisch stellen die prosyrischen Kräfte mit der iranisch gestützten schiitischen Hisbollah im Libanon die stärkste Kraft.

Wie das Attentat gegen den Sunnitenpolitiker Rafik al-Hariri 2005, das von einem Uno-Tribunal zuerst direkt Syrien, dann der Hisbollah zugeschrieben wurde, ruft auch dieses die Wut antisyrischer Kräfte hervor. 2005 führte die Empörungswelle zum Abzug der syrischen Armee. Aber jene Libanesen, die schon damals die Hisbollah als den "Feind im eigenen Land" identifizierten, bekamen einen Dämpfer, als sich Israel 2006 von der Hisbollah in einen Krieg verwickeln ließ: Das Widerstandsimage war gerettet.

Seitdem erinnert die Hisbollah immer wieder daran, dass sich ihre militärische Stärke nicht nur gegen Israel richten kann - etwa, als sie 2008 in einer Auseinandersetzungen mit der Regierung Teile von Beirut besetzte. Heute sitzt sie in der Regierung und agiert gleichzeitig wie eine - fremdgesteuerte - Opposition: Die Entsendung einer iranischen Drohne nach Israel bezeichnete sogar der von der Hisbollah gestützte Regierungschef Najib Mikati als unnötige Provokation. Seine Regierung wird wahrscheinlich über das Attentat stürzen. Was danach kommt, ist ungewiss. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 22.10.2012)

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